Georgien Verhaltensregeln und Sitten für Urlauber

Die Georgien Verhaltensregeln lassen sich auf einen Grundgedanken bringen: Gäste gelten im Land als Geschenk Gottes, und wer das zu würdigen weiß, wird mit offenen Armen empfangen. Respekt vor Kirche, Familie und Tischkultur zählt mehr als jede einzelne Vorschrift. Als Faustregel hilft dir: lieber zurückhaltend kleiden, höflich zuhören und Einladungen annehmen, statt sie abzulehnen. Die folgenden Abschnitte zeigen, wie das im Detail aussieht, von der ersten Begrüßung bis zum langen Festmahl.

Georgien Knigge bei der Begrüßung

Das georgische Wort für Hallo lautet „Gamarjoba“, und du hörst es in Läden, Cafés und Gästehäusern ständig. Wenn du es selbst benutzt, noch dazu mit einem Lächeln, wirst du spürbar freundlicher behandelt. Dazu gehört ein fester Händedruck und Blickkontakt, denn Wegschauen wirkt schnell respektlos. Zwischen Männern ist der Handschlag üblich, Frauen reichen sich je nach Situation ebenfalls die Hand oder nicken freundlich.

Der Tag beginnt in Georgien später, als viele Mitteleuropäer es gewohnt sind. Die Städte bleiben morgens bis etwa 9 Uhr ruhig, und Arbeitsbeginn liegt selten vor 10 Uhr. Plane Termine mit Gastgebern, Guides oder Fahrern deshalb nicht zu früh und rechne damit, dass Verabredungen etwas locker gehandhabt werden. Zugesagte Treffen solltest du trotzdem einhalten, und wenn du absagen musst, nenne einen ehrlichen Grund.

Georgien Reisen und Gastfreundschaft im Haus

Eine Einladung nach Hause gilt als große Ehre. Du lehnst sie am besten nicht ab, es sei denn, du hast für denselben Zeitpunkt schon eine andere Einladung zugesagt, das zählt als anerkannter Grund. Ausreden wie fehlende Lust oder ein zu weiter Weg kränken den Gastgeber. Bring ein kleines Geschenk mit, etwa Süßigkeiten oder Blumen für die Gastgeberin. Bei Blumen gilt eine ungerade Zahl als richtig, gerade Zahlen sind laut Reiseratgebern Trauerfällen vorbehalten.

Essen und Getränke bringt man dagegen meist nicht mit, weil der Gastgeber selbst reichlich auftischt. Das Essen kommt in großen Mengen, und Ablehnen gilt als unhöflich. Probiere also von allem, ein Stück Khachapuri oder ein paar Chinkali gehen immer. Lobe die Gastgeber ruhig ausführlich. Mit Kritik am Land wartest du, bis ihr euch besser kennt, auch dann bleib vorsichtig.

Georgien Sitten an der Supra Tafel

Die Supra ist das traditionelle Festmahl, und sie folgt festen Regeln. Geleitet wird sie vom Tamada, dem Tischmeister, der die Trinksprüche ausbringt und sich bei Bedarf einen Stellvertreter wählt. Getrunken wird erst nach seinem Spruch. Möchtest du selbst etwas sagen, bittest du zuerst um das Wort. Die Sprüche gelten Gästen, Kindern, Verwandten, Verstorbenen oder dem Land und werden ernst genommen, also halte dein Glas mit beiden Händen und schau den Sprecher an.

Ein solches Essen dauert in der Regel mehrere Stunden. Früher gehen kannst du, wenn du die Runde nicht stören willst, nur nach einem fröhlichen Trinkspruch, nach einem traurigen nicht. Bitte dann den Tamada um das Wort und sage zum Abschied „Daschla Armaschla“. Trinkst du aus religiösen Gründen nicht mit, etwa als Muslim, wirst du laut Reisehandbüchern ohne Probleme akzeptiert. Sag das freundlich und früh, bevor das erste Glas eingeschenkt ist.

Georgien Umgangsformen beim Trinken

Wein gehört in Georgien zum Selbstverständnis, und eine Ablehnung kann leicht als Beleidigung ankommen. Hast du einen guten Grund, etwa die Autofahrt oder eine Krankheit, sprich ihn offen aus. Nimmst du das Glas an, solltest du wissen, dass es selten bei einem oder zwei bleibt. Nach jedem Spruch trinkt man einen Schluck, und niemand erwartet, dass du das Glas jedes Mal leerst. Teile dir die Menge also ein und lass nebenbei Wasser und Brot bereitstehen.

Am Steuer gilt in Georgien eine Grenze von 0,0 Promille. Nach einem Fest am Abend fährst du nicht mehr selbst, sondern nimmst ein Taxi oder lässt sich fahren. Politik, Religion, Abchasien, Südossetien und das Verhältnis zu Russland sind Themen, die bei Alkohol schnell hitzig werden. Halte dich dort zurück und frag lieber nach dem Essen, den Familien und dem Wein, damit bleibt die Stimmung gut.

Georgien Verhalten in Kirchen und Klöstern

Die orthodoxe Kirche prägt das Land, und viele Klöster sind aktive Orte des Glaubens und keine bloßen Ausflugsziele. Betrittst du eine Kirche, nimm Hut oder Kappe ab, sprich leise und schalte das Handy lautlos. Während eines Gottesdienstes bewegst du dich ruhig am Rand oder hinten und gehst nicht durch die Mitte. Kreuzschlagen oder andere Rituale musst du nicht nachahmen, wenn es nicht deine Tradition ist. Respekt zählt hier mehr als Nachahmung.

Am Eingang verkaufen kleine Stände Kerzen aus Bienenwachs, manchmal gegen einen kleinen Betrag auf Vertrauensbasis. Es gibt häufig getrennte Ständer für Lebende und Verstorbene. Schau, was die Einheimischen tun, oder frag leise nach, und lass es sein, wenn du dir nicht sicher bist. Frauenklöster und abgelegene, aktive Klöster nehmen es strenger als große, bekannte Kirchen. Weist dich jemand an, die Kleidung zu richten, folge der Bitte ohne Diskussion.

Georgien Verhaltensregeln bei der Kleidung

Im täglichen Leben kleidet man sich in Georgien leger, aber gepflegt. Männer tragen auch im Hochsommer meist keine kurzen Hosen, vor allem nicht in der Stadt und in Kirchen. Frauen verzichten besser auf tiefe Ausschnitte und sehr kurze Röcke. In Tiflis, Batumi und an den Stränden des Schwarzen Meeres geht es lockerer zu, auf dem Land und in den Bergdörfern fällst du in knapper Kleidung dagegen schnell unangenehm auf.

Für Kirchen gilt eine strengere Regel. Männer brauchen lange Hosen und mindestens ein kurzärmeliges Shirt. Frauen decken Schultern, Knie und das Haar ab, und ein leichtes Tuch über dem Kopf reicht meist aus. Manche Kirchen leihen Tücher oder Wickelröcke aus, verlassen kannst du dich darauf jedoch nicht, also pack ein eigenes Tuch in den Tagesrucksack. Die Durchsetzung schwankt, an manchen Orten wird der Eintritt verwehrt.

Georgien Knigge beim Fotografieren

Draußen kannst du in Georgien meist ungehindert fotografieren, Landschaften, Märkte und Burgen sind kein Problem. In Kirchen entscheidet jedes Haus selbst, ob Innenaufnahmen erlaubt sind. Blitzlicht ist überall tabu, und während eines Gottesdienstes bleibt die Kamera in der Tasche. Betende zu filmen oder Rituale aufzunehmen, wird als aufdringlich empfunden. Im Zweifel fragst du leise nach oder lässt das Foto weg.

Menschen fotografierst du am besten erst nach einem Blickkontakt und einem Nicken. Bei Gastgebern, Marktfrauen oder Hirten im Gebirge entsteht meist ein kleines Gespräch, und aus dem Gespräch ein Bild, über das sich alle freuen. Für Kinder gilt, dass du kurz die Eltern fragst. Erlaubnisschilder an Militärgebäuden und Grenzanlagen nimmst du ernst. Dort fotografiert man nicht, auch wenn die Aussicht verlockt.

Georgien Reisen und das Drogenrecht

Beim Thema Cannabis lohnt ein genauer Blick, denn die Lage ist verwirrend. Nach einem Urteil des Verfassungsgerichts vom 30. Juli 2018 ist Konsum und Besitz nicht mehr strafbar. Verkauf und Anbau im großen Stil bleiben aber verboten, ebenso der Konsum in der Öffentlichkeit und in Gegenwart von Kindern. Vor dem Urteil drohten Konsumenten bis zu 14 Jahre Haft, und Gesetze in diesem Bereich ändern sich. Prüfe den aktuellen Stand deshalb vor der Reise bei den Behörden.

Als Tourist ist es klüger, die Finger ganz davon zu lassen. Du kennst weder die Mengen, die toleriert werden, noch weißt du, wie eine Kontrolle ausfällt. Berichte nennen zudem Drogentests durch die Polizei. Alkohol bis vier Liter darf zollfrei eingeführt werden, dazu kommen 400 Zigaretten oder 50 Zigarren. Beachte außerdem, dass Rauchen in der Öffentlichkeit eher schief angesehen wird, nutze dafür ausgewiesene Bereiche.

Georgien Sitten bei Paaren und heiklen Themen

Georgien ist konservativ, vor allem außerhalb von Tiflis. Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit, etwa Küsse, sind unüblich, und in ländlichen Bergregionen halten sich auch heterosexuelle Paare zurück. Homosexualität ist nicht strafbar, wird in der Öffentlichkeit jedoch abgelehnt. Gleichgeschlechtliche Paare haben laut Reisehandbüchern wenig zu befürchten, sollten sich aber diskret verhalten und das Thema im Gespräch nicht von sich aus ansprechen.

Auch sonst gibt es Gesprächsthemen, die du meiden solltest. Das gilt für Politik, Religion und die Beziehung zu Russland genauso wie für die abtrünnigen Gebiete Abchasien und Südossetien. Interesse an der Geschichte, an Weinbau, Küche oder Musik kommt dagegen gut an. Zeig die Fußsohlen nicht beim Sitzen und zeig auf Dinge mit der ganzen Hand statt mit dem ausgestreckten Zeigefinger, so vermeidest du kleine Missverständnisse.

Georgien Umgangsformen im Restaurant und im Taxi

In Restaurants wird meist ein Servicezuschlag von 10 Prozent erhoben. Er steht nicht immer auf der Karte oder der Rechnung, ist aber kein Betrug. In Cafés lassen manche Gäste zusätzlich etwas liegen, wenn der Service gut war. Beim Bezahlen übernimmt in der Regel der, der zum Essen eingeladen hat. Getrennte Rechnungen sind unüblich. Allein reisende Gäste setzt man gelegentlich zu anderen an den Tisch, was freundlich gemeint ist.

Taxis haben in Tiflis, Kutaissi und Batumi meist keinen Taxameter, deshalb vereinbarst du den Preis vorher. Innerhalb der Stadt kostet eine Fahrt laut Wikivoyage meist etwa 5 Lari, zum Flughafen Tiflis ab etwa 20 Lari. Auf Märkten ist respektvolles Handeln üblich, bleib dabei freundlich und lächle. Größere Beträge wie bei Hotels oder Autos werden häufig in US-Dollar genannt, frag also nach der Währung.

Georgien Verhalten in den Bergen und beim Trampen

In den Bergregionen wie Tuschetien, Chewsuretien oder Swanetien sind Hotels selten, dafür gibt es viele Privatunterkünfte. Sie sind meist schlicht, manchmal ohne Bad und mit Plumpsklo im Garten. Verhalte dich dort wie in einem fremden Haus: Schuhe ausziehen, wenn die Gastgeber es tun, leise sein, wenn die Familie schläft. Wildes Campen mit Lagerfeuer ist erlaubt, solange du nicht auf Privatgrund stehst. Nimm deinen Müll wieder mit.

Trampen ist im Bergland üblich. Als Mitfahrer zahlst du meist ein paar Lari zu den Spritkosten, manchmal wird auch nichts verlangt. Biete das Geld immer an. Außerhalb der Städte ist es schwierig, eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen, denn Marschrutkas fahren erst ab, wenn sie voll sind. Viele Bergstraßen, etwa nach Tuschetien, sind nur mit Geländewagen befahrbar, und Feste mit Pferderennen finden häufig um hohe kirchliche Feiertage statt.