Neufundland Reise zwischen Eisbergen, Wikingern und dem Gros Morne

Meine Neufundland Reise führte mich auf eine Insel am Rand Nordamerikas, wo Eisberge an der Küste vorbeiziehen, Wikinger vor tausend Jahren Torfhäuser bauten und Elche mitten auf der Landstraße stehen.

Neufundland liegt am östlichen Rand Nordamerikas und gehört zu Kanada, seit sich die Provinz 1949 als letzte anschloss. Die Insel misst rund 108.900 Quadratkilometer, ist damit die fünfzehntgrößte der Welt und zählt nur gut 510.000 Einwohner. Das Ergebnis sind lange Straßen, kleine Fischerdörfer und ein Himmel, der sich im Lauf eines Tages mehrmals umentscheidet.

Für meinen Neufundland Urlaub hatte ich zwölf Tage eingeplant, davon die meiste Zeit im Mietwagen. Das reicht für St. John’s, die Avalon Halbinsel, Gros Morne und den Norden, aber nicht für alles. Wer Labrador dazunehmen will, braucht eine zweite Reise. Bewusst blieb ich auf der Insel, sah lieber weniger und hatte dafür keinen Zeitdruck.

Die Planung dreht sich um drei Fragen: Wie komme ich hin, wann fahre ich, und wie lange sitze ich im Auto? Auf alle drei gehe ich unten ein, dazu auf Essen, Zahlen und ein paar Dinge, die mir vorher niemand gesagt hat.

Neufundland Reisebericht
Der Bohlenweg zum Western Brook Pond im Gros Morne. Foto: natalielucier, CC BY 2.0, via Flickr

Anreise und Mietwagen auf der Insel

Die Insel erreichst du per Flug nach St. John’s oder Gander oder mit der Fähre von North Sydney in Nova Scotia, und unterwegs brauchst du fast zwingend ein Auto.

Ich bin nach St. John’s geflogen. Neben dem Flughafen der Hauptstadt hat auch Gander internationale Verbindungen, außerdem gibt es kleinere Regionalflughäfen. Die Alternative ist die Fähre von North Sydney nach Channel-Port aux Basques im Südwesten, die rund sieben Stunden dauert. Eine zweite Linie fährt nach Argentia und braucht etwa 16 Stunden. Wer aus Deutschland per Flugzeug einreist, benötigt vorab eine eTA, die online beantragt wird und nach den Angaben der kanadischen Regierung 7 kanadische Dollar kostet. Meist kommt die Bestätigung innerhalb von Minuten.

Öffentlicher Verkehr spielt außerhalb der Hauptstadt kaum eine Rolle. Zwischen St. John’s und der Fähre in Channel-Port aux Basques fährt ein Bus, mehr nicht. Ein Mietwagen ist deshalb keine Komfortfrage, sondern Voraussetzung. Gebucht hatte ich früh, weil in der Hauptsaison die Auswahl schrumpft.

Eine Warnung gehört in jeden Reisebericht: Elche. Auf der Insel leben nach Angaben der Provinzregierung rund 125.000 von ihnen, und mehr als 70 Prozent der Unfälle passieren zwischen Mai und Oktober. Die meisten Zusammenstöße ereignen sich zwischen Dämmerung und Morgengrauen. Ich habe deshalb nachts auf Überlandstrecken verzichtet, die Warnschilder ernst genommen und bin im Zweifel langsamer gefahren. Aufmerksamkeit kostet nichts, ein Unfall mit einem Tier von mehreren hundert Kilo dagegen sehr viel.

St. John’s, Cape Spear und die Avalon Halbinsel

St. John’s ist der beste Startpunkt, weil Stadt, Küstenwanderungen und die ersten Wal- und Eisbergtouren auf kleinem Raum beieinanderliegen.

Die Hauptstadt hat rund 110.000 Einwohner und wirkt dennoch wie eine Kleinstadt. Die bunten Reihenhäuser der Jellybean Row ziehen sich die Hänge hinauf, unten liegt der Hafen. Auf dem Signal Hill steht der Cabot Tower von 1900, von dem aus die Sicht über Stadt und Atlantik reicht. Abends bin ich durch die George Street gelaufen, wo sich Pub an Pub reiht und Livemusik aus offenen Türen dringt.

Ein kurzes Stück südlich liegt Cape Spear, der als östlichster Punkt Nordamerikas gilt. Der Leuchtturm steht auf felsigem Grund, und bei ruhigem Wetter lassen sich von hier aus Wale vom Land aus beobachten. Ich war morgens da, noch vor den Reisebussen, und hatte den Wind fast für mich.

Wer wandern möchte, nimmt sich Etappen des East Coast Trail vor. Der Weg zieht sich über rund 300 Kilometer in 25 Abschnitten an der Küste entlang, meist von Mai bis Oktober begehbar. Die Pfade führen über Klippen, vorbei an Wasserfällen und verlassenen Siedlungen. Für Wal- und Papageitaucher-Touren fährt man von Witless Bay aus los, südlich der Stadt.

Gros Morne und der Westen der Insel

Der Gros-Morne-Nationalpark im Westen gehört seit 1987 zum Welterbe und bietet Felswüste, Fjord und Gebirge innerhalb weniger Fahrminuten.

Der Park umfasst etwa 1.805 Quadratkilometer. Besonders eindrücklich sind die Tablelands, eine kahle, rostrote Hochfläche aus Gestein, das ursprünglich tief im Erdinnern lag. Hier wächst fast nichts, und der Boden fühlt sich unter den Schuhen fremd an. Wer dort läuft, versteht, warum Geologen die Gegend lieben.

Der Western Brook Pond ist ein Süßwasserfjord, der etwa 16 Kilometer lang ist und von steilen Felswänden gesäumt wird. Man erreicht ihn zu Fuß über einen Zugangsweg und fährt dann mit dem Boot hinein. Rund um den See steigen die Klippen so steil auf, dass die Boote winzig wirken. Die Plätze sind in der Saison begrenzt, deshalb stand mein Termin schon Wochen vorher fest.

Für sportliche Wanderer bietet sich der Gros Morne selbst an, mit 806 Metern der zweithöchste Punkt der Insel. Der Rundweg über den James Callaghan Trail ist knapp 16 Kilometer lang. Fahrten durch die Bonne Bay, einen weiteren Fjord, ergänzen das Programm. Plan mindestens drei Nächte in der Region ein, sonst bleibt es bei einem Durchfahren.

Der Norden mit L’Anse aux Meadows und Fogo Island

An der Nordspitze der Great Northern Peninsula liegt die einzige gesicherte Wikingersiedlung Nordamerikas, weiter östlich folgen Fogo Island und Twillingate.

L’Anse aux Meadows wurde 1960 entdeckt, nachdem ein Einheimischer dem norwegischen Forscher Helge Ingstad und seiner Frau, der Archäologin Anne Stine Ingstad, ein paar Hügel gezeigt hatte. Bis 1968 wurde ausgegraben. Seit 1978 steht der Ort auf der Welterbeliste. Datierungen der Funde führen in die Zeit um das Jahr 1000, eine Jahrringstudie nennt 1021. Die Stätte ist von Anfang Juni bis Anfang Oktober geöffnet. Neben den Grundmauern stehen Nachbauten von Torfhäusern, in denen Mitarbeiter in historischer Kleidung arbeiten.

Der Weg dorthin ist lang, doch er entschädigt für jeden Kilometer. Die Landschaft wird karger, die Dörfer kleiner, und das Meer rückt immer näher an die Straße. Quirpon Island ist nur per Schlauchboot erreichbar und liegt mitten in der Iceberg Alley.

Weiter im Osten liegen Twillingate und Fogo Island, beide gute Orte, um Eisberge von Land aus zu beobachten. Auf Fogo Island steht das Fogo Island Inn, ein auf Stelzen gebautes Hotel, dessen Überschüsse in eine gemeinnützige Organisation fließen. Übernachtet habe ich dort nicht, doch die Küstenwege der Insel sind auch ohne Hotelgast zugänglich.

Beste Reisezeit für Eisberge, Wale und Papageitaucher

Wer Eisberge, Wale und Papageitaucher in einer Reise sehen will, fährt Ende Mai bis Ende Juni, hat dafür aber mit Nebel und Regen zu rechnen.

Die Tiere und das Eis folgen unterschiedlichen Kalendern, deshalb gibt es keinen Monat, der alles bietet. Meine Reise fiel in den Frühsommer, ein Kompromiss zwischen allen drei.

  • Eisberge: meist von April bis Juni, in manchen Jahren bis in den Juli. Sie stammen aus Westgrönland und treiben mit dem Labradorstrom nach Süden.
  • Wale: von Mai bis September, am besten im Juli und August. Am häufigsten zeigen sich Buckelwale.
  • Papageitaucher: von Mai bis September auf den Seevogelinseln vor Witless Bay.
  • Wandern: East Coast Trail meist von Mai bis Oktober.

Das Wetter wechselt rasch. Die Durchschnittstemperaturen liegen von Juni bis September bei etwa 15 bis 20 Grad, außerhalb dieser Zeit meist unter zehn. Es regnet im Sommer an vielen Tagen, und Nebel gehört zur Küste wie das Meer selbst. Pack deshalb eine Regenjacke, feste Schuhe und mehrere Schichten ein. Die Hauptsaison ist von Juni bis September, dann sind Unterkünfte in Gros Morne und im Norden knapp. Wer im April oder im Oktober fährt, hat mehr Platz, riskiert aber Schnee und geschlossene Wege.

Essen und Trinken in Neufundland

Die Küche der Insel setzt auf Fisch, Meeresfrüchte und deftige Hausmannskost, und zu vielen Gerichten gehört eine Geschichte.

Frischer Fisch ist selbstverständlich, und in vielen Orten bekam ich Jakobsmuscheln, Muscheln und Kabeljau direkt vom Boot. Als traditionelle Gerichte stehen Jiggs Dinner, ein sonntägliches Menü mit Pökelfleisch und Gemüse, und Toutons auf den Karten, in der Pfanne ausgebackene Teigfladen, die mit Melasse gegessen werden. Cod Tongues, panierte Kabeljauzungen, klingen seltsamer, als sie schmecken. Beeren spielen eine große Rolle, vor allem Moltebeeren und Partridgeberries, die im Spätsommer gepflückt werden.

Zum Trinken gehört der Screech, ein dunkler Rum, der lange mit den Fischern verbunden war. Beim Screech-in, einem Ritual für Besucher, wird man mit einem Schluck und einem Spruch zum Ehrenneufundländer ernannt. Es ist eher Spaß als Brauch, aber die Menschen machen es mit Humor.

Beim Bezahlen gilt das nordamerikanische Trinkgeldsystem. In Restaurants sind etwa 15 bis 20 Prozent üblich, in Bars gibt man pro Getränk ein oder zwei Dollar. Der Service wird in den meisten Fällen nicht im Preis eingerechnet, die Rechnung steigt also um diesen Betrag. In kleinen Orten gibt es oft nur ein oder zwei Lokale, deshalb fragst du bei der Unterkunft am besten gleich nach dem Abendessen.

Interessante Fakten über Neufundland

Die Insel hat ihre eigene Zeit, ihren eigenen Dialekt und mehr Elche, als man erwartet.

Neufundland liegt in einer eigenen Zeitzone, die um dreieinhalb Stunden hinter der koordinierten Weltzeit herläuft, im Sommer um zweieinhalb. Wer von Halifax kommt, muss die Uhr also um eine halbe Stunde verstellen, eine Eigenheit, die Reisende regelmäßig verwirrt. Fahrpläne und Öffnungszeiten richten sich nach dieser Ortszeit.

Auf der Insel hat sich ein eigenes Englisch entwickelt, mit irischen und westenglischen Wurzeln. In den Dörfern klingt es für fremde Ohren manchmal wie eine andere Sprache. Auch Neufundland-Französisch und früher Irisch und Schottisch-Gälisch wurden gesprochen. Die Orte tragen Namen wie Heart’s Content, Joe Batt’s Arm oder Witless Bay, und hinter vielen steckt eine Anekdote.

Die Provinz ist größer als Deutschland, wenn man Labrador mitrechnet, hat aber nur gut halb so viele Einwohner wie Köln. Dazu kommen die vielen Elche, die erst im 20. Jahrhundert eingeführt wurden und sich seitdem stark vermehrt haben. Der Name Newfoundland geht auf die Zeit der ersten europäischen Entdecker zurück, 1497 landete John Cabot an der Küste, wo genau, ist bis heute nicht geklärt.