Mongolei Verhaltensregeln und Sitten für Urlauber

Die Mongolei Verhaltensregeln lassen sich auf einen Nenner bringen: Respekt vor Gastfreundschaft, Feuer und Familie. Das Land ist dünn besiedelt, und viele Begegnungen finden in einer Jurte statt, die auf Mongolisch Ger heißt. Dort gelten Gesten und Tabus, die kein Reiseführer-Kapitel auf einer Seite erklärt, die du aber in einer Stunde lernst. Meine Faustregel für unterwegs: Beobachte, was dein Gastgeber tut, und mach es in Ruhe nach. Wenn du etwas falsch machst, verzeihen dir Nomaden das meist, solange du erkennbar guten Willen zeigst.

Mongolei Verhaltensregeln
Wanderer im Tal des Kherlen in der Mongolei. Foto: GerritR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Mongolei Knigge bei der Begrüßung

Grüße jeden, den du triffst, einmal und freundlich. Laut Wikivoyage wirkt es auf Mongolen seltsam, wenn du dieselbe Person später am Tag noch einmal begrüßt. Männer geben sich meist die Hand oder nicken knapp, enge Freunde umarmen sich kurz an der Schulter. Zwischen Männern und Frauen reichen häufig ein Lächeln und ein Hallo, vor allem bei jüngeren Leuten. Zieh Handschuhe aus, bevor du jemandem die Hand gibst, und lass die Ärmel nicht hochgekrempelt, denn Handgelenke bleiben bei Begrüßung und Bewirtung bedeckt.

Das Gespräch startet nur selten mit Persönlichem. Üblich sind Fragen nach deiner Fahrt, nach dem Vieh, den Weiden und dem Wetter, erst danach kommt Privates. Halte dich bei Krankheit, Tod und Unfällen zurück, solche Themen gelten als schlechtes Vorzeichen. Auch Scherze über Pannen an Autos oder Flugzeugen kommen schlecht an. Mit zwei, drei mongolischen Wörtern gewinnst du schneller Sympathie als mit langen Erklärungen auf Englisch, das auf dem Land ohnehin kaum jemand spricht.

Mongolei Reisen und das Ankündigen vor der Jurte

Klopfen gibt es nicht, du rufst. Der übliche Ruf lautet «Nokhoi khor», ungefähr «halt den Hund», und kündigt dich an, während er gleichzeitig auf den Wachhund hinweist. Die Hunde bei Nomadenlagern sind keine Streicheltiere, bleib also im Auto sitzen oder in Rufweite, bis jemand aus dem Ger tritt. Der Urga, eine lange Holzstange mit Schlinge, wird nicht überstiegen, wenn er am Boden liegt. Geh drumherum.

An der Tür gilt eine Regel für alle Besucher: nicht auf die Schwelle treten und sich nicht darüber beugen. Nimm die Mütze ab, hebe sie zum Gruß kurz an und lass sie danach nicht auf dem Boden liegen. Geh vor älteren Menschen nie vorbei. Die Reiseführer widersprechen sich, auf welcher Seite du eintreten sollst, also schau dir an, was dein Gastgeber vormacht. Im Ger gehst du im Uhrzeigersinn und setzt dich dort hin, wo man dir den Platz zeigt.

Mongolei Sitten beim Sitzen, Feuer und Altar

Im Ger sitzt du im Schneidersitz oder mit unter den Körper gezogenen Füßen. Die Fußsohlen zeigen weder auf Menschen noch auf den Herd oder den kleinen Altar hinten im Zelt. Der Kopf steht im buddhistisch geprägten Weltbild über den Füßen. Trittst du jemandem aus Versehen auf den Fuß, gib ihm sofort die Hand. Das Schlafen gehört in die gleiche Logik, denn die Füße zeigen nachts zur Tür und nie zum Altar.

Das Feuer im Ofen ist heilig. Wirf keinen Müll hinein, schütte kein Wasser darauf und stell nichts auf die Flammen. Die tragenden Säulen in der Mitte sind kein Anlehnplatz. Sie stehen für Stabilität, und im Halbdunkel verwechselt man sie schnell mit dem heißen Ofenrohr. Pfeifen im Zelt gilt als unhöflich. Fasse niemandem an den Kopf, auch Kindern nicht, und halte Messer immer mit dem Griff voran hin. Fremde Hüte rührst du nicht an.

Mongolei Umgangsformen beim Essen und Trinken

Lehne Essen und Getränke nicht ab. Ein Nippen am Milchtee oder ein Stückchen Quark reicht als Zeichen der Wertschätzung, den Teller musst du nicht leeren. Nimm alles rechts entgegen, bei schweren Schalen stützt die linke den rechten Ellbogen. Aus der gemeinsamen Platte greifst du nie mit links. Verschütte keine Milch, das gilt als Fauxpas. Passiert es doch, tätschelt man den Kindern den Kopf, und die Gastgeber verstehen, dass du fremd bist.

Fleisch und Milchprodukte bilden auf dem Land die Grundlage der Küche. Probiere Buuz, die gedämpften Teigtaschen, oder Airag, vergorene Stutenmilch, wenigstens einmal. Schmeckt dir etwas nicht, formuliere die Absage freundlich und positiv, etwa mit dem Hinweis auf dein Befinden, statt das Essen zu kritisieren. Mit leeren Händen kommt niemand gern. Eine Tüte Süßigkeiten oder Obst für die Familie passt immer, wenn du zum Essen eingeladen wirst.

Mongolei Verhalten bei Wodka und Schnupftabak

Bekommst du ein Glas Wodka gereicht, tauche den Ringfinger der rechten Hand hinein und schnippe einen Tropfen in Richtung Himmel, einen in die Luft und einen auf den Boden. Trinkst du keinen Alkohol, mach die Geste trotzdem, berühre mit dem Finger deine Stirn, bedanke dich und gib das Glas zurück. Auch bei Empfängen kreist manchmal eine kleine Schale mit Schnaps. Du musst nicht trinken, setze sie aber an die Lippen.

Der Schnupftabak, Khöörög genannt, wandert in einem kleinen Fläschchen von Hand zu Hand. Männer tauschen es traditionell zur Begrüßung und geben es mit rechts weiter. Meist riecht man nur daran. Ist das Fläschchen leer, spielst du die Bewegung trotzdem durch. Streck beim Weiterreichen nie den kleinen Finger ab, das gilt als abfällig. Alkoholmissbrauch ist laut Wikivoyage ein Problem im Land, halte dich also nachts von Betrunkenen fern und sei in Bars der Hauptstadt vorsichtig.

Mongolei Verhaltensregeln bei Geschenken und Abschied

Wenn du bei einer Nomadenfamilie übernachtet hast, lass beim Abschied etwas zurück. Geld wirkt dabei peinlich, besser sind Lebensmittel, Tee, Süßes oder Spielzeug für die Kinder. Reiche das Geschenk mit beiden Händen und offener Handfläche. Ein Geschenk, das man dir überreicht, lehnst du nicht ab. Nimm es rechts an, den Ellbogen mit der linken gestützt, und sag deutlich Danke.

In einem reinen Touristen-Ger-Camp gelten diese Geschenkbräuche laut Wikivoyage nicht, dort zahlst du für Übernachtung und Essen. Familienbesuche über einen Fahrer oder Guide sind eine andere Sache, hier freuen sich Gastgeber über eine Kleinigkeit. Frag deinen Guide am Vortag, was in der Region üblich ist. Notiere dir Namen der Gastgeber, denn ein später per Post geschicktes Foto sorgt für mehr Freude als ein teures Mitbringsel.

Mongolei Knigge beim Fotografieren

Frag, bevor du Menschen fotografierst, und zeig das Bild danach auf dem Display. Ein Nicken oder Lächeln genügt meist als Zustimmung, und im Ger gilt die Regel, nichts anzufassen und nur nach Erlaubnis zu knipsen. Das betrifft auch den Altar, die Familienbilder und das Innenleben des Zeltes. Kinder fotografierst du nur mit Blick zu den Eltern. Ein Reiter, dem du für ein Bild hinterherläufst, erschrickt ebenso wie sein Pferd.

In Tempeln und Behörden können Aufnahmen verboten sein, erkundige dich vorher. Schau auf Schilder am Eingang und frag im Zweifel einen Mönch oder deinen Guide. Ein Blitz stört die Ruhe im Gebetsraum, lass ihn aus. Hast du eine Drohne dabei, frag zusätzlich vor dem Start nach, denn Herden und Nomaden reagieren auf Lärm aus der Luft empfindlich.

Mongolei Sitten in Klöstern und an heiligen Orten

Die meisten Mongolen sind Buddhisten oder folgen schamanischen Bräuchen, manche Nomaden sind Muslime. Kleide dich in Klöstern und an heiligen Plätzen zurückhaltend, bedecke Schultern und Knie. Nimm Sonnenbrille und Mütze ab und zieh am Eingang die Schuhe aus, wo es verlangt wird. Altäre, Gebetsfahnen und Steine mit Gebeten fasst du nicht an. Rund um Stupas und Gebetsmühlen läufst du im Uhrzeigersinn, so wie alle anderen.

Solche Fahnen und Steine sind Opfergaben, kein Fotohintergrund, und Besucher drängen sich nicht vor Betende. Halte deine Stimme tief und deine Schritte langsam. Der 14. November, der Geburtstag von Dschingis Khan, ist landesweit ein Feiertag. Der Herrscher gilt vielen als Nationalheld, also verkneif dir spöttische Bemerkungen über ihn.

Mongolei Umgangsformen bei Naadam und Tsagaan Sar

Das Naadam-Fest in Ulaanbaatar findet vom 11. bis 13. Juli statt. Es gibt Ringkämpfe, Pferderennen und Bogenschießen, die UNESCO nahm es 2010 in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Im Stadion drängen sich viele Menschen, Karten solltest du früh organisieren. Bleib beim Pferderennen hinter den Absperrungen, denn die Rennstrecke führt über Steppe, und Kinder reiten die Tiere. Kleinere Naadam-Feste in den Provinzen sind im Juli gemütlicher und familiärer.

Tsagaan Sar, das Neujahrsfest nach dem Mondkalender, fällt in den Januar oder Februar und dauert drei Tage. Familien besuchen ihre Ältesten, begrüßen sich mit dem Zolgokh, bei dem man sich an den Ellbogen stützt, und essen Buuz, Hammel und weiße Speisen als Zeichen reiner Absichten. Geschenke gehören dazu. Wirst du eingeladen, bring etwas Süßes mit und iss reichlich. Auf dem Land ruht die Arbeit teils wochenlang, und im Winter ist es sehr kalt.

Mongolei Verhalten bei Trinkgeld, Handeln und Taxi

Trinkgeld wird laut Wikivoyage selten erwartet, außer bei Touranbietern und Guides. In einigen besseren Restaurants und Hotels der Hauptstadt steht eine Servicegebühr auf der Rechnung, vor allem bei größeren Gruppen. Gib deinem Fahrer und Guide am Ende einer mehrtägigen Tour etwas, in Landeswährung und in einem Umschlag. Frag deinen Veranstalter vorab, was für die Region üblich ist.

Feilschen ist in der Mongolei nicht so verbreitet wie in anderen asiatischen Ländern, auf Märkten wird ein fairer Preisnachlass aber akzeptiert. Setz dich dabei nie unter Druck und werde nicht laut. In Ulaanbaatar stellt der Fahrer den Taxameter laut Wikivoyage selbst ein, manche geben kein Wechselgeld. Hab deshalb kleine Scheine parat. Bei gecharterten Jeeps wird häufig pro Kilometer verhandelt, vereinbare Preis, Route und Verpflegung vorher schriftlich. Ein Guide verhindert viele Missverständnisse.

Mongolei Verhaltensregeln für Natur und Camping

Die Weite täuscht, fast jedes Fleckchen Steppe gehört einer Familie oder dient als Weide. Laut Wikivoyage ist das Land außerhalb von Städten öffentliches Eigentum, und du kannst fast überall zelten. Halte aber Abstand zu Nomadenlagern, baue dein Zelt nicht an Straßen auf und nimm deinen Müll vollständig wieder mit. Verbrenne ihn nicht im Lagerfeuer, denn Feuer gilt den Mongolen als heilig. Brennholz ist knapp, und getrockneter Dung dient als Brennstoff, also nimm dir keinen davon.

Wasserstellen sind in der Steppe selten und kostbar. Verschmutze keine Quelle mit Seife oder Zahnpasta, schöpfe Wasser und wasche dich in einigem Abstand. Auf Pferden kommst du nur mit der Erlaubnis des Besitzers und niemals ohne Anleitung. Schließe Weidezäune hinter dir, wo es welche gibt. Verhalte dich leise nahe Herden, damit die Tiere nicht auseinanderlaufen. Eine Mongolei Reise lebt von dieser Weite, und sie bleibt nur sauber, wenn jeder sie so verlässt, wie er sie gefunden hat.