Lençóis Maranhenses Reise zwischen weißen Dünen und blauen Lagunen

Meine Lençóis Maranhenses Reise brachte mich in den Norden Brasiliens, wo sich weiße Sanddünen über 1.550 Quadratkilometer erstrecken und in der Regenzeit tausende Lagunen in Blau und Grün darin liegen.

Auf Fotos sah die Gegend aus wie eine Montage. Zu viel Weiß, zu viel Türkis, kein Strand weit und breit. Erst als ich auf dem ersten Dünenkamm stand, die Füße im warmen Sand und vor mir ein See mit klarem Wasser, glaubte ich, dass hier nichts bearbeitet war. Dabei ist der Nationalpark keine Wüste im eigentlichen Sinn: Pro Jahr fallen rund 1.500 Millimeter Regen, und genau dieser Regen füllt die Senken zwischen den Dünen.

Ich war sieben Tage im Bundesstaat Maranhão unterwegs, zuerst in Barreirinhas, dann in Santo Amaro. Einen Tag habe ich bewusst als Reserve freigehalten, weil Wetter, Gezeiten und Pistenzustand die Planung durcheinanderbringen können. Das erwies sich später als gute Entscheidung.

Wer eine Reise in die Lençóis Maranhenses plant, stößt schnell auf die Frage nach dem richtigen Ausgangsort und dem richtigen Monat. Auf beides gehe ich unten ein, außerdem auf Touren, einen Zeitplan und die Dinge, die ich im Rucksack hatte und welche ich besser zu Hause gelassen hätte. Preise nenne ich nur grob, weil sie sich von Saison zu Saison ändern.

Lençóis Maranhenses Reisebericht
Dünen und Lagunen in den Lençóis Maranhenses. Foto: Iain and Sarah from London, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Anreise nach Barreirinhas und der erste Eindruck

Die Lençóis Maranhenses erreicht man über São Luís, die Hauptstadt des Bundesstaats, und von dort in etwa fünf Stunden per Bus oder Transfer nach Barreirinhas.

Ich bin in São Luís gelandet und habe am nächsten Morgen den Linienbus genommen. Er brauchte gut fünf Stunden, die Fahrt führte durch flaches Land mit Palmen, Reisfeldern und Dörfern, in denen mittags niemand auf der Straße war. Private Minibusse schaffen die Strecke in rund vier Stunden. Wer aus dem Süden anreist, kann auch den Flughafen Parnaíba im Nachbarstaat Piauí nutzen, der etwa 180 Kilometer entfernt liegt.

Barreirinhas ist der größte Ort der Gegend und das Tor zum Park. Viel mehr als ein Flussufer, ein paar Restaurants und Reisebüros hat der Ort nicht zu bieten, aber hier findest du die meiste Infrastruktur, vom Geldautomaten bis zur Auswahl an Pousadas. Mein erster Abend bestand aus einem Spaziergang am Rio Preguiças, gegrilltem Fisch und einem Gespräch mit dem Gastgeber über den Tourenplan der nächsten Tage.

Wichtig zu wissen: Der Parkeingang liegt 45 bis 60 Minuten entfernt, auf Sandpisten. Eine neue Brücke hat die Fahrt zuletzt etwas verkürzt, ändert aber nichts daran, dass sich im Park alle Touren mit Geländewagen vollziehen. Ein eigenes Auto brauchst du nicht, und es nützt dir auch nichts.

Lagoa Azul und Lagoa Bonita bei Barreirinhas

Von Barreirinhas aus erreichst du die bekanntesten Lagunen, die Lagoa Azul und die Lagoa Bonita, auf Halbtagestouren mit offenen Geländewagen.

Die Halbtagestouren starten morgens gegen neun Uhr und enden mittags, oder sie beginnen am frühen Nachmittag und dauern bis zum Sonnenuntergang. Ich habe mich für den Nachmittag entschieden, weil das Licht dann weicher wird und die Hitze nachlässt. Bei den Temperaturen von bis zu 36 Grad ist das kein kleiner Vorteil.

Die Fahrt auf der Ladefläche war ruppig und lustig zugleich. Nach der Sandpiste ging es zu Fuß über die ersten Dünen, barfuß, weil Schuhe im feinen Sand eher hinderlich sind. Am ersten Halt hatte die Lagoa Azul das Wasser, das ich von den Fotos kannte: klar, knietief an den Rändern, an manchen Stellen so tief, dass man schwimmen konnte. Die Lagoa Bonita lag eingebettet zwischen höheren Dünen, und gegen Abend färbte sich der Himmel darüber orange. Die Lagoa Bonita führt laut Parkangaben das ganze Jahr Wasser, die Lagoa Azul schrumpft in der Trockenzeit dagegen deutlich.

Schatten gibt es auf den Dünen nicht. Sonnencreme, Hut und mindestens ein Liter Wasser pro Person gehören ins Gepäck, außerdem ein schnell trocknendes Handtuch für den Sprung ins Wasser. Fotografieren solltest du früh, denn nach 17 Uhr kippt das Licht schnell.

Santo Amaro und die ruhigere Seite der Dünen

Santo Amaro hat weniger Hotels als Barreirinhas, liegt dafür nur wenige Minuten von den Lagunen entfernt und ist die bessere Wahl, wenn du Ruhe suchst.

Nach drei Nächten in Barreirinhas bin ich in das Dorf weitergezogen. Santo Amaro besteht aus Sandstraßen, Holzhäusern und einer Handvoll Gästehäusern, abends hört man vor allem Grillen und Hunde. Der Park beginnt praktisch vor der Haustür, und die Lagunen liegen in einer Fahrt von rund fünf Minuten. Genannt werden hier vor allem die Lagoa da Gaivota und die Lagoa das Emendadas, außerdem Rundtouren wie der Circuito Betânia.

Was mir hier besser gefallen hat als in Barreirinhas: Die Gruppen sind kleiner, die Touren beginnen früher, und manche Anbieter stellen Sonnenschirme und Liegen bereit. Frag danach, bevor du buchst, denn ein Schirm auf dem Sand macht aus drei heißen Stunden einen angenehmen Nachmittag.

Ein weiterer Ausflug führt per Boot nach Primeira Cruz, wo Ende des Tages Scharlachsichler, rote Ibisse, in Schwärmen ihre Schlafplätze ansteuern. Am besten klappt das bei Flut. Als ich dort war, herrschte Ebbe, die Vögel waren weiter weg, und ich habe nur einen Teil des Spektakels gesehen. Atins, ein kleines Fischerdorf weiter nordöstlich, ist beliebt bei Kitesurfern und etwas teurer, besitzt einen Leuchtturm und erlaubt Spaziergänge direkt in die Dünen hinein. Dorthin fahren viele Besucher als Tagesausflug von Barreirinhas aus.

Mein Zeitplan für sieben Tage

Sieben Tage genügen, um zwei Orte, mehrere Lagunen und einen Reservetag zu kombinieren, ohne dass die Reise zur Hetzjagd wird.

Als Faustregel gelten vier bis fünf Tage, wenn du in einem einzigen Ort bleibst, sieben Tage bei zwei Orten und etwa zehn Tage, wenn Atins zusätzlich dazukommt. Ich habe die Variante in der Mitte gewählt und würde sie wieder so planen.

  1. Tag 1: Flug nach São Luís und Übernachtung in der Stadt.
  2. Tag 2: Busfahrt nach Barreirinhas, abends Spaziergang am Fluss.
  3. Tag 3: Halbtagestour zur Lagoa Azul und zur Lagoa Bonita am Nachmittag.
  4. Tag 4: Tagesausflug nach Atins mit Lagunenstopps, Rückkehr nach Barreirinhas.
  5. Tag 5: Umzug nach Santo Amaro, Tour zu den Lagunen der Umgebung.
  6. Tag 6: Bootsfahrt nach Primeira Cruz zu den Scharlachsichlern, danach freier Nachmittag.
  7. Tag 7: Reserve, Rückfahrt oder zusätzliche Tour.

Wer mehr Abenteuer möchte, bucht eine Quadtour durch die Pequenos Lençóis. Dort darf ein Quad bis zu zwei Personen tragen, Fahrer müssen mindestens 18 Jahre alt sein, und die Tour dauert ganztägig. Außerdem gibt es eine Dünentour am Abend, Tubing auf dem Rio Formigas und Rundflüge per Hubschrauber oder Kleinflugzeug.

Beste Reisezeit für die Lençóis Maranhenses Reise

Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und September, wenn die Lagunen gefüllt sind, wobei Mai und September mit weniger Andrang und besseren Preisen punkten.

Entscheidend ist der Wasserstand, und der hängt vom Regen ab. Er fällt in den ersten Monaten des Jahres, danach füllen sich die Senken zwischen den Dünen nach und nach. Von Juni bis September ist Hochsaison, dann sind die Lagunen am größten und Barreirinhas am vollsten. In den letzten Monaten des Jahres verdunstet das Wasser fast vollständig, viele Lagunen trocknen aus, und nur wenige führen dann noch Wasser.

Ich war im September dort. Die Lagunen waren gut gefüllt, die Wege nicht überlaufen, und die Preise für Unterkünfte lagen unter denen der Hochsaison. Die Temperaturen bewegen sich im Jahresverlauf zwischen etwa 16 und 36 Grad, und oft weht kräftiger Wind, der am Nachmittag Sand über die Kämme treibt. Wer im Dezember oder Januar kommt, sollte keine Badelagunen erwarten, sondern eine Landschaft aus Sandwellen, die ebenfalls eindrucksvoll ist.

Verhaltensregeln in den Lençóis Maranhenses und in Brasilien

Im Park gelten klare Regeln für Touren und Umwelt, und in den Dörfern hilft ein freundliches Bom dia mehr als jedes Wörterbuch.

Alle Touren im Nationalpark laufen mit Führer. Ich habe mich auf den Dünen an seine Route gehalten, weil der Sand Spuren schnell verweht und man die Orientierung leicht verliert. Müll nahm ich vollständig wieder mit, ebenso Zigarettenstummel. Viele Anbieter bitten darum, vor dem Sprung in die Lagunen keine Sonnencreme und kein Insektenschutzmittel aufzutragen, damit die empfindlichen Becken sauber bleiben. Muscheln, Sand oder Pflanzen als Souvenir mitzunehmen, ist keine gute Idee, im Schutzgebiet ohnehin nicht erwünscht.

Im Alltag begrüßt man sich in Brasilien herzlich. Ein „Bom dia“ am Morgen, ein Handschlag oder eine lockere Umarmung unter Bekannten sind normal. Badekleidung bleibt am Wasser und auf den Touren, im Ort und im Restaurant ziehe ich ein Shirt darüber. Bevor ich Einheimische fotografiere, frage ich kurz nach. In Restaurants ist häufig schon ein Bedienungsaufschlag von zehn Prozent auf der Rechnung, prüfe das, bevor du zusätzlich Trinkgeld gibst. Pünktlichkeit wird locker gehandhabt, Abfahrtszeiten der Touren sind aber verbindlich, sei also rechtzeitig da.

Packliste und praktische Tipps für unterwegs

Leichte, helle Kleidung, Sonnenschutz und ein Plan für das Bargeld sind wichtiger als jede Fotoausrüstung.

In meinem Rucksack lagen Badesachen, langärmelige Kleidung gegen die Sonne, Mütze, Sonnenbrille, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und ein Handtuch aus Mikrofaser. Auf den Dünen läuft man am besten barfuß, im Dorf reichen Flip-Flops. Eine wasserdichte Hülle für das Handy ist sinnvoll, weil Sand und Wasser zusammen Elektronik schnell ärgern.

Alle Touren im Park laufen mit Führer und in dafür gebauten Geländewagen. Das ist Vorschrift und gleichzeitig hilfreich, denn zwischen den Dünen verliert man leicht die Orientierung. Buche Touren möglichst direkt über deine Pousada oder ein Reisebüro vor Ort, vergleiche zwei bis drei Angebote und frage nach Gruppengröße, Abfahrtszeit und Dauer. Bargeld in Real brauchst du in kleineren Orten oft, weil Kartenzahlung nicht überall funktioniert.

Eine Moskitoprophylaxe schadet nicht, vor allem abends am Fluss. Schlaf in der ersten Nacht ruhig aus, denn die Hitze und der Wind zehren mehr, als man denkt. Und lass Zeit für den Sonnenuntergang auf einer Düne, bei dem der Sand von Weiß zu Rosa wechselt.