Tatev Reise zwischen Goris, Halidzor und dem Kloster Tatev

Meine Tatev Reise begann auf einer Serpentinenstraße, führte mich über eine Seilbahn zum Basaltplateau über der Vorotan Schlucht und zeigte mir in zwei Tagen, wie viel Geschichte in einem einzigen Kloster Südarmeniens steckt.

Tatev liegt in der Provinz Syunik im Südosten Armeniens, auf einem Basaltplateau am Rand der Schlucht des Vorotan. Die Entfernung von Eriwan nennen die Quellen unterschiedlich, Wikipedia schreibt einmal 250 und einmal 280 Kilometer. Für mich hieß das: Ich rechne mit einem ganzen Reisetag und übernachte in Goris. Das Kloster wuchs ab dem 9. Jahrhundert zum Bischofssitz heran, die Kirche der Apostel Paulus und Petrus entstand zwischen 895 und 906.

Mein Plan war schlicht. Basis in Goris, gut 30 Kilometer südwestlich, dann am ersten Tag mit der Seilbahn Wings of Tatev hinauf und durch das Klosterareal, am zweiten Tag ein Abstecher in die Höhlensiedlung Khndzoresk. Ich hatte vorher Wikipedia und Wikivoyage gelesen und mir vorgenommen, vor Ort nachzuprüfen, was sich prüfen lässt.

Der Bericht folgt der Reihenfolge der Strecke: Anreise, Seilbahn, Kloster, danach Fakten, Essen, Kleidung und Verhalten. Für einen Tatev Urlaub würde ich im Nachhinein mindestens zwei Nächte in der Gegend einplanen, auch weil die Wege länger dauern, als die Karte vermuten lässt.

Tatev Reisebericht
Kloster Tatev auf dem Basaltplateau über der Schlucht des Vorotan. Foto: dominickvietor, via Pixabay

Tatev Reise ab Goris bis Halidzor

Die Anfahrt war der unspektakulärste Teil, und trotzdem lernte ich dort die wichtigste Regel für Syunik: Hier plant man in Stunden, nicht in Kilometern.

Von Eriwan nach Goris fährt laut Wikivoyage täglich eine Marshrutka. Die Fahrt dauert etwa vier Stunden und kostete in der Quelle rund 3.500 Dram, allerdings steht dort kein Datum, also frag am Busbahnhof nach dem aktuellen Preis. Ich kam am Vortag an, schlief in Goris und ließ mir morgens ein Taxi rufen. Für die Fahrt nach Halidzor, wo die Seilbahn startet, nennt Wikivoyage ungefähr 4.000 Dram, bis zum Kloster selbst etwa 10.000 Dram. Auch diese Zahlen sind undatiert und dienen nur als Anhaltspunkt für das Verhandeln.

Auf der Straße statt in der Luft braucht man laut Wikipedia rund 40 Minuten, und die letzten Kilometer sind nach Wikivoyage nicht asphaltiert. Ich war froh, dass ich mir die Serpentinen durch die Schlucht des Vorotan wenigstens einmal von oben und einmal von unten ansehen konnte. Den Rückweg plante ich mit der Seilbahn, den Hinweg mit dem Taxi. Das gab mir die Aussicht aus beiden Richtungen und verhinderte, dass ich am Nachmittag in der Warteschlange stand.

Ein Fehler, den ich vermeiden würde: Ich hatte Goris als Zwischenstation eingeplant und merkte erst dort, wie wenig Auswahl an Restaurants und Cafés es gibt. Dazu mehr im Abschnitt zum Essen. Bei jeder Tatev Reise lohnt sich ein Vorrat im Rucksack.

Wings of Tatev über die Vorotan Schlucht

Zwölf Minuten schweben über einer Schlucht, 320 Meter über dem Fluss: Die Seilbahn ist der schnellste Weg zum Kloster und für mich der beste Einstieg in die Landschaft.

Die Bahn verbindet Halidzor mit Tatev und ist 5.752 Meter lang. Laut Wikipedia erreicht sie eine Höhe von bis zu 320 Metern über der Schlucht, die Fahrzeit liegt je nach Wetter zwischen 11 und 15 Minuten. Eröffnet wurde sie am 16. Oktober 2010, eine Woche später erhielt sie den Guinness-Eintrag als längste Pendelseilbahn ohne Zwischenstopp. Der Artikel erwähnt allerdings auch, dass es mit 13,2 Kilometern in Norsjö eine längere gibt, der Rekord gilt also nur für eine engere Kategorie.

Bei der Kabinengröße widersprechen sich die Angaben, je nach Abschnitt sind es 25 oder 30 Fahrgäste. In der Kabine stellte ich mich einfach an die Fensterseite und die Schlucht beobachtet. Die Betriebszeiten ändern sich saisonal. Nach Wikipedia fährt die Bahn von Juni bis August von 9 bis 20 Uhr, im Mai und September von 10 bis 19 Uhr, von Oktober bis April von 10 bis 18 Uhr. Außerhalb der Hochsaison ist montags geschlossen. Prüf das vorab, solche Zeiten werden gern angepasst.

Zum Ticketpreis habe ich keine belastbare Quelle gefunden und nenne deshalb keine Zahl. Über eine Million Fahrgäste zählte die Bahn laut Wikipedia zwischen Oktober 2010 und Dezember 2019, die Baukosten lagen bei mehr als 22 Millionen US-Dollar. Du wirst also nicht allein sein, vor allem in den Sommermonaten.

Kloster Tatev mit Schwingsäule und Apostelkirche

Oben angekommen, merkte ich sofort, dass dieses Kloster kein Museum ist, sondern ein Gelände, das über Jahrhunderte Macht, Wissen und Zerstörung erlebt hat.

Seit dem neunten Jahrhundert war Tatev Bischofssitz von Syunik. Laut Wikipedia gehörten 47 Dörfer zum Besitz, dazu kamen Abgaben von 677 weiteren. Im 14. und frühen 15. Jahrhundert bestand hier eine Universität, nach Wikipedia zwischen 1390 und 1434, ihr Ende kam mit dem Einfall von Schah Rukh. Schon 1170 hatten Seldschuken das Kloster geplündert, der Artikel spricht von etwa 10.000 verbrannten Handschriften. Ich blieb vor der Apostelkirche eine Weile stehen und versuchte mir das vorzustellen.

Die Kirche Surb Poghos-Petros ist der älteste erhaltene Bau, Fresken stammen von 930. Die Muttergottes-Kirche Surb Astvatsatsin wurde 1087 als zweites Geschoss über einem Mausoleum errichtet, das Erdbeben von 1931 beschädigte sie schwer, laut Wikipedia dauerte die Rekonstruktion von August 2016 bis Oktober 2018. Die Kuppel der Apostelkirche und der Glockenturm stürzten 1931 ein, der Glockenturm fehlt bis heute.

Der Gavazan, die Schwingsäule im Hof, ist acht bis neun Meter hoch und bewegt sich, wenn man sie leicht berührt. Als Erdbebenwarner wurde sie gedeutet, doch Wikipedia hält diese Erklärung für nicht belegt. Mich hat die Säule trotzdem länger beschäftigt als manche Kirche.

Interessante Fakten zu Tatev und Umgebung

Ein paar Zahlen und Widersprüche, die ich bei der Recherche und vor Ort gesammelt habe, helfen dir, die Gegend besser einzuordnen.

Die UNESCO führt Tatev seit 1995 auf der Tentativliste, ein Welterbe-Titel steht also noch aus. Das Projekt Tatev Revival wurde 2008 gegründet, die Seilbahn kam zwei Jahre später. Im Tal der Schlucht liegt das Kloster Tatevi Anapat des 17. Jahrhunderts, das ich diesmal nur von oben sah. Bei der Entfernung von Eriwan solltest du dich auf keine der beiden Zahlen festlegen, sondern Fahrzeit einplanen.

Am zweiten Tag fuhr ich nach Khndzoresk, einem Dorf in der Gemeinde Goris auf 1.580 Metern Höhe am Hang der Schlucht Khor Dzor. Dort steht eine alte Höhlensiedlung, in der Menschen laut Wikipedia bis in die 1950er Jahre wohnten. Die Einwohnerzahl des Dorfes sank von 7.059 im Jahr 1904 auf 2.070 im Jahr 2011. Im Grund der Schlucht stehen die Kirche St. Hripsime aus dem 17. Jahrhundert, auf einem Sporn die Anlage Anapat mit dem Grab von Mkhitar Sparapet und die Höhlenkirche St. Tatevos.

Das Klima in Khndzoresk beschreibt Wikipedia als warm und relativ feucht mit milden Wintern, 450 bis 700 Millimeter Regen fallen im Jahr. Für Tatev selbst fand ich keine Klimadaten. Weil die Seilbahn ganzjährig fährt, aber nach Jahreszeit andere Zeiten hat, würde ich Mai oder September wählen, da stimmen Betriebsstunden und Tageslicht meiner Meinung nach gut zusammen.

Essen und Trinken in Goris und Tatev

Mit großen Erwartungen an die Restaurantszene bin ich nicht angereist, und das war gut so: Die Auswahl in Syunik ist überschaubar.

Wikivoyage schreibt über Goris von ein bis zwei Restaurants beziehungsweise Cafés in der Stadt und ein paar Grillbuden an der Hauptstraße. Genau so kam es mir vor. Ein Gästehaus kochte Abendessen für etwa 4.000 Dram pro Person und schenkte eigenen Wein aus, auch diese Angabe der Quelle ist undatiert. Frag also beim Buchen nach, ob Abendessen zum Zimmer gehört.

Oben in Tatev steht das Restaurant Tatevatun, dessen Bau laut Wikipedia mehr als eine Million US-Dollar kostete. Dort trank ich nur kurz einen Kaffee, mehr kann ich dazu nicht sagen. Für den Tag am Kloster packte ich mir Brot, Käse, Tomaten und Aprikosen vom Markt ein und eine große Flasche Wasser. Das spart Zeit, weil Wartezeiten an der Bahn und Wege auf dem Plateau länger werden, als man denkt.

Typische armenische Gerichte aus Syunik habe ich in den Quellen nicht belegt gefunden, deshalb nenne ich keine. Mein Tipp: Frag im Gästehaus, was die Gastgeber selbst auf den Tisch stellen. Das war in den meisten Fällen die ehrlichste Antwort.

Kleidung und Packliste für Tatev

Auf einem Plateau über einer Schlucht ist das Wetter anders als in Goris, und in Kirchen gelten eigene Erwartungen an die Kleidung.

Ich war mit Wanderschuhen unterwegs und bin froh darüber, denn die Wege im Klosterareal sind uneben, und auch in Khndzoresk geht es über steinige Pfade bergab. Eine dünne Windjacke trug ich im Rucksack, weil es oben nach meiner Erinnerung stärker zog als unten im Tal. Wie in armenischen Kirchen üblich, hatte ich Schultern und Knie bedeckt, ein leichtes Tuch oder ein Hemd mit langen Ärmeln reicht dafür.

Diese Dinge habe ich für zwei Tage in Syunik eingepackt:

  • feste Schuhe mit Profil für unebene Wege
  • Windjacke und Sonnenhut
  • langes Hemd oder Tuch für Kirchenbesuche
  • Bargeld in Dram für Taxi, Gästehaus und kleine Läden
  • mindestens einen Liter Wasser pro Person
  • Powerbank für Fotos und Offlinekarten

Mit dem Bargeld war ich vorsichtig, denn Geldautomaten gab es nach meinem Eindruck nur in Goris. Plane also die Summe für Taxi und Abendessen vor der Abfahrt ein.

Verhaltensregeln in Tatev

Ein Hausordnungsschild habe ich nicht gefunden, deshalb hielt ich mich an das, was in armenischen Klöstern üblich ist: leise sein, bedeckt sein, fragen.

Offizielle Verhaltensregeln für Tatev standen in meinen Quellen nicht. Ich ging deshalb davon aus, dass hier dieselben Gepflogenheiten gelten wie in anderen armenischen Kirchen. Gespräche habe ich im Inneren leise geführt, Kopfhörer und laute Videos blieben im Rucksack, und mit dem Blitz habe ich nirgends fotografiert. Ob Aufnahmen in einzelnen Räumen erwünscht sind, hängt vom Ort ab, ein kurzer Blick zu den anderen Besuchern oder eine Frage an die Aufsicht klärt das schnell.

Die Schwingsäule habe ich nur sacht berührt, ohne sie anzuschieben oder darauf zu klettern. Sie ist ein Denkmal, das über Jahrhunderte gestanden hat, und es hat mir gereicht, ihre Bewegung zu spüren. Müll nahm ich vom Plateau wieder mit. Kerzen zündet man am besten so an, wie es die Gläubigen vor Ort machen, statt eigene Rituale zu erfinden. Ich hielt mich dabei zurück.

Troodos Reise zwischen Omodos, Kykkos und dem Olympos

Bei meiner Troodos Reise habe ich in wenigen Tagen Weindörfer, Holzdachkirchen und Kiefernwälder auf fast 2000 Metern verbunden und dabei gemerkt, wie still Zypern wird, sobald man die Küste hinter sich lässt.

Das Troodos-Gebirge liegt im südwestlichen Inselinneren Zyperns, ist im Gegensatz zum Rest der Insel weitgehend bewaldet und nur dünn besiedelt. Der höchste Gipfel heißt Olympos, die Einheimischen sagen Chionistra, und je nach Quelle misst er 1951 oder 1952 Meter. Die Berge entstanden vor etwa 90 Millionen Jahren am Grund eines riesigen Ozeans. Geologen zählen das Massiv zu den am gründlichsten erforschten seiner Art, seit 2015 trägt es das Siegel eines UNESCO Global Geopark.

Meine Troodos Reise dauerte fünf Tage, mit einem Mietwagen als Basis, denn auf Zypern fährt keine Eisenbahn und im Gebirge fahren Busse selten. Ein Troodos Urlaub funktioniert am besten mit Standquartier in einem der Bergdörfer, von dem aus man Tagesrunden fährt. Die Abende sind dort ruhig, Nachtleben findet man eher in Ayia Napa an der Küste.

Auf den nächsten Seiten erzähle ich, wie ich zu den Dörfern am Südrand gekommen bin, welche der zehn bemalten Kirchen ich besucht habe, welche Wege am Olympos mir geblieben sind und worauf ich bei Wetter, Kirchenbesuchen und Naturschutz geachtet habe.

Troodos Reisebericht
Kiefernwald und Berghänge im Troodos-Gebirge. Foto: dimitrisvetsikas1969, via Pixabay

Troodos Reise ab Limassol bis Omodos

Ohne eigenes Auto kommst du im Gebirge nur mühsam voran, deshalb lohnt es sich, die Anfahrt vorab durchzuspielen.

Ich bin in Limassol gestartet. Dort führt die Schnellstraße B8 ab Troodos Junction nach Norden, hinter Trimiklini steigt sie spürbar an, und über Pano Platres erreicht man schließlich den Ort Troodos auf 1725 Metern. Aus Paphos nimmst du die Autobahn A6 bis zur Ausfahrt 44 und danach die E612 über Dora und Omodos Richtung Prodromos. Von Nicosia führen die A9 und die B9 durch das Tal von Kakopetria. Die Straße vom Kloster Kykkos nach Prodromos beschreiben Reisehandbücher als sehr zeitraubend, ich habe dafür einen halben Tag reserviert und es nicht bereut.

Omodos liegt auf 810 Metern am südlichen Rand der Berge. Das Dorf lebt vom Wein und vom Obst, in den Gassen stehen alte Häuser mit Möbeln aus früheren Zeiten, und Klöpplerinnen verkaufen ihre Spitze. Die Klosterkirche Timiou Stavrou stammt aus dem 19. Jahrhundert und bildet den Mittelpunkt des Ortes. Probiert habe ich Zivania, den Tresterschnaps, dazu Honigbällchen und trockenes Gebäck. Der Schnaps ist stärker, als er aussieht, und wer anschließend noch fährt, sollte ihn lieber nur riechen.

Ein Fehler, den ich dir ersparen möchte: im Winter nicht ohne Vorbereitung hochfahren. Für die obersten Abschnitte und die Zufahrt zum Skigebiet gilt Schneekettenpflicht, und nach Winterregen liegen spitze Steine auf der Fahrbahn, die Reifen und Radfahrern zusetzen. Ich habe vor jeder Bergfahrt den Reifendruck geprüft, das dauert zwei Minuten.

Bemalte Kirchen zwischen Kakopetria und Pedoulas

Neun der zehn Kirchen kamen 1985 auf die Welterbeliste, die zehnte folgte 2001, und für keine zahlst du Eintritt.

Von außen wirken die Gotteshäuser unscheinbar: steile Holzdächer, die wie ein zweites Dach über älteren byzantinischen Gewölben liegen. Erst drinnen zeigt sich der Aufwand der Maler. Agios Nikolaos tis Stegis bei Kakopetria stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist die älteste erhaltene Klosterkirche Zyperns. Panagia Phorbiotissa in Asinou, bei Nikitari, trägt im Vorraum das Fresko des Christus Pantokrator und geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Aus derselben Zeit stammt Panagia tou Arakou in Lagoudera.

Weiter oben sah ich die Kapelle Panagia in Moutoullas aus dem 13. Jahrhundert, ein frühes Beispiel für die steilen Holzdächer, und das Kloster Agios Ioannis Lampadistis in Kalopanagiotis. In Pedoulas wartet Archangelos Michael vom Ende des 15. Jahrhunderts. Timios Stavros in Pelendri aus dem 14. Jahrhundert liegt als einzige der zehn im Bezirk Limassol, die übrigen neun gehören zu Nicosia. In Platanistasa zeigen die Malereien die kretische Schule des 16. Jahrhunderts, die Venezianer herrschten damals seit 1489 auf der Insel.

Mehr als drei Kirchen an einem Tag waren mir zu viel, die Kurven zwischen den Dörfern ziehen sich. Öffnungszeiten ändern sich und hängen vom Schlüsselverwalter des Ortes ab, deshalb habe ich sie jeweils am Vortag nachgefragt. Viele Inschriften tragen Datierungen, was im östlichen Mittelmeerraum des Mittelalters ungewöhnlich ist, und es macht Spaß, danach zu suchen.

Wandern rund um den Olympos

Der Gipfel bleibt gesperrt, doch die Naturlehrpfade um ihn herum füllen zwei volle Wandertage.

Auf der Spitze steht eine militärische Radarstation, betreten darf man sie nicht. Der nächste Punkt, den du erreichst, liegt bei etwa 1900 Metern am Skigebiet der Nordflanke. Den Artemis-Pfad bin ich zuerst gelaufen: ein Rundweg von etwa 7 Kilometern, zwei bis drei Stunden, Start auf 1850 Metern, rund 163 Höhenmeter. Im Wald stehen zwei Schwarzkiefern, die etwa 500 Jahre alt sein sollen, und am Weg liegen Reste venezianischer Festungsmauern aus dem Jahr 1571.

Beim Atalante-Pfad weichen die Angaben voneinander ab. Eine Quelle nennt etwa 9 Kilometer und dreieinhalb Stunden vom Postamt in Troodos bis Chrommine, eine andere einen Rundweg von 14 Kilometern, vier bis fünf Stunden und etwa 415 Höhenmetern ab Troodos Square. Prüf also vor Ort die Beschilderung. Zu den Kaledonia-Wasserfällen sind es ab Kryos Potamos nur rund 2 Kilometer, etwa anderthalb Stunden. Der Persephone-Pfad bei Makria Kontarka misst etwa 3 Kilometer.

Ich hatte Wasser, feste Schuhe, Sonnenschutz und eine Jacke dabei, denn auf dem Gipfel ist es mindestens 10 Grad kühler als im Tal. Früh loszugehen hat sich gelohnt. Im Winter betreibt der Ort das einzige Skigebiet der Insel mit vier Pisten, meist von Januar bis März, die längste Piste misst 500 Meter.

Klima und Reisezeit im Gebirge

Im Sommer ist es oben angenehm mild, im Winter liegt Schnee, und beide Jahreszeiten haben ihre Berechtigung.

Pro Jahr fallen im Troodos 700 bis 1000 Millimeter Niederschlag. Ab 1700 Metern bleibt der Schnee im Winter liegen, von Dezember bis Februar fällt die Temperatur auf den Höhen unter den Gefrierpunkt. Die Werte unten stammen aus einer Übersicht zum Olympos-Gipfel, im Tal liegen sie höher.

  • Frühling von März bis Mai: 10 bis 20 Grad, Restschnee möglich, viele Wildblumen.
  • Sommer von Juni bis August: 18 bis 25 Grad, meist sonnig und trocken.
  • Herbst von September bis November: 16 bis 21 Grad, Laubfärbung, später mehr Regen.
  • Winter von Dezember bis Februar: tagsüber 5 bis 10 Grad, nachts Frost, Schneehöhe zwischen 50 und 100 Zentimetern.

Ich würde die Berge im Mai, Juni, September oder Oktober ansteuern. Dann verbindest du Wanderungen mit Kirchenbesuchen, ohne dass dich Schnee oder Hitze stören. Im Winter wandern ohne passende Ausrüstung rät die Übersicht ab, Erfahrene gehen mit Schneeschuhen oder Steigeisen. Abends wird es in den Dörfern auch im Herbst spürbar kühl, ein Pullover gehört in den Rucksack.

Sitten in Kirchen und Klöstern

Alle zehn bemalten Kirchen dienen weiterhin als Gotteshäuser, und das merkst du an der Stimmung beim Eintreten.

Die Gebäude gehören der Kirche Zyperns, jede Maßnahme daran braucht die schriftliche Genehmigung der Antikenbehörde. Gottesdienste finden dort regelmäßig statt. Reisehandbücher raten für orthodoxe Kirchen meist zu bedeckten Schultern und Knien, deshalb hatte ich ein Tuch und eine lange Hose im Gepäck. Mit dem Fotografieren habe ich gewartet, bis ich jemanden gefragt hatte, und bei laufender Messe blieb die Kamera in der Tasche.

Das reichste Kloster der Region ist Kykkos, auf etwa 1318 Metern. Der Legende nach wurde es im 11. Jahrhundert gegründet, mehrere Brände zerstörten es, die heutige Anlage entstand im 19. und 20. Jahrhundert. Nahe dabei liegt das Grab von Erzbischof Makarios III., der von 1960 bis 1974 Staatsoberhaupt war. Ein großer Teil der Ländereien im Troodos gehörte früher zu Kykkos. Kleinere Klöster wie Chrysorrouiatissa und Trooditissa liegen weniger im Blick der Reisebusse.

Umweltfreundlich unterwegs im Nationalpark

Der Troodos ist seit 1992 Nationalpark und Teil von Natura 2000, deshalb gelten hier die Regeln eines Schutzgebiets.

Zwischen den Kiefern, Platanen, Zedern und Steineichen wächst die endemische Erlenblättrige Eiche, über den Hängen kreisen Adler, und in den Wäldern leben die letzten frei lebenden Zypern-Mufflons. Die Naturschutzgebiete Chionistra und Dasos Troodous liegen mitten im Wandergebiet. Ich bin auf den markierten Wegen geblieben, habe meinen Müll bis ins Dorf getragen und nichts angezündet, denn offenes Feuer im Wald ist hier ohnehin ein Risiko.

Auch die Spuren des Bergbaus gehören zur Landschaft. Bis in die 1980er Jahre baute man hier Asbest und Chrom ab, Abraumhalden erinnern daran, etwa bei Pani Amiantos. Für Fahrten zwischen den Wanderzielen habe ich Strecken gebündelt, statt täglich quer durch die Berge zu pendeln. Gegessen habe ich in den urigen Tavernen der Dörfer, nicht in den Selbstbedienungsrestaurants für Reisegruppen, das stützt die Orte und schmeckt besser. Wasserflaschen habe ich an Brunnen und im Quartier nachgefüllt, statt jeden Tag neue Plastikflaschen zu kaufen, und den Rest Obst aus Omodos als Wegzehrung eingepackt.

Kuba Verhaltensregeln und Sitten für Urlauber

Kuba Verhaltensregeln lassen sich mit einer Faustregel zusammenfassen: Sei höflich, halte dich bei Politik zurück und frage, bevor du Menschen fotografierst. Die Insel gilt unter Reisenden als sicher, doch Gesetze und Gepflogenheiten weichen spürbar von Europa ab. Die Kubaner sind meist herzlich und neugierig auf Gäste, erwarten aber Respekt vor ihrer Kultur und ihrem Staat. Hier steht, was du vor dem Abflug wissen solltest, damit Missverständnisse gar nicht erst entstehen.

Kuba Verhaltensregeln
Bunte Kolonialhäuser an einer Straße in Trinidad auf Kuba. Foto: SweetMellowChill, via Pixabay

Kuba Knigge bei der Begrüßung

Ein freundliches „Buenos días“ oder „Buenas tardes“ gehört beim Betreten eines Ladens, einer Unterkunft oder eines Büros dazu. Lässt du es weg, wirkst du schnell schroff. Unter Männern ist der Händedruck üblich, zwischen Mann und Frau oder unter Frauen gibt es häufig einen Wangenkuss. Du musst ihn nicht erwidern, ein Lächeln und ein kurzer Handschlag genügen.

Bei älteren Menschen und Beamten bist du mit „usted“ auf der sicheren Seite, unter Gleichaltrigen wird schnell geduzt. Ein paar Brocken Spanisch öffnen Türen, selbst wenn die Grammatik wackelt. Kubaner reden gern, und ein Gespräch über Familie, Fußball oder Baseball ist ein guter Einstieg. Lass dich nicht irritieren, wenn dir jemand beim Sprechen nahekommt, denn der Abstand fällt geringer aus als in Deutschland.

Kuba Reisen und Gespräche über Politik

Politische Diskussionen lässt du am besten aus. Die Behörde rät, Gespräche über die jüngere Geschichte des Landes und das Verhältnis zu den USA zu vermeiden, und Demonstrationen oder größere Menschenansammlungen solltest du meiden. Ausländern ist politische Betätigung nicht gestattet. Folge Anweisungen von Sicherheitskräften ohne Diskussion, auch wenn sie dir übertrieben vorkommen. Als auffälliger Gast bekommst du auf der Insel schnell mehr Scherereien als Erlebnisse.

Fragt dich ein Einheimischer nach deiner Meinung, bleibt höfliche Zurückhaltung die beste Antwort. Reiseberichte warnen, dass Kritik am Staat Gesprächspartner in Verlegenheit bringen kann. Viele Kubaner erzählen dir trotzdem offen von ihrem Leben, von Versorgungslücken und Familienplänen. Hör zu, stell Nachfragen zu Essen, Musik oder Heimatstadt und überlass die großen Themen den Zeitungen.

Kuba Sitten in der Casa Particular

Private Unterkünfte, die Casas Particulares, sind für viele Besucher der beste Weg, Kuba kennenzulernen. Das Auswärtige Amt empfiehlt, nur in Hotels und Pensionen mit staatlicher Genehmigung zu übernachten. Reiseberichte nennen meist ein blaues Schild an der Tür als Zeichen für eine Unterkunft, die Ausländer aufnehmen darf. Prüfe das vor der Buchung, sonst bekommen du und deine Gastgeber Ärger.

Behandle das Haus wie das einer Bekannten: grüße die Familie, sag Bescheid, wenn du spät zurückkommst, und frag vor dem Frühstück nach der Uhrzeit. Frühstück und Abendessen gibt es meist gegen Aufpreis, und die Gastgeber helfen häufig bei Busfahrkarten oder Ausflügen. Ein kleines Mitbringsel wie Seife oder Zahnpasta kommt gut an, weil Waren knapp sein können. Abends wird es gelegentlich dunkel im Haus, denn Stromausfälle gehören laut aktuellen Reiseberichten zur Realität.

Kuba Umgangsformen beim Essen und Trinken

Wirst du zum Essen eingeladen, ist das eine große Geste, denn Lebensmittel sind für viele Familien nicht selbstverständlich. Nimm etwas an, lobe die Hausmannskost und lass den Teller nicht demonstrativ stehen. Als Gegenleistung passt eine Kleinigkeit, etwa Obst oder eine Flasche Rum. Einladungen auszuschlagen, ohne einen Grund zu nennen, wirkt unhöflich.

Beim Rum kann es vorkommen, dass ein Glas die Runde macht. Ein anderer Autor rät, die Teilnahme nicht abzulehnen, weil das leicht als Zurückweisung verstanden wird. Trinke trotzdem nur so viel, wie du verträgst, lass dein Getränk nie unbeaufsichtigt und nimm nichts von Fremden an. Leitungswasser solltest du nicht trinken, kauf lieber verschlossene Flaschen. In der Öffentlichkeit gilt Naseputzen und Spucken als unfein.

Kuba Verhalten beim Fotografieren

Militärische Anlagen, Polizisten und andere Uniformierte gehören nicht vor die Linse. Auch Menschenansammlungen nennt die Behörde als Motiv, das du lassen solltest. Im schlimmsten Fall drohen laut einem Reisebericht sogar Spionagevorwürfe. Das gilt auch für Hintergründe: Achte darauf, wer hinter deinem Motiv steht, bevor du auslöst.

Menschen auf der Straße fragst du vorher, am einfachsten mit einer Geste und einem „¿Puedo?“. Manche Kubaner lassen sich gern aufnehmen, andere nicht, und einige erwarten dafür eine kleine Gegenleistung, wie Reiseberichte schildern. Zeig das Bild ruhig auf dem Display, das schafft Vertrauen. Alte Autos, bunte Fassaden und Hinterhöfe fotografierst du dagegen nach Herzenslust, solange niemand sichtlich genervt ist.

Kuba Verhaltensregeln bei Drogen und Gesetzen

Bei Drogen versteht Kuba keinen Spaß. Das Auswärtige Amt warnt vor drakonischen Strafen schon bei kleinen Mengen, die bei Ausländern zudem als Drogenschmuggel gelten können. Die Rede ist von vier bis 30 Jahren Haft, in den schwersten Fällen sogar von der Todesstrafe. Auch ein Joint auf der Terrasse der Casa ist deshalb keine gute Idee, selbst wenn dir jemand etwas anbietet.

Weitere Regeln betreffen das Eigentum: Ausländische Touristen dürfen laut Auswärtigem Amt keine Immobilien erwerben, auch nicht über Mittelsleute oder Verwandte. Die Landeswährung CUP darf weder ein noch ausgeführt werden, Fremdwährung ab 5.000 US-Dollar musst du anmelden. Halte dich ganz einfach an die Vorschriften, und prüfe vor der Abreise noch einmal die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts, denn Regeln ändern sich.

Kuba Knigge beim Trinkgeld

Trinkgeld gehört in Kuba zum guten Ton. Reiseberichte weisen darauf hin, dass die Gehälter niedrig sind und viele Beschäftigte im Tourismus auf Zuwendungen angewiesen sind. Das gilt für Kellner, Zimmerreinigung, Gepäckträger, Musiker in Bars und Fremdenführer. Feste Prozentsätze gibt es nicht, ein kleiner Betrag in der Währung, die du ohnehin dabeihast, genügt.

Lege Münzen oder kleine Scheine bereit, damit du nicht in der Situation nach Wechselgeld suchen musst. Wie viel angemessen ist, ändert sich mit Preisen und Wechselkurs, frag am besten deinen Gastgeber nach einem aktuellen Richtwert. Gibst du das Trinkgeld persönlich in die Hand, kommt es bei der richtigen Person an. Und wenn eine Sängerin an deinem Tisch spielt, zeigt ein Dankeschön mit ein paar Scheinen, dass du ihre Arbeit schätzt.

Kuba Reisen mit Bargeld und Wechselstuben

Mit dem Bezahlen musst du auf Kuba vorausplanen. Laut Auswärtigem Amt sind Zahlungen mit Visa und Mastercard seit dem 6. Juni 2026 nicht mehr möglich, teilweise auch nicht in Hotels. Geld an Automaten ist praktisch nicht zu bekommen, deutsche Debitkarten wie Girocard, V Pay und Maestro werden nicht akzeptiert. Bring ausreichend Euro oder US-Dollar in bar mit; private Geschäfte und Hotels nehmen häufig Euro an.

Wechsle Geld nur in offiziellen Wechselstuben, denn Straßenangebote können mit Falschgeld verbunden sein. Zähl dein Wechselgeld nach und prüfe die Rechnung selbst, Touristen werden gelegentlich falsch bedient. Bewahre nicht alles an einem Ort auf: Teile Bargeld und Dokumente auf, und lass Pass und Karten im Safe der Unterkunft, wenn du sie nicht brauchst. Die Lage ist im Fluss, schau kurz vor dem Flug auf die aktuellen Reisehinweise.

Kuba Sitten bei Schleppern und Straßenangeboten

In Havanna, Trinidad und Santiago de Cuba sprechen dich junge Männer an und wollen dir Zigarren, Restauranttipps oder Unterkünfte vermitteln. Man nennt sie Jineteros. Ein Autor beschreibt, dass du in ihrer Begleitung meist mehr für Getränke und Dienste zahlst, weil der Vermittler eine Provision kassiert. Manche meinen es ehrlich, andere erwarten schlicht Bezahlung für ihre Begleitung.

Bleib freundlich, aber bestimmt. Ein höfliches „No, gracias“ mit Lächeln reicht in der Regel, und weitergehen ist erlaubt. Kauf Zigarren am besten in staatlichen Läden, denn bei Straßenverkäufern weißt du nicht, was in der Kiste steckt. Reiseberichte nennen Strände und die Altstädte als Orte, an denen Diebstahl am wahrscheinlichsten ist. Trage Wertsachen am Körper und lass die Kamera nie unbeobachtet liegen.

Kuba Umgangsformen in Taxi und Verkehr

Steig nie ein, bevor der Preis feststeht. Offizielle Taxis und die berühmten Oldtimer sind für Touristen häufig teuer, und eine vorherige Absprache erspart dir Streit am Ziel. Das Sammeltaxi, der Taxi Colectivo, kostet laut einem älteren Reisebericht meist wenig, der Preis wird in kubanischen Pesos ausgehandelt. Aktuelle Beträge ändern sich schnell, frag deine Gastgeber, was eine Strecke ungefähr kostet.

Ein Autor schildert, in einem Oldtimer wegen mangelhafter Bremsen unangenehme Momente erlebt zu haben, und rät von Fahrten in alten Wagen ab. Der Fahrstil weicht ohnehin von dem ab, den du kennst. Schnall dich an, wenn Gurte vorhanden sind, und halte dich zurück mit Kritik am Fahrer. Fußgänger sollten an Kreuzungen aufpassen, denn Vorfahrtsregeln werden eher locker gelebt.

Kuba Verhaltensregeln für Zärtlichkeit in der Öffentlichkeit

Küsse und Umarmungen unter Paaren sind in Städten wie Havanna kein Skandal, auf dem Land fällt dein Verhalten stärker auf. Laut den amtlichen Hinweisen gilt: Homosexuelle Handlungen nicht unter Strafe stehen, die Toleranz in der Bevölkerung jedoch gering ist, vor allem abseits der großen Städte. Zeig dich deshalb in kleinen Orten zurückhaltender, vor allem als gleichgeschlechtliches Paar.

Alleinreisende Frauen berichten von einem überwiegend sicheren Gefühl und respektvollen Einheimischen. Zurufe, Pfiffe und Kommentare von Männern auf der Straße können dennoch nerven. Am besten gehst du ohne Reaktion weiter und lächelst nicht zurück, das wird sonst als Einladung gelesen. Im Zweifel suchst du dir einen belebten Platz oder fragst im nächsten Geschäft nach Hilfe. Nachts bewegst du dich nur in Gegenden, die du kennst.

Taroko Reise zwischen Hualien, Dekalun und Tianxiang

Auf meiner Taroko Reise an der Ostküste Taiwans habe ich Marmorwände, Hängebrücken und eine Straße erlebt, die nur zu festen Zeiten für Autos freigegeben wird, und hier steht, was davon im Herbst 2026 noch geht.

Der Nationalpark umfasst rund 920 Quadratkilometer und liegt in Hualien County. Gegründet wurde er 1937 unter japanischer Verwaltung, 1986 folgte die Neugründung. Die Schlucht selbst hat der Liwu in den Marmor gefräst, und der Stein entstand vor etwa 230 Millionen Jahren aus Kalkablagerungen. Laut Wikipedia gibt es weltweit nur drei Schluchten, die ein Fluss komplett durch reinen Marmor geschnitten hat.

Ein Erdbeben der Stärke 7 hat 2024 Teile des Parks stark verändert. Felsstürze blockierten die Provinzstraße 8, später kamen Überschwemmungen dazu. Deshalb sind etliche Wege, die in älteren Reiseführern stehen, bis heute gesperrt. Ich habe mich daher an die Angaben der Parkverwaltung und aktuelle Berichte vom Spätsommer 2026 gehalten und plane die Route so, dass sie nicht an einem einzigen Weg hängt.

Als Basis diente mir Hualien, dazu kamen Abstecher in die Schlucht und nach Tianxiang. Wie sich ein Taroko Urlaub heute anfühlt, was geöffnet ist und wo man Zeit verschenkt, beschreibe ich in den nächsten Abschnitten.

Taroko Reisebericht
Der Schrein der Ewigen Quelle mit Wasserfällen in der Taroko Schlucht. Foto: falco, Pixabay Lizenz, via Pixabay

Taroko Reise ab Hualien und der Weg in die Schlucht

Hualien ist der Ausgangspunkt, und die Anreise aus Taipeh braucht Planung, weil nicht jeder Zug gleich schnell ist.

Die meisten Züge von Taipeh nach Hualien brauchen zwei bis drei Stunden. Einer fuhr dagegen fast elf Stunden, weil er einmal um die halbe Insel kurvt. Die Hochgeschwindigkeitsbahn erreicht Hualien nicht, es bleibt die normale Bahn der TRA. Tickets gibt es bis zu zwei Wochen vorher online, und in Ferienzeiten sind die schnellen Verbindungen schnell weg.

Von Hualien in die Schlucht fährt der Bus 310, laut Bericht vom August 2026 etwa zehnmal am Tag, allerdings nur bis zum Besucherzentrum am Eingang. Weiter nach Tianxiang ist der Schluchtenbus derzeit ausgesetzt, die Parkverwaltung rät zu Mietwagen, Taxi oder Charter. Mit dem eigenen Fahrzeug darf man die Straße nur in den freigegebenen Zeitfenstern befahren, zuletzt standen etwa 06:30 bis 08:00 und 12:00 bis 13:00 Uhr auf der Liste. Die Durchfahrt dauert rund 30 Minuten, anhalten an den Wegen ist dabei nicht erlaubt.

Ich schlief in Hualien statt im Park. Dort gibt es mehr zu essen, mehr Betten, und die Zeitfenster der Straße entscheiden nicht über das Abendessen. Angenehm sind das Frühjahr zwischen März und Mai sowie der Herbst ab September. Taifune ziehen zwischen Juni und Oktober durch, Spitze ist Juli bis September, und dann schließt die Parkverwaltung Wege und Straßen ohne lange Vorwarnung.

Dekalun Pfad und das Besucherzentrum

Der kurze Weg hinter dem Besucherzentrum ist heute einer der wenigen, die ohne Sondererlaubnis offen sind, und er reicht für einen ersten Eindruck.

Der Dekalun Pfad beginnt hinter dem Besucherzentrum am östlichen Eingang. Ich ging ihn früh am Morgen, als noch kaum Reisegruppen unterwegs waren, und hatte die Hänge fast für mich. Die Wände wirken von unten steiler, als sie auf Fotos aussehen, und der Marmor hat im Licht einen graublauen Ton, der mit dem Grün der Hänge kontrastiert.

Viele Wege, die früher das Herz jeder Taroko Beschreibung waren, sind zu. Der Shakadang Pfad ist geschlossen und wird laut Berichten Jahre bis zur Wiedereröffnung brauchen, man darf nur bis zur Shakadang Brücke. Die Schwalbengrotte Yanzikou und die Zhuilu Old Road gelten als langfristig gesperrt, beim Zhuilu Weg ist von vielen Jahren, vielleicht nie mehr die Rede. Der Schrein der Ewigen Quelle lässt sich von der Straße aus ansehen und soll bald wieder öffnen. Beim Baiyang Pfad und dem Tunnel der Neun Kurven war der Stand im Spätsommer unsicher. Mein Rat: Auf der Seite der Parkverwaltung nachsehen und frühestens am Vortag glauben, was dort steht.

Zwischen den Wegen lohnt es, im Besucherzentrum zu fragen. Das Personal kennt die Tagesmeldungen zu Felsstürzen. Ich plante für diesen Abschnitt einen halben Tag ein, mehr gaben die offenen Strecken nicht her, ohne dass es zäh wurde.

Tianxiang und die Strecke durch den Marmor

Hinter der Schlucht beginnt das Hochland, und Tianxiang ist das Ziel, bei dem der Aufwand der Anreise am ehesten aufgeht.

Tianxiang liegt weiter oben an der Straße, die als Central Cross Island Highway gebaut wurde. Die Bauzeit lief von Juli 1956 bis Mai 1960, die Länge der gesamten Verbindung beträgt gut 189 Kilometer. In Tianxiang sind laut Stand August 2026 das Besucherzentrum, der Tianxiang Pfad, der Tabiduo Pfad und der Bereich um den Xiangde Tempel zugänglich. Diese Wege sind kürzer und einfacher als die klassischen Schluchtenwege, bei schönem Wetter aber ein gutes Gegengewicht zu den gesperrten Strecken.

Die Anfahrt bleibt der Haken. Wenn der Schluchtenbus nicht fährt, bleibt nur das eigene Auto, ein Taxi oder ein gebuchter Fahrer. Ich würde dafür einen ganzen Tag einplanen und den Fahrer vorab nach den aktuellen Zeitfenstern der Straße fragen, sonst steht man womöglich am falschen Ende einer Sperre. Auf dem Rückweg sind Felsstürze das größte Risiko. Nach Regenfällen rät die Verwaltung dringend von der Fahrt ab.

Weiter hinauf haben in den Hochgebirgsrouten rund um den Hehuan inzwischen einige wieder geöffnete Strecken. Auch dort können Taifun oder Unwetter über Nacht alles ändern. Ein Puffertag im Plan hat mir mehr Ruhe verschafft als jede Wegbeschreibung, und er kostet nur eine Übernachtung mehr in Hualien.

Essen und Trinken in Hualien

Gegessen habe ich fast nur in der Stadt, und der Nachtmarkt ist dabei der beste Startpunkt.

Der Dongdamen Nachtmarkt hat täglich von 17:30 bis 23:30 Uhr geöffnet, die Straße ist dann für Autos gesperrt. Zwischen Imbissständen stehen Spielbuden, es ist laut, eng und gut besucht. Bargeld ist auf Nachtmärkten die sicherere Wahl, die meisten Gerichte kosten laut Reiseberichten zwischen 50 und 200 Neuen Taiwan Dollar.

Zu den Klassikern in der Stadt gehören die Gongzheng Baozi, gedämpfte Teigtaschen mit Schweinefleisch und Frühlingszwiebeln und Knoblauchdip. Ein Korb mit zehn Stück kostet laut einem Reisebericht rund 50 Neue Taiwan Dollar, das ist ein Preis, der in Europa schwer zu glauben ist. Daneben gilt Hualien als Heimat eines frischen Mochi, das ohne Konservierungsstoffe gemacht wird und innerhalb von zwei Tagen gegessen werden soll. Eine Schachtel kostet etwa 225 Neue Taiwan Dollar. Auch gedämpfte Gans taucht in Berichten über die Zhongshan Straße auf, für zwei Personen samt Getränken war dort von 400 bis 500 Neuen Taiwan Dollar die Rede.

Mein praktischer Tipp: Gedrängte, saubere Stände wählen, Wasser aus der Flasche trinken und Leitungswasser nur abgekocht nutzen. Preise ändern sich, die Angaben stammen aus älteren Berichten und dienen als grobe Orientierung.

Interessante Fakten zur Schlucht

Hinter der Kulisse stecken Gestein, Menschen und eine Straße mit Geschichte.

Der Name des Parks geht auf das Volk der Truku zurück, das die taiwanische Regierung 2004 offiziell anerkannte. Die Truku stammen ursprünglich aus dem Gebiet des oberen Zhuoshui, wanderten über den Berg Qilai ins Tal des Liwu und leben bis heute im Landkreis Hualien, auch innerhalb des Parks. Die Fahrt durch die Schlucht führt also durch ein bewohntes Gebiet und keinen leeren Naturraum.

Im Park stehen laut Wikipedia 27 Berge mit mehr als 3.000 Metern Höhe, vor allem in den Gebirgszügen um Qilai und Nanhu. Die Schlucht ist also nur der Eingang zu einem Hochgebirge. Das Gestein, das man vom Straßenrand sieht, ist Marmor aus Meeresablagerungen, die sich in vielen Millionen Jahren aufgefaltet haben, und vom Wasser des Liwu immer weiter angeschnitten werden.

Das Erdbeben von 2024 hat die Karte nochmals verändert. Hänge sind abgebrochen, Wege verschwunden, und der Park spricht von mehrjährigem Wiederaufbau. Deshalb sind alte Reisebeschreibungen heute mit Vorsicht zu lesen. Ich habe die Fakten aus Wikipedia mit den Meldungen der Parkverwaltung abgeglichen und mir notiert, wo die Quellen auseinandergehen.

Trinkgeld und Bezahlen in Taiwan

Trinkgeld spielt in Taiwan kaum eine Rolle, und das erspart eine Menge Rechnerei.

In Restaurants gibt man kein Trinkgeld, auch nicht in gehobenen Häusern. Mittelklasse und teurere Lokale schlagen meist zehn Prozent Service auf, dann ist ein weiteres Trinkgeld überflüssig. Taxifahrer erwarten nichts, ein Trinkgeld ergibt höchstens Sinn, wenn jemand wirklich mit Gepäck oder Auskünften geholfen hat.

In großen internationalen Hotels sind Gepäckträger die Ausnahme, dort sind etwa 100 Neue Taiwan Dollar üblich. Bei Fahrern und Guides ist es anders. Einheimische geben ihren Guides selten etwas, Guides für ausländische Gäste rechnen dagegen meist damit. Für einen sehr guten Privatfahrer oder Guide nennen Reiseautoren fünf bis zehn Prozent.

Wenn du in Taroko einen Fahrer für den Tag buchst, lohnt es sich, den Preis und die Route vorab zu klären und danach nach Gefühl zu entscheiden. Bargeld brauchst du vor allem auf Nachtmärkten und in kleinen Läden. In Hualien hebe ich deshalb vor der Fahrt in die Schlucht genug Geld ab.

Verhaltensregeln in Taroko

Im Park gelten weniger Benimmregeln als Sicherheitsregeln, und sie schützen vor allem dich selbst.

Die wichtigste Regel betrifft das Wetter. Nach starkem Regen fährt man nicht durch die Schlucht, weil Felsstürze weiter ein Risiko bleiben. Gesperrte Wege bleiben gesperrt. Die Parkverwaltung warnt ausdrücklich davor, den Shakadang Pfad von Dali oder Datong aus zu betreten, und auf den teilweise geöffneten Lushui Pfaden kehrt man an den ausgeschilderten Punkten um.

Auf der Straße dürfen Autos nur in den Zeitfenstern fahren und unterwegs nicht an den Wegen halten. Für Drohnen braucht man eine Genehmigung der Parkverwaltung. Ein Reisender bekam sie laut seinem Bericht innerhalb von sieben Tagen als PDF. Die Zhuilu Old Road erfordert zusätzlich eine Polizeierlaubnis, ist aber ohnehin gesperrt. Da im Park Truku leben, behandle ich Dörfer und Wohnhäuser wie Privatgrund und frage vor Fotos von Menschen nach. Ich bleibe auf den Wegen, werfe keinen Müll in den Fluss und nehme meinen Abfall bis zur nächsten Stadt mit. Bei Sperrschildern gilt: Umdrehen, auch wenn der Weg dahinter harmlos aussieht, denn Felsstürze kündigen sich selten an.

Häufige Fragen zur Taroko Reise

Wie viele Tage brauche ich für Taroko?
Für die heute offenen Wege reichen zwei bis drei Tage mit Hualien als Basis. Ein zusätzlicher Puffertag ist sinnvoll, weil Regen oder Felsstürze Wege kurzfristig sperren können.
Ist der Shakadang Pfad offen?
Nach Berichten vom August 2026 ist er geschlossen und braucht viele Jahre bis zur Wiedereröffnung. Man kann bis zur Shakadang Brücke gehen. Den aktuellen Stand zeigt die Parkverwaltung.
Wie komme ich von Hualien in die Schlucht?
Der Bus 310 fährt laut Bericht etwa zehnmal am Tag zum Besucherzentrum. Weiter nach Tianxiang geht es per Mietwagen, Taxi oder Charter, weil der Schluchtenbus derzeit ausgesetzt ist.
Wann ist die beste Reisezeit?
Frühjahr und Herbst sind trockener und milder. Zwischen Juni und Oktober drohen Taifune, vor allem im Juli bis September.
Muss ich Trinkgeld geben?
In Taiwan ist Trinkgeld nicht üblich. Viele Restaurants schlagen bereits zehn Prozent Service auf. Bei Guides und Privatfahrern sind fünf bis zehn Prozent für gute Leistung ein Zeichen der Anerkennung.

Indonesien Verhaltensregeln und Sitten für Urlauber

Die Indonesien Verhaltensregeln lassen sich auf eine Faustregel verdichten: Du bist Gast in einem Land, in dem Islam, Hinduismus, Christentum und viele lokale Bräuche nebeneinander gelebt werden. Respekt vor diesen Gewohnheiten öffnet dir mehr Türen als jedes Wörterbuch. Auf Bali gelten andere Regeln als in Aceh oder auf Java, deshalb hilft ein Blick auf die Menschen um dich herum. Bist du unsicher, halte dich zurück, lächle und mach es den Einheimischen nach.

Indonesien Verhaltensregeln
Hindutempel Pura Taman Saraswati in Ubud auf Bali. Foto: Arian Zwegers, CC BY 2.0, via Flickr

Indonesien Knigge bei der Begrüßung

Ein freundliches Lächeln und ein leichtes Nicken sind der sicherste Einstieg. Viele Indonesier reichen sich zur Begrüßung sanft die Hand, ohne fest zu drücken, und führen sie danach kurz zur Brust. Mit Frauen wartest du am besten ab, ob sie dir die Hand entgegenstrecken. Ältere Menschen sprichst du zuerst an, das gilt als Zeichen des Anstands.

Ein paar Worte Indonesisch kommen gut an. „Selamat pagi“ heißt guten Morgen, „terima kasih“ bedeutet danke. Laute oder überhebliche Auftritte kommen schlecht an, denn ältere Indonesier erinnern sich noch gut an die Kolonialzeit. Gib dich bescheiden, auch wenn du für Einheimische ohnehin als wohlhabend giltst, weil du reisen kannst. Eine teure Uhr oder auffälliger Schmuck lenken nur Aufmerksamkeit auf dich und bringen selten etwas Gutes.

Indonesien Umgangsformen bei Gesten und Gaben

Die linke Hand gilt als unrein, weil sie traditionell für die Toilette gedacht ist. Du gibst und nimmst Dinge deshalb mit der rechten Hand oder, noch höflicher, mit beiden Händen. Das betrifft Geld, Essen, Visitenkarten und Geschenke gleichermaßen. Reichst du jemandem etwas mit links, wirkt das ungefähr so, als würdest du ihm einen Teller ohne Besteck hinstellen.

Auch andere Gesten haben ihre Tücken. Mit dem Zeigefinger auf Menschen zu deuten, empfinden viele als unhöflich; nimm stattdessen den Daumen oder die ganze Hand. Zum Heranwinken hältst du die Handfläche nach unten. Die Hände in die Hüften zu stemmen kann als Zeichen von Ärger gelesen werden. Und lass den Kopf in Ruhe: Kindern streichst du nicht über das Haar, Balinesen schon gar nicht, denn der Kopf gilt als heilig.

Indonesien Reisen und die passende Kleidung

Am Strand und am Pool sind Badesachen üblich, sobald du das Gelände verlässt, ziehst du aber ein T-Shirt oder Tanktop über. Oben ohne ist auf Bali nicht erlaubt; am hoteleigenen Strand wird es mancherorts geduldet, am Hotelpool meist nicht. Im Dorf, auf dem Markt und in Behörden sind bedeckte Schultern und Knie ein Zeichen von Respekt, vor allem für Frauen.

Je weiter du dich von den Touristenzentren entfernst, desto zurückhaltender sollte deine Kleidung werden. Auf Java, Sumatra oder Lombok sind Muslime in der Mehrheit, und dort fallen knappe Shorts und Rückenfreies deutlich auf. Leichte lange Hosen und ein weites Leinenhemd sind bei der Hitze ohnehin angenehmer als enge Kleidung. Ein Tuch in der Tasche rettet dich, wenn du spontan eine Moschee oder einen Tempel sehen willst.

Indonesien Sitten im Tempel auf Bali

Für einen Tempelbesuch brauchst du mindestens einen Sarong, der die Beine vollständig bedeckt, und bedeckte Schultern. Am Eingang kannst du ihn meist ausleihen, zum Kaufen zahlst du laut bali.com etwa fünf bis zehn US-Dollar. Bei Einladungen zu Familienzeremonien gehören außerdem eine Schärpe, der Selendang, und manchmal eine Kopfbedeckung dazu. Die Schuhe ziehst du vor dem Betreten von Häusern aus.

Die inneren Höfe der Anlagen sind während einer Zeremonie den Gläubigen vorbehalten, bleib also ohne Einladung draußen. Frauen mit Menstruation dürfen die Tempel nicht betreten, das steht auch auf Schildern an manchen Eingängen. Klettere nie auf Mauern oder Schreine, berühre keine heiligen Bäume und geh nicht zwischen Betenden, Priestern und Altären hindurch. Opfergaben am Boden umgehst du, statt darüberzusteigen.

Moscheen und Ramadan in Indonesien

Vor einer Moschee fragst du, ob Besucher willkommen sind. Meist musst du die Schuhe ausziehen, Frauen bedecken Haare, Arme und Beine, Männer tragen lange Hosen. Zu den Gebetszeiten, vor allem freitags mittags, störst du besser nicht. Den Ruf des Muezzins hörst du in vielen Orten schon vor Sonnenaufgang; Ohrstöpsel helfen, wenn du leicht aufwachst.

Im Fastenmonat Ramadan essen und trinken gläubige Muslime tagsüber nichts. In streng muslimischen Regionen schließen manche Warungs bis zum Abend. Du musst nicht mitfasten, solltest aber nicht demonstrativ vor Fastenden essen oder rauchen. Das Ende des Fastens, Idul Fitri, ist ein landesweiter Feiertag; Busse und Fähren sind dann überfüllt, und viele Menschen sind in ihren Heimatdörfern. Plane die Reisetage drumherum früh und vorab.

Indonesien Verhalten am Tag der Stille

Nyepi, das balinesische Neujahrsfest, ist ein Tag der Stille, der etwa 24 Stunden dauert. Der Flughafen ist geschlossen, auf den Straßen fährt fast niemand, und Hotels bitten ihre Gäste, auf dem Gelände zu bleiben. Auch das mobile Internet wird laut Medienberichten abgeschaltet. Das Datum ändert sich jährlich nach dem balinesischen Kalender, schau also vorab nach, bevor du Flüge buchst.

Am Tag selbst gilt: kein Licht nach außen, keine laute Musik, keine Spaziergänge auf der Straße. Dorfwächter, die Pecalang, achten darauf, und Verstöße nehmen sie ernst. Kaufe Vorräte vorher ein, denn Geschäfte und Geldautomaten sind geschlossen. Am Vorabend ziehen riesige Papp-Figuren mit viel Lärm durch die Straßen, das lohnt einen Blick. Danach ist es ruhig, und du merkst, wie selten solche Stille geworden ist.

Fotografieren von Menschen und Zeremonien

Bei Festen und auf Märkten fragst du vor dem Foto kurz mit einer Geste oder einem Lächeln. Die meisten Menschen stimmen zu, manche bitten um ein kleines Trinkgeld oder wollen das Bild sehen. Frauen in muslimischen Gegenden lehnen es häufiger ab, fotografiert zu werden; akzeptiere das ohne Diskussion. Kinder fotografierst du nur, wenn die Eltern in der Nähe sind und zustimmen.

In Tempeln ist Fotografieren meist erlaubt, Blitzlicht jedoch nicht. Freizügige oder alberne Posen an heiligen Stätten gelten als respektlos, und mancherorts wirst du freundlich, aber bestimmt weggeschickt. Bei laufenden Zeremonien hältst du Abstand, stellst dich nicht über Betende und nutzt lieber das Zoom statt der Nähe. Ein Selfie mit Opfergaben im Hintergrund erzeugt bei Einheimischen schnell Kopfschütteln.

Indonesien Verhaltensregeln bei Alkohol und Rauchen

Alkohol ist in Indonesien legal, aber in der Mehrheitskultur nicht gern gesehen. Nach Angaben des staatlichen Tourismusportals gilt Trinken in den meisten öffentlichen Räumen als verboten, darunter Gotteshäuser, Schulen, Einkaufszentren und Supermärkte. Das Mindestalter liegt bei 21 Jahren. In Aceh sind Alkoholverbote durchgesetzt, dort bleibst du besser ganz beim Tee. Auf Bali trinkst du entspannt in Bars und Restaurants.

Fahre nie betrunken, weder Auto noch Roller. Die Polizei prüft vor allem in Touristenorten, und ein Unfall unter Alkohol bringt dich schnell in Schwierigkeiten mit Versicherung und Behörden. Geraucht wird viel, aber nicht überall: In Krankenhäusern, Schulen, Gotteshäusern und öffentlichen Verkehrsmitteln ist es verboten. Nimm lieber Abstand zu Kindern, wenn du rauchst, und entsorge Kippen nicht im Gras oder am Strand.

Drogen und Gesetze in Indonesien

Hier ist das Land hart. Es drohen laut den Behörden bei Besitz vier bis zwölf Jahre Haft und Geldstrafen von 800 Millionen bis 8 Milliarden Rupiah. Bei größeren Mengen, etwa über einem Kilogramm Marihuana oder fünf Gramm Heroin und Kokain, ist sogar lebenslange Haft möglich, bei Handel auch die Todesstrafe. Das gilt für Ausländer genauso wie für Einheimische.

Nimm nie ein Paket für Fremde mit, auch nicht von netten Reisebekanntschaften. Lass dein Gepäck nicht aus den Augen und prüfe bei Medikamenten, ob sie erlaubt sind; im Zweifel fragst du vor der Reise bei der Botschaft nach. Glücksspiel ist ebenfalls verboten, echte Casinos gibt es laut denselben Angaben nicht. Trage außerdem deinen Reisepass oder eine Kopie bei dir, denn bei Kontrollen musst du dich ausweisen.

Indonesien Knigge bei Essen und Einladungen

Wirst du zu einer Familie nach Hause eingeladen, zieh die Schuhe aus und nimm eine Kleinigkeit mit, etwa Obst oder Gebäck. Reichst du etwas an, lehnen Gastgeber es zunächst meist höflich ab; ein zweiter Versuch ist normal. Probiere von allem, ein leerer Teller gilt jedoch als Zeichen, dass du noch hungrig bist. Iss und trink ausschließlich rechts, und warte, bis die Gastgeber beginnen.

Scharfes ist weit verbreitet. „Cabe“ heißt Chili, „sedikit“ bedeutet wenig, mit „tidak pedas“ bestellst du es mild. Leitungswasser trinkst du nur abgekocht; Eis lehnst du mit „tanpa es“ ab, wenn du unsicher bist. Beim Streetfood greifst du zu Gekochtem, Gebratenem oder Gegrilltem. Schnell wegzuschieben, was dir nicht schmeckt, wirkt unhöflich, bedanke dich lieber und iss langsam.

Indonesien Reisen und das Handeln um Preise

Beim Kauf von Souvenirs wird gehandelt, in Läden mit Festpreisen und bei Hotelketten nicht. Starte mit etwa der Hälfte des genannten Preises und bleib freundlich, denn Streit lässt dein Gegenüber das Gesicht verlieren. Wenn ihr euch einig seid, ist der Handel bindend. Bei Hotelzimmern lohnt sich Verhandeln außerhalb der Ketten, vor allem in der Nebensaison.

Bei Becak-Rikschas und Taxis vereinbarst du den Preis vor der Fahrt oder bestehst auf dem Taxameter. Auf Java folgen dir Rikscha-Fahrer manchmal zu Läden und kassieren dort Provision, die auf deinen Preis aufgeschlagen wird. Bei Batik in Yogyakarta verlangst du den Wassertest: Echte Batik bleibt beim Abreiben mit einem nassen Tuch unbeschadet. Trinkgeld ist nicht Pflicht, ein paar tausend Rupiah für guten Service werden gern genommen.

Hunza Tal Reise zwischen Karimabad, Passu und dem Attabadsee

Zehn Tage lang war ich auf meiner Hunza Tal Reise im Norden Pakistans unterwegs, zwischen Lehmforts, Gletscherzungen und Pappelreihen unter Siebentausendern, und hier steht, was sich davon wirklich gelohnt hat.

Das Tal liegt in Gilgit-Baltistan, mitten im Karakorum, nördlich der Stadt Gilgit am Karakoram Highway. Üblich ist die Einteilung in drei Abschnitte: Unter-Hunza rund um Minapin, Zentral-Hunza mit dem Ort Karimabad und Ober-Hunza, das auch Gojal heißt und bis hinter Passu reicht. Die Talsohle liegt bei rund 2.438 Metern, etwa 90 Prozent der Fläche befinden sich oberhalb von 3.000 Metern.

Gesprochen wird Burushaski, Wakhi und Shina, die meisten Bewohner gehören dem ismailitischen Islam an. Über Karimabad ragen Rakaposhi mit 7.788 Metern und Ultar Sar mit 7.388 Metern auf. Beide stehen so nah, dass man sie vom Frühstückstisch aus sieht, wenn die Wolken mitspielen. Damit unterscheidet sich die Gegend deutlich von den Basislagern, die man sonst nur nach tagelangen Märschen erreicht.

Meine Route war schlicht gehalten: Anfahrt von Gilgit, vier Nächte in Karimabad, dann zwei Nächte weiter nördlich bei Passu, dazwischen der Attabadsee und ein Ausflug in Richtung Khunjerab-Pass. Wie sich dieser Hunza Tal Urlaub anfühlte, was gut klappte und wo ich Zeit verschenkt habe, steht in den folgenden Abschnitten.

Hunza Tal Reisebericht
Blick über das Hunza-Tal bei Karimabad mit Rakaposhi im Hintergrund. Foto: Waleedshahid, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Hunza Tal Reise ab Gilgit nach Karimabad

Die Fahrt von Gilgit nach Karimabad dauert etwa zwei Stunden, und schon auf diesen Kilometern merkt man, wie eng das Tal gebaut ist.

Morgens ging es in Gilgit los, im Sammeltaxi mit vier anderen Fahrgästen. Die Straße ist der Karakoram Highway, mal glatt asphaltiert, mal mit Flicken und Steinschlagspuren. Links und rechts rücken die Felswände näher, unten rauscht der Hunza-Fluss graubraun von der Gletscherfracht. Das Gepäck lag auf dem Dach, und ich hatte meinen Rucksack zusätzlich in einer Plane, weil auf staubigen Abschnitten alles eine feine Schicht bekommt.

Karimabad, früher Baltit genannt, ist der Hauptort für Besucher. Das Zentrum liegt an einer Hangstraße, Unterkünfte reichen von einfachen Gästehäusern bis zu einem Hotel der gehobenen Klasse. Untergekommen bin ich in einem Haus mit Dachterrasse und habe dort, so gut es ging, die erste Nacht auf 2.400 Metern abgewartet. Kommst du von Islamabad, solltest du nach der langen Fahrt einen ruhigen ersten Abend einplanen.

Ein Fehler, den ich vermeiden würde: zu früh am Basar Geld zu wechseln. Geldautomaten sind im Hochtal selten und fallen zeitweise aus. Ich hatte glücklicherweise Rupien aus Gilgit dabei und kam damit gut durch die Woche.

Baltit, Altit und der Blick auf Ultar Sar

Baltit Fort thront über Karimabad und ist nach Angaben der Reisehandbücher rund 800 Jahre alt, den besten Eindruck bekommt man aber erst beim Aufstieg durch die Gassen.

Zu Fuß ging es hinauf, vorbei an Lehmmauern, Aprikosenbäumen und Steintreppen, die nach Regen rutschig werden. Von den Zinnen sieht man das gesamte Mittel-Hunza, tief unten den Fluss, weiter hinten die Gipfel. Ultar Sar zeigt sich als helle Pyramide, und bei trockener Luft war sie schon am Vormittag scharf gezeichnet, später zog Dunst auf. Zum Fotografieren stehst du früh auf.

Altit Fort liegt am Talboden und gilt als die ältere Anlage. Der Weg dorthin führt durch das gleichnamige Dorf mit schmalen Wasserkanälen und Terrassenfeldern. Für Altit rechnete ich gut zwei Stunden, für Baltit etwas mehr. Eintrittspreise ändern sich, fragt am Eingang nach, bevor ihr Bargeld abzählt.

In Ganish, einem alten Dorfteil nahe Karimabad, stehen Wachtürme aus früherer Zeit, und am Ortsrand zeigt der Heilige Felsen von Hunza Ritzungen und Inschriften aus buddhistischer Epoche. Dort traf ich fast niemanden. Für diese Ecke reicht ein halber Tag, am Nachmittag wird es im Sommer schnell heiß und windig.

Attabadsee und die Brücke bei Ghulkin

Der Attabadsee entstand erst am 4. Januar 2010 durch einen Erdrutsch, und genau das macht ihn zu einem ungewöhnlichen Stopp.

Damals riegelte ein Hangrutsch den Hunza-Fluss ab. Der See wuchs auf etwa 30 Kilometer Länge und erreichte eine Tiefe von rund 120 Metern, zwanzig Menschen starben, und ein Stück des Karakoram Highway von etwa 26 Kilometern verschwand unter Wasser. Heute führen Tunnel an der Stelle vorbei. Von Karimabad sind es ungefähr 20 Minuten Fahrt bis zum Ufer.

Das Wasser leuchtet türkis, was im Kontrast zu den braunen Felsflanken fast unwirklich wirkt. Eine Bootsfahrt stand auch an, und ich habe mich vorher nach dem Preis erkundigt, weil in der Hauptsaison überall verhandelt wird. Im November, so schrieb ein Reiseblog, ist der See ruhiger, im Hochsommer dagegen voll mit Tagesausflüglern.

Weiter nördlich, kurz hinter Ghulkin, spannt sich die Hussaini-Hängebrücke über den Fluss. Sie wird gern als eine der gefährlichsten der Welt bezeichnet, ist aber inzwischen vor allem Fotomotiv. Einige Bohlen fehlen, der Wind zerrt am Seil. Bis zur Mitte bin ich gegangen und dann zurück, und das war genug.

Passu und der Weg Richtung Khunjerab

Hinter Ghulkin öffnet sich das Tal, und die zackigen Passu Cones prägen den Horizont wie eine Reihe aufgestellter Zähne.

Passu ist ein kleiner Ort ohne Hektik. Zwei Nächte schlief ich dort in einem einfachen Gästehaus, abends gab es Linsensuppe und Fladenbrot. Zum Passu-Gletscher fährt man etwa 15 Minuten bis zu einem Parkplatz und läuft dann rund 20 Minuten zum ersten Aussichtspunkt. Von Passu zu Fuß braucht man ungefähr eine Stunde. Ein Mietwagen für Hin und Rückfahrt kostete laut einem Blog etwa 2.000 Rupien, der Preis kann sich verändert haben.

Der Khunjerab-Pass auf 4.693 Metern bildet die Grenze zu China und liegt etwa 75 Kilometer vom Grenzposten in Sost entfernt. Die Sperrzeiten wechseln: Schwere Fahrzeuge dürfen laut Wikipedia ungefähr vom 30. November bis 1. Mai nicht passieren, alle Fahrzeuge etwa vom 30. Dezember bis 1. April. Nach Schneefällen kann sich das verschieben, also vor der Abfahrt erkundigen.

Den Ausflug machte ich als Tagestour mit einem gemieteten Auto gemacht. Die Höhe machte sich ab etwa 4.000 Metern bemerkbar, Kopfdruck und kurzer Atem inklusive. Reagierst du empfindlich, bleib im Auto sitzen und trinkt viel Wasser.

Klima und Reisezeit im Karakorum

Das Wetter im Hochtal wechselt mit der Jahreszeit stärker, als man von einer Reise in Pakistan erwartet.

Weil das Tal auf rund 2.400 Metern beginnt und viele Pfade deutlich höher führen, kann ein Tag mit warmem Mittag und eisiger Nacht enden. Reisehandbücher nennen meist Frühjahr bis Herbst als sinnvollen Zeitraum. Im Frühjahr locken blühende Aprikosenbäume, im Herbst färben sich Pappeln und Walnussbäume gelb. Mir hat der Herbst besser gefallen, die Luft war trocken, die Sicht auf die Gipfel lang.

Im Winter schneit es, hohe Straßen und der Khunjerab-Pass können für längere Zeit geschlossen sein. Die Sperrzeiten wechseln, genaue Termine sollte man vorab prüfen. Ein Reiseblog erwähnt außerdem, dass der Attabadsee im November ruhiger ist als im Hochsommer. Das spricht für die Nebensaison, wenn du Wert auf Platz an den Aussichtspunkten legst.

Im Sommer ist es dagegen voll, vor allem an Wochenenden, wenn Familien aus den Städten Pakistans anreisen. Unterkünfte sind dann knapper, und es hilft, vorher anzurufen. Ich würde für diese Region mindestens eine Woche einplanen, damit ein Schlechtwettertag nicht den ganzen Plan kippt.

Einreise, Sicherheit und Gesundheit

Für Pakistan brauchst du als Reisender aus Deutschland ein Visum, alles Weitere ändert sich, daher gilt: Hinweise des Auswärtigen Amts vor der Abreise lesen.

Visabedingungen, Erlaubnisse für bestimmte Regionen und die Sicherheitslage wechseln. Deshalb vertraute ich weder auf Foren noch auf meine Erinnerung vertraut, sondern kurz vor dem Abflug die Reisehinweise aufgerufen und mich bei der Unterkunft in Karimabad nach dem Zustand der Straßen erkundigt. Vor der Abreise gehört außerdem eine Auslandskrankenversicherung mit Rückholung dazu, denn Krankenhäuser im Norden sind klein und weit entfernt.

Gefahren am Weg sind eher alltäglich als dramatisch: Steinschlag auf der Straße, wacklige Brücken, Gletscherspalten abseits der Pfade, Höhe. Die Hussaini-Brücke und das Eis am Passu-Gletscher verlangen Vorsicht, und ich bin dort nie allein gegangen. Auf den Aussichtswegen reichen feste Schuhe.

Zur Gesundheit: Trinkwasser nur aus Flaschen oder gefiltert, Händedesinfektion in der Tasche, Sonnencreme mit hohem Schutz. Wegen der Höhe auf 2.400 Metern empfehle ich am ersten Tag wenig Anstrengung. Medikamente, die du regelmäßig brauchst, gehören in ausreichender Menge ins Handgepäck.

Kleidung und Packliste

Für die Region packst du lieber Schichten als dicke Einzelteile, denn zwischen Morgen und Mittag liegen leicht zwanzig Grad.

Die Gegend ist konservativ geprägt, auch wenn der ismailitische Glaube als liberaler gilt. Als Gast hielt ich mich an lange Hosen und bedeckte Schultern, was auch gegen die Sonne half. Für Frauen sind ein Tuch und lange Ärmel nützlich, die Regel gilt übrigens ebenso für Männer: keine kurzen Hosen im Ort.

Gegen Abend kühlt es auf dem Dach des Gästehauses spürbar ab, vor allem im Herbst, und eine Heizung gibt es häufig nicht. Froh war ich um einen Schlafsack-Inlet und warme Socken. Auf Wanderungen schützt ein leichter Windbreaker vor dem Zug in den Seitentälern.

Diese Liste hat sich bei mir bewährt:

  • Fleecejacke und dünne Daunenjacke für Abende und Höhe
  • Feste Wanderschuhe mit grobem Profil für Gletscherwege
  • Sonnenbrille, Kappe und Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor
  • Stirnlampe, weil Stromausfälle im Tal vorkommen
  • Wiederbefüllbare Flasche und Filter oder Tabletten für Trinkwasser
  • Bargeld in kleinen Scheinen, da Geldautomaten selten sind

Äthiopien Verhaltensregeln und Sitten für Urlauber

Äthiopien ist ein Land mit ein Land eigener Zeitrechnung, eigener Schrift und einer Kirche, die seit über 1.600 Jahren das Leben prägt. Die wichtigsten Äthiopien Verhaltensregeln lassen sich auf eine Faustregel bringen: Zeig Respekt vor Alter, Glauben und Gastgebern, dann verzeihen dir die Menschen kleine Patzer gern. Dieser Beitrag sammelt, was in Reisehandbüchern und Kulturleitfäden zu Begrüßung, Kleidung, Kirchenbesuch und Tisch steht. Ein paar Dinge ändern sich je nach Region und Lage, prüfe sie deshalb kurz vor der Abreise.

Äthiopien Verhaltensregeln
Kaffeezeremonie: Bohnen werden über dem Feuer geröstet. Foto: Steve Evans, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Äthiopien Knigge bei der Begrüßung

Begrüßungen nehmen in Äthiopien Zeit in Anspruch, und das ist gewollt. Bevor du eine Frage stellst oder um etwas bittest, erkundigst du dich nach dem Befinden, der Familie und der Arbeit. Männer reichen sich die Hand und stoßen dabei häufig kurz die Schultern aneinander. Frauen halten sich beim Händedruck meist zurück, du wartest am besten, ob sie die Hand zuerst ausstrecken. Enge Freundinnen küssen sich zur Begrüßung bis zu dreimal auf die Wangen.

Die linke Hand gilt als unrein. Du reichst Geld, Essen und Gegenstände mit der rechten Hand weiter, oder zur Not mit beiden, wobei die rechte führt. Älteren Menschen begegnest du mit viel Respekt, sie werden zuerst begrüßt und bedient. Wenn du jemanden nicht kennst, ist ein höfliches Nicken mit einem leichten Lächeln besser als eine Umarmung. Hektik kommt schlecht an, eine kurze Begrüßung im Vorbeigehen wirkt schnell abweisend.

Kleidung für Städte und Dörfer

Auf dem Land und in religiösen Orten ist Zurückhaltung gefragt. Frauen tragen am besten lange, weite Oberteile oder Kleider, die Schultern und Knie bedecken. Hosen sind in Ordnung, Shorts und ärmellose Tops fallen negativ auf. Für Männer gelten lange Hosen und ein Hemd oder T-Shirt mit Ärmeln, Oberkörperfrei ist inakzeptabel, auch kurze Hosen wirken auf viele Äthiopier unpassend.

In Addis Abeba siehst du auch Jeans und Business-Kleidung, trotzdem lohnt sich ein Schal im Gepäck. Er dient als Kopftuch beim Kirchenbesuch und als Sonnenschutz auf Märkten. Auf Höhen über 2.000 Metern wird es abends kühl, eine dünne Jacke gehört also in den Rucksack. Strandkleidung bleibt am Pool oder am Wasser, in Ortschaften wirkt sie respektlos.

Äthiopien Verhalten in Kirchen und Klöstern

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche prägt das Land, und ihre Regeln solltest du ernst nehmen. Vor dem Betreten ziehst du die Schuhe aus, Socken sind erlaubt. Gibt es getrennte Eingänge für Männer und Frauen, nutzt du den für dein Geschlecht. Frauen bedecken Haar und Körper mit einem Tuch und einem langen Kleid, in ländlichen Kirchen wird das strenger gesehen als in der Hauptstadt.

Manche Kirchen und Klöster schließen bestimmte Besucher aus. Laut Reiseführern dürfen menstruierende Frauen manche Kirchen nicht betreten, und an einzelnen Orten gelten Regeln für den Tag davor. Frag am Eingang oder bei deinem Guide nach, bevor du dich ärgerst. Sprich leise, und wende dich Priestern höflich zu. Wenn Gläubige beten oder küssen die Türpfosten, bleibst du ruhig stehen und störst nicht.

Essen und Einladungen am gemeinsamen Teller

In Äthiopien isst du ausschließlich rechtshändig. Auf der großen Platte liegt Injera, der Sauerteigfladen aus Teff, der zugleich Teller und Besteck ersetzt. Du reißt ein Stück ab, greifst damit etwas Sauce oder Fleisch und führst es zum Mund. Der Älteste am Tisch beginnt zuerst, die anderen folgen. Vorher werden meist die Hände gewaschen, dafür wird dafür eine Schüssel mit Wasser herumgereicht.

Herzlich ist der Brauch des Gursha. Der Gastgeber steckt dir einen Bissen in den Mund, als Zeichen von Zuneigung, und diese Geste zurückzuweisen gilt als sehr unhöflich. Lehne also nicht ab, auch wenn der Happen groß ausfällt. Du kannst anschließend selbst jemandem einen Bissen reichen.

Äthiopien Sitten bei der Kaffeezeremonie

Kaffee stammt der Überlieferung nach aus Äthiopien, und die Zeremonie ist der Mittelpunkt des Besuchs. Die Gastgeberin röstet grüne Bohnen auf einer Pfanne über offenem Feuer, zerstößt sie im Mörser und kocht den Kaffee in einer Tonkanne mit langem Hals mehrfach auf. Das dauert gut eine Stunde oder länger. Plane Zeit ein, Aufbruch nach der ersten Tasse wirkt unhöflich.

Meist werden drei Runden serviert, die letzte gilt als Segen. Wenn du eingeladen wirst, nimm mindestens zwei Tassen an. Lob für den Duft des Röstens wird gern gehört. Zucker oder Salz gehören je nach Region dazu, du kannst beides probieren. Bleib sitzen, bis die Gastgeberin das Ende signalisiert, und bedanke dich mit einer kurzen Geste. Für Fotos fragst du vorher, bei Einladungen in Privathäusern ist das selbstverständlich.

Fastentage und Feiertage im Kalender

Die orthodoxe Kirche schreibt mittwochs und freitags Fasten vor, ohne Fleisch und tierische Produkte. Restaurants stellen sich darauf ein, du bekommst dann Linsen, Gemüse und Saucen aus Hülsenfrüchten. Auch vor großen Festen wird gefastet. Plane diese Tage ein, wenn du Fleisch erwartest. Laut Reisehandbüchern ist es sinnvoll, an Fastentagen nicht auf Tibs zu setzen, weil das Fleisch dann nicht frisch sein muss.

Wichtige Feste sind Enkutatash, das Neujahr um den 11. September, Maskal um den 27. September, Genna Anfang Januar und Timkat im Januar oder Februar. Rund um diese Termine sind Busse voll, Preise steigen und Läden schließen früher. Äthiopien rechnet mit einem eigenen Kalender mit dreizehn Monaten, daher stimmen Daten auf Tickets manchmal nicht mit deinem Handy überein. Frag bei Buchungen doppelt nach dem gregorianischen Datum.

Äthiopien Umgangsformen beim Fotografieren

Menschen fotografierst du nur mit Erlaubnis. Ein Nicken und ein fragender Blick auf die Kamera reichen häufig, und wenn jemand abwinkt, akzeptierst du das sofort. In Kirchen und bei Zeremonien gelten teils eigene Regeln, mancherorts kostet das Fotografieren Eintritt. Priester und Mönche sollten nicht als Kulisse dienen, frag höflich nach. Kinder reagieren gern, aber Eltern sollten in der Nähe sein.

Bei Militär, Polizei und Regierungsgebäuden bleibt die Kamera besser unten. Eine Panoramafreiheit gibt es laut Wikivoyage nicht, Gebäude und Kunstwerke im öffentlichen Raum können urheberrechtlich geschützt sein, und Banknoten dürfen nicht abgebildet werden. Zeig Fotos auf dem Display, das schafft Vertrauen. Drücke niemandem Geld für ein Bild auf, wenn ihr euch nicht vorher geeinigt habt, sonst entstehen Erwartungen für die nächsten Reisenden.

Trinkgeld und Preise

In einfachen lokalen Lokalen ist Trinkgeld nicht üblich, ein paar Birr als Aufrundung freuen Kellner dennoch. In touristischen Restaurants sind etwa zehn Prozent der Rechnung ein guter Richtwert. Für Guides nennt der Rough Guide einen fairen Wert von etwa 200 Birr pro Gruppe und Tag bei gutem Service. Die Zahl ändert sich mit der Inflation, frag deshalb vorher in deiner Unterkunft nach aktuellen Beträgen.

Auf Märkten und bei Tuk-Tuks wird gehandelt, freundlich und mit Humor. Nenne einen niedrigeren Preis, lächle, und trefft euch in der Mitte. Ist der Preis vereinbart, wird er nicht noch einmal gedrückt. Aufdringliche Helfer, die dich ungefragt zu einer Sehenswürdigkeit begleiten, musst du nicht bezahlen, wenn du sie nicht beauftragt hast. Sprich Preise für Taxis vor der Fahrt, nicht danach.

Äthiopien Reisen mit Alkohol, Khat und Gesetzen

Bier, Honigwein und Tej gehören zum Leben, öffentliches Betrunkensein dagegen nicht. Am Flughafen gelten Zollfreimengen, laut Wikivoyage sind zwei Liter Alkohol erlaubt. Tej, der Honigwein, ist in Bars verbreitet und kräftiger, als er schmeckt. Khat, ein Blattkraut, wird in Teilen des Landes gekaut. Frag, ob und wo Konsum für Besucher erlaubt ist, und beachte die Rechtslage für Einfuhr und Besitz vor der Reise.

Wichtig ist die Rechtslage bei Liebe und Partnerschaft. Homosexuelle Handlungen sind in Äthiopien strafbar, und die Stadtverwaltung von Addis Abeba kündigte 2023 Kontrollen in Hotels und Bars an. Zeig dich also zurückhaltend. Auch Kunstgegenstände unterliegen Vorschriften, alles über 50 Jahre kann als kunsthistorisch gelten und braucht eine Genehmigung des Nationalmuseums. Informiere dich vor Abreise bei den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes.

Gesprächsthemen und heikle Fragen

Familie, Herkunft und Reiseziele sind sichere Themen. Äthiopier fragen schnell nach Kindern, Beruf und Alter, das ist Interesse und keine Neugier. Antworte freundlich, auch wenn dir Fragen persönlich vorkommen. Lob für Landschaft, Essen und Kaffee kommt gut an. Der Stolz auf die eigene Geschichte ist groß, das Land wurde nie dauerhaft kolonisiert, und die Schlacht von Adwa am 2. März wird gefeiert.

Vorsicht ist bei Politik, ethnischen Konflikten und Religion geboten. Äußere keine Meinung zu Regionalstreitigkeiten, ganz gleich, wie offen dein Gegenüber wirkt. Über Kirche und Glauben lässt sich gut reden, wenn du zuhörst, statt zu urteilen. Leg das Handy beiseite, wenn jemand erzählt. Gäste, die geduldig zuhören, werden häufig zum Essen oder Kaffee eingeladen.

Äthiopien Verhaltensregeln bei Natur und Sicherheit

Auf Wanderungen im Simien Gebirge oder bei Besuchen von Dörfern richtest du dich nach deinen Guides und den örtlichen Hinweisen. Bleib auf Wegen, nimm Müll mit und kaufe keine Waren aus geschützten Tieren oder Pflanzen. Wasser ist in vielen Regionen knapp, geh sparsam damit um. Tiere wie Dscheladas bekommen kein Futter, das stört ihr Verhalten.

Grenzregionen zu Somalia, Eritrea und Sudan solltest du laut Wikivoyage meiden, dort gibt es Minen und bewaffnete Gruppen. Diebstahl kommt in der Hauptstadt häufig vor, trag Wertsachen am Körper und lass das Handy nicht auf dem Tisch liegen. Im Notfall gilt in Addis Abeba die 991 für die Polizei und die 907 für den Rettungsdienst. Verfolge aktuelle Reisehinweise, die Lage ändert sich schnell.

Ohridsee Reise zwischen Kaneo, Samuelsfestung und Sveti Naum

Acht Tage lang war ich auf meiner Ohridsee Reise zwischen Uferkirchen, Fischsuppe und einem Kloster nahe der albanischen Grenze unterwegs, und hier steht, was sich davon wirklich gelohnt hat.

Der Ohridsee misst rund 358 Quadratkilometer, an der tiefsten Stelle sind es 288 Meter. Er zählt zu den ältesten Seen der Welt, die ältesten Sedimente stammen aus dem Pliozän, also aus einer Zeit vor drei bis fünf Millionen Jahren. Mehr als 200 Arten leben nur dort und sonst nirgends. Das Gewässer liegt mitten im Grenzgebirge zwischen Nordmazedonien und Albanien, ich habe mich auf die mazedonische Seite beschränkt.

Die Stadt Ohrid am Nordostufer zählte bei der Volkszählung 2021 rund 38.800 Einwohner. Die Altstadt steht samt See seit 1979 und 1980 auf der UNESCO-Liste, die albanische Uferseite kam 2019 hinzu. Wegen der vielen Kirchen heißt der Ort im Land das Jerusalem des Balkans. Die Zahl von 365 Kapellen, eine für jeden Tag des Jahres, gehört allerdings in den Bereich der Legende.

Mein Plan für den Ohridsee Urlaub war schlicht: Ankunft aus Skopje, vier Nächte in der Altstadt, ein Tagesausflug zum Kloster Sveti Naum, dazwischen Baden, Essen und Herumlaufen. Wie die Ohridsee Reise ablief, wo ich Geld gelassen habe und was ich anders machen würde, steht auf den folgenden Abschnitten.

Ohridsee Reisebericht
Die Kirche Sveti Jovan Kaneo über dem Ohridsee. Foto: kallerna, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Anreise nach Ohrid für die Ohridsee Reise

Eine Bahn gibt es nicht, also bleiben Flugzeug, Bus und Auto, und die Wahl entscheidet über den ersten Tag.

Mein Weg führte über Skopje. Von dort fahren Busse nach Ohrid in rund dreieinhalb Stunden, laut Wikivoyage ungefähr stündlich und ab etwa 830 Denar pro Strecke. Im Sommer sichert man sich den Platz am besten ein bis zwei Tage vorher. Mir hat das im Mai nicht gedroht, die Sitze waren halb leer, und ich saß mit dem Rucksack am Fenster.

Der Flughafen von Ohrid wird vor allem von Wizz Air angeflogen, unter anderem aus Basel, Dortmund, London-Luton und Wien. Einzelne Verbindungen laufen nur saisonal, deshalb sollte man den Flugplan für den eigenen Reisemonat prüfen. Aus Albanien kommend, fährt man über Struga, das etwa 16 Kilometer entfernt liegt, oder nimmt im Sommer das Boot von Pogradec, das nach den Angaben der Reisehandbücher um 10 Uhr morgens ablegt.

Die Altstadt ist klein genug, sie lässt sich größtenteils zu Fuß erkunden. Gebucht hatte ich ein Privatzimmer nahe dem Hafen, solche Unterkünfte kosten laut Wikivoyage ab etwa 10 bis 15 Euro die Nacht, die Preise ändern sich aber, vorab vergleichen lohnt. Vom Busbahnhof in die Stadt zahlte ich für das Taxi grob 100 Denar, nachdem ich den Preis vorher ausgehandelt hatte. Das ist der Rat, den ich jedem geben würde: erst verhandeln, dann einsteigen.

Altstadt, Samuelsfestung und die Kirche von Kaneo

Ein Rundgang von der Festung hinunter zum Wasser dauert nur wenige Stunden, aber ich habe dafür zwei Tage gebraucht.

Die Samuelsfestung thront über der Stadt. Sie stammt aus dem 10. Jahrhundert, Ausgrabungen deuten darauf hin, dass an dieser Stelle schon im 4. Jahrhundert vor Christus eine Befestigung stand. Der Eintritt war mit rund 30 Denar kaum der Rede wert. Oben sieht man die Dächer der Altstadt, den See und an Morgen ohne Dunst die Berge am anderen Ufer. Kurz nach der Öffnung stand ich oben und hatte die Zinnen fast für mich.

Vom Plaošnik, einer Ausgrabungsstätte mit der restaurierten Kirche der Heiligen Klemens und Pantaleon, geht es weiter. Hier soll Klemens von Ohrid im Jahr 886 eine Literaturschule gegründet haben, ein Ort mit Bedeutung für die kyrillische Schrift. Die Kathedrale Sveti Sofija mit ihren Fresken aus dem 11. Jahrhundert kostete 100 Denar, das Geld war gut angelegt. Beim Betreten sollte man die Schultern bedecken, ich hatte ein Tuch dabei.

Am Ende steht die Kirche Sveti Jovan Kaneo aus dem 14. Jahrhundert auf einer Klippe über dem Wasser. Sie ist wohl das meistfotografierte Gebäude der Stadt. Zweimal stand ich dort, einmal mittags mit Reisegruppen im Nacken, einmal am frühen Abend. Der zweite Besuch war entspannter, das Licht fiel weich auf die roten Ziegel. Das antike Theater aus hellenistischer Zeit, etwa 200 vor Christus, lässt sich ebenfalls besichtigen und wird im Sommer für Konzerte genutzt.

Sveti Naum und die Bay of Bones

Das Kloster liegt rund 30 Kilometer südlich und ist der Ausflug, bei dem mir der See am größten vorkam.

Gegründet wurde die Anlage im Jahr 905 von Naum von Ohrid, der in der Kirche beigesetzt ist. Das Kloster liegt im Gemeindegebiet von Ljubaništa, und die Grenze zu Albanien ist nur einen Steinwurf entfernt. Zwischen 1912 und 1925 gehörte das Gebiet sogar zu Albanien. Überrascht hat mich, wie ruhig es dort wirkte, obwohl sich Busgruppen abwechselten.

Die Überfahrt begann am Pier der Altstadt. Das Boot fährt täglich um 10 Uhr ab und kommt laut Reisehandbuch um 15.30 Uhr von Sveti Naum zurück, der Hin und Rückpreis liegt bei etwa 600 Denar, also knapp zehn Euro. Fahrpläne verschieben sich, ein kurzer Blick am Kai am Vortag spart Ärger. Die Alternativen sind Bus, Mietwagen und Taxi, auf dem Hinweg nahm ich das Boot, zurück ging es mit dem Bus zurückgefahren.

Unterwegs hielt ich an der Bay of Bones, einem nachgebauten Pfahlbaudorf aus der Jungsteinzeit, das 2008 eröffnet wurde. Es steht auf dem Wasser, dazu gehören ein kleines Museum und eine Tauchbasis. Als Ausgrabung darf man es sich nicht vorstellen, es ist eine Rekonstruktion. Mir hat gerade das gefallen, weil man ein Gefühl für die Bauweise bekam, ohne Absperrbänder zu sehen.

Essen und Trinken am See

Auf dem Teller landet hier meist Fisch, doch ausgerechnet die berühmteste Sorte habe ich liegen lassen.

Gemeint ist die Ohrid-Forelle. Wikivoyage weist darauf hin, dass der Fang am mazedonischen Ufer verboten und der Fisch gefährdet ist, und auch die Wikipedia verzeichnet einen starken Rückgang der Fangmengen, vermutlich durch Überfischung. Stattdessen bestellte ich andere Fischgerichte, die Kellner nannten mir die Herkunft ohne Zögern. Fragen kostet nichts, und die Antwort sagt viel über das Lokal.

Gut geschmeckt haben mir Fischsuppe, die als ribna čorba auf der Karte steht, außerdem Burek am Morgen und Makalo, ein Brotaufstrich mit Knoblauch und Joghurt. Dazu kommen gjomleze, gebackene Pfannkuchen, und der Ohridski Gevrek, ein Gebäck, das ich mir mehrmals bei der Bäckerei in der Altstadt geholt habe. Die Portionen waren üppig, ich habe zu zweit manchmal nur eine Vorspeise geteilt.

Beim Abendessen in der Altstadt zahlt man für die Lage am Wasser mehr als in den Seitengassen. Ich bin darum gern ein paar Straßen weiter gegangen, dort saßen eher Einheimische. Zum Trinken gab es mazedonischen Wein und einheimischen Rakija, den ich in kleinen Mengen probierte. Ein Glas reichte, mehr vertrug ich nicht.

Interessante Fakten zum Ohridsee

Unter der Wasseroberfläche liegt ein Archiv der Erdgeschichte, und die Stadt darüber hat ihre eigene Schreibtradition.

Etwa ein Drittel der 21 heimischen Fischarten und fast 80 Prozent der 72 Weichtierarten sind endemisch. Die Forschung nutzt den See deshalb gern als Beispiel dafür, wie sich Arten in einem alten, tiefen Gewässer getrennt entwickeln. Für mich als Besucher blieb das Wissen abstrakt, bis ich beim Schnorcheln am Ufer die Steine voller kleiner Schnecken sah.

Ohrid selbst wurde in der Antike Lychnidos genannt. Der heutige Name taucht erstmals im Jahr 879 auf, ab 1395 stand die Stadt unter osmanischer Herrschaft, bis 1912 serbische Truppen kamen. Die Stadt liegt auf rund 695 Metern Höhe, und das merkt man am Wetter. Die Sommer sind trocken, im Hochsommer fallen weniger als 40 Millimeter Regen, im Jahresschnitt sind es etwa 662 Millimeter, am nassesten ist der November.

Im Sommer läuft das Ohrider Sommerfestival mit Theater und Musik, von Juli bis August. In der zweiten Julihälfte gibt es außerdem einen Schwimmmarathon über 30 Kilometer, der am Kloster Sveti Naum beginnt und am Stadthafen endet. Im Mai war ich da, also weder bei Festival noch Marathon, und fand die Stadt zu dieser Zeit angenehm leer.

Preise, Perlen und Feilschen

Geldprobleme gab es keine, nur zwei Stellen, an denen ich später genauer hinsehe.

Eintritte für Kirchen und Stätten liegen laut Reisehandbuch meist zwischen 30 und 100 Denar. Ausländische Besucher zahlen häufig etwa den doppelten Tarif der Einheimischen, daran habe ich mich schnell gewöhnt, es sind ohnehin kleine Beträge. Ein Stadtbus kostete rund 40 Denar. Für viele Besichtigungen sollte man reichlich Bargeld in Denar dabeihaben, in manchen kleinen Läden und Kiosken ging es nur bar.

Die berühmten Ohrider Perlen werden an jeder Ecke angeboten. Es handelt sich um Imitate aus Muschelperlen mit einem Überzug aus Fischschuppen, einen Edelsteinwert haben sie nicht. Manche Stücke am Straßenstand sind außerdem unfertig, obwohl sie als handgemacht beworben werden. In einer Werkstatt kaufte ich ein Armband, dessen Herstellung mir der Besitzer vorführte, und den Preis nur leicht heruntergehandelt.

Bei Taxis ist die Lage ähnlich: Mehrere Fahrer versuchen bei Touristen einen Aufschlag. Jede Fahrt handelte ich vor dem Einsteigen aus, und mit dem Satz „Wie viel bis zum Hafen?“ kam ich überall weiter. Auf Handeln im Markt sollte man freundlich bleiben, laut zu werden bringt nichts.

Verhaltensregeln am Ohridsee

Ein paar Gewohnheiten aus meinem Rucksack haben am See nicht gepasst, und ich habe sie rasch abgelegt.

In den Kirchen gilt die übliche Zurückhaltung: Schultern bedecken, Stimme senken, Gespräche vor dem Altarraum vermeiden. Beim Fotografieren in Sveti Sofija und anderen Innenräumen achtete ich auf Schilder und fragte im Zweifel die Aufsicht. Regeln dazu ändern sich, und eine pauschale Antwort habe ich nicht gefunden, deshalb gilt vor Ort das, was ausgeschildert ist.

Zum Thema Fisch habe ich es schon erwähnt: Die Ohrid-Forelle sollte man nicht bestellen. Ebenso gehört es zur Höflichkeit, am Ufer keinen Müll zu lassen, gerade an den kleinen Badestellen wie Labino, das laut Reisehandbuch morgens am besten ist, oder Ljubaništa, das sich eher am Abend nach 18 Uhr anbietet. Nimm deine Flasche wieder mit, die Mülleimer sind rar.

Im Umgang mit Einheimischen kam ich mit ein paar Worten Landessprache weit. Ein freundliches „Dobar den“ zur Begrüßung öffnete mir Türen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Taxifahrer, Wirte und Verkäufer wurden spürbar zugänglicher, als ich nicht gleich auf Englisch begann. Wie weit die Offenheit reicht, hängt natürlich vom Gegenüber ab, doch den Versuch schätzten fast alle.

Mongolei Verhaltensregeln und Sitten für Urlauber

Die Mongolei Verhaltensregeln lassen sich auf einen Nenner bringen: Respekt vor Gastfreundschaft, Feuer und Familie. Das Land ist dünn besiedelt, und viele Begegnungen finden in einer Jurte statt, die auf Mongolisch Ger heißt. Dort gelten Gesten und Tabus, die kein Reiseführer-Kapitel auf einer Seite erklärt, die du aber in einer Stunde lernst. Meine Faustregel für unterwegs: Beobachte, was dein Gastgeber tut, und mach es in Ruhe nach. Wenn du etwas falsch machst, verzeihen dir Nomaden das meist, solange du erkennbar guten Willen zeigst.

Mongolei Verhaltensregeln
Wanderer im Tal des Kherlen in der Mongolei. Foto: GerritR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Mongolei Knigge bei der Begrüßung

Grüße jeden, den du triffst, einmal und freundlich. Laut Wikivoyage wirkt es auf Mongolen seltsam, wenn du dieselbe Person später am Tag noch einmal begrüßt. Männer geben sich meist die Hand oder nicken knapp, enge Freunde umarmen sich kurz an der Schulter. Zwischen Männern und Frauen reichen häufig ein Lächeln und ein Hallo, vor allem bei jüngeren Leuten. Zieh Handschuhe aus, bevor du jemandem die Hand gibst, und lass die Ärmel nicht hochgekrempelt, denn Handgelenke bleiben bei Begrüßung und Bewirtung bedeckt.

Das Gespräch startet nur selten mit Persönlichem. Üblich sind Fragen nach deiner Fahrt, nach dem Vieh, den Weiden und dem Wetter, erst danach kommt Privates. Halte dich bei Krankheit, Tod und Unfällen zurück, solche Themen gelten als schlechtes Vorzeichen. Auch Scherze über Pannen an Autos oder Flugzeugen kommen schlecht an. Mit zwei, drei mongolischen Wörtern gewinnst du schneller Sympathie als mit langen Erklärungen auf Englisch, das auf dem Land ohnehin kaum jemand spricht.

Mongolei Reisen und das Ankündigen vor der Jurte

Klopfen gibt es nicht, du rufst. Der übliche Ruf lautet «Nokhoi khor», ungefähr «halt den Hund», und kündigt dich an, während er gleichzeitig auf den Wachhund hinweist. Die Hunde bei Nomadenlagern sind keine Streicheltiere, bleib also im Auto sitzen oder in Rufweite, bis jemand aus dem Ger tritt. Der Urga, eine lange Holzstange mit Schlinge, wird nicht überstiegen, wenn er am Boden liegt. Geh drumherum.

An der Tür gilt eine Regel für alle Besucher: nicht auf die Schwelle treten und sich nicht darüber beugen. Nimm die Mütze ab, hebe sie zum Gruß kurz an und lass sie danach nicht auf dem Boden liegen. Geh vor älteren Menschen nie vorbei. Die Reiseführer widersprechen sich, auf welcher Seite du eintreten sollst, also schau dir an, was dein Gastgeber vormacht. Im Ger gehst du im Uhrzeigersinn und setzt dich dort hin, wo man dir den Platz zeigt.

Mongolei Sitten beim Sitzen, Feuer und Altar

Im Ger sitzt du im Schneidersitz oder mit unter den Körper gezogenen Füßen. Die Fußsohlen zeigen weder auf Menschen noch auf den Herd oder den kleinen Altar hinten im Zelt. Der Kopf steht im buddhistisch geprägten Weltbild über den Füßen. Trittst du jemandem aus Versehen auf den Fuß, gib ihm sofort die Hand. Das Schlafen gehört in die gleiche Logik, denn die Füße zeigen nachts zur Tür und nie zum Altar.

Das Feuer im Ofen ist heilig. Wirf keinen Müll hinein, schütte kein Wasser darauf und stell nichts auf die Flammen. Die tragenden Säulen in der Mitte sind kein Anlehnplatz. Sie stehen für Stabilität, und im Halbdunkel verwechselt man sie schnell mit dem heißen Ofenrohr. Pfeifen im Zelt gilt als unhöflich. Fasse niemandem an den Kopf, auch Kindern nicht, und halte Messer immer mit dem Griff voran hin. Fremde Hüte rührst du nicht an.

Mongolei Umgangsformen beim Essen und Trinken

Lehne Essen und Getränke nicht ab. Ein Nippen am Milchtee oder ein Stückchen Quark reicht als Zeichen der Wertschätzung, den Teller musst du nicht leeren. Nimm alles rechts entgegen, bei schweren Schalen stützt die linke den rechten Ellbogen. Aus der gemeinsamen Platte greifst du nie mit links. Verschütte keine Milch, das gilt als Fauxpas. Passiert es doch, tätschelt man den Kindern den Kopf, und die Gastgeber verstehen, dass du fremd bist.

Fleisch und Milchprodukte bilden auf dem Land die Grundlage der Küche. Probiere Buuz, die gedämpften Teigtaschen, oder Airag, vergorene Stutenmilch, wenigstens einmal. Schmeckt dir etwas nicht, formuliere die Absage freundlich und positiv, etwa mit dem Hinweis auf dein Befinden, statt das Essen zu kritisieren. Mit leeren Händen kommt niemand gern. Eine Tüte Süßigkeiten oder Obst für die Familie passt immer, wenn du zum Essen eingeladen wirst.

Mongolei Verhalten bei Wodka und Schnupftabak

Bekommst du ein Glas Wodka gereicht, tauche den Ringfinger der rechten Hand hinein und schnippe einen Tropfen in Richtung Himmel, einen in die Luft und einen auf den Boden. Trinkst du keinen Alkohol, mach die Geste trotzdem, berühre mit dem Finger deine Stirn, bedanke dich und gib das Glas zurück. Auch bei Empfängen kreist manchmal eine kleine Schale mit Schnaps. Du musst nicht trinken, setze sie aber an die Lippen.

Der Schnupftabak, Khöörög genannt, wandert in einem kleinen Fläschchen von Hand zu Hand. Männer tauschen es traditionell zur Begrüßung und geben es mit rechts weiter. Meist riecht man nur daran. Ist das Fläschchen leer, spielst du die Bewegung trotzdem durch. Streck beim Weiterreichen nie den kleinen Finger ab, das gilt als abfällig. Alkoholmissbrauch ist laut Wikivoyage ein Problem im Land, halte dich also nachts von Betrunkenen fern und sei in Bars der Hauptstadt vorsichtig.

Mongolei Verhaltensregeln bei Geschenken und Abschied

Wenn du bei einer Nomadenfamilie übernachtet hast, lass beim Abschied etwas zurück. Geld wirkt dabei peinlich, besser sind Lebensmittel, Tee, Süßes oder Spielzeug für die Kinder. Reiche das Geschenk mit beiden Händen und offener Handfläche. Ein Geschenk, das man dir überreicht, lehnst du nicht ab. Nimm es rechts an, den Ellbogen mit der linken gestützt, und sag deutlich Danke.

In einem reinen Touristen-Ger-Camp gelten diese Geschenkbräuche laut Wikivoyage nicht, dort zahlst du für Übernachtung und Essen. Familienbesuche über einen Fahrer oder Guide sind eine andere Sache, hier freuen sich Gastgeber über eine Kleinigkeit. Frag deinen Guide am Vortag, was in der Region üblich ist. Notiere dir Namen der Gastgeber, denn ein später per Post geschicktes Foto sorgt für mehr Freude als ein teures Mitbringsel.

Mongolei Knigge beim Fotografieren

Frag, bevor du Menschen fotografierst, und zeig das Bild danach auf dem Display. Ein Nicken oder Lächeln genügt meist als Zustimmung, und im Ger gilt die Regel, nichts anzufassen und nur nach Erlaubnis zu knipsen. Das betrifft auch den Altar, die Familienbilder und das Innenleben des Zeltes. Kinder fotografierst du nur mit Blick zu den Eltern. Ein Reiter, dem du für ein Bild hinterherläufst, erschrickt ebenso wie sein Pferd.

In Tempeln und Behörden können Aufnahmen verboten sein, erkundige dich vorher. Schau auf Schilder am Eingang und frag im Zweifel einen Mönch oder deinen Guide. Ein Blitz stört die Ruhe im Gebetsraum, lass ihn aus. Hast du eine Drohne dabei, frag zusätzlich vor dem Start nach, denn Herden und Nomaden reagieren auf Lärm aus der Luft empfindlich.

Mongolei Sitten in Klöstern und an heiligen Orten

Die meisten Mongolen sind Buddhisten oder folgen schamanischen Bräuchen, manche Nomaden sind Muslime. Kleide dich in Klöstern und an heiligen Plätzen zurückhaltend, bedecke Schultern und Knie. Nimm Sonnenbrille und Mütze ab und zieh am Eingang die Schuhe aus, wo es verlangt wird. Altäre, Gebetsfahnen und Steine mit Gebeten fasst du nicht an. Rund um Stupas und Gebetsmühlen läufst du im Uhrzeigersinn, so wie alle anderen.

Solche Fahnen und Steine sind Opfergaben, kein Fotohintergrund, und Besucher drängen sich nicht vor Betende. Halte deine Stimme tief und deine Schritte langsam. Der 14. November, der Geburtstag von Dschingis Khan, ist landesweit ein Feiertag. Der Herrscher gilt vielen als Nationalheld, also verkneif dir spöttische Bemerkungen über ihn.

Mongolei Umgangsformen bei Naadam und Tsagaan Sar

Das Naadam-Fest in Ulaanbaatar findet vom 11. bis 13. Juli statt. Es gibt Ringkämpfe, Pferderennen und Bogenschießen, die UNESCO nahm es 2010 in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Im Stadion drängen sich viele Menschen, Karten solltest du früh organisieren. Bleib beim Pferderennen hinter den Absperrungen, denn die Rennstrecke führt über Steppe, und Kinder reiten die Tiere. Kleinere Naadam-Feste in den Provinzen sind im Juli gemütlicher und familiärer.

Tsagaan Sar, das Neujahrsfest nach dem Mondkalender, fällt in den Januar oder Februar und dauert drei Tage. Familien besuchen ihre Ältesten, begrüßen sich mit dem Zolgokh, bei dem man sich an den Ellbogen stützt, und essen Buuz, Hammel und weiße Speisen als Zeichen reiner Absichten. Geschenke gehören dazu. Wirst du eingeladen, bring etwas Süßes mit und iss reichlich. Auf dem Land ruht die Arbeit teils wochenlang, und im Winter ist es sehr kalt.

Mongolei Verhalten bei Trinkgeld, Handeln und Taxi

Trinkgeld wird laut Wikivoyage selten erwartet, außer bei Touranbietern und Guides. In einigen besseren Restaurants und Hotels der Hauptstadt steht eine Servicegebühr auf der Rechnung, vor allem bei größeren Gruppen. Gib deinem Fahrer und Guide am Ende einer mehrtägigen Tour etwas, in Landeswährung und in einem Umschlag. Frag deinen Veranstalter vorab, was für die Region üblich ist.

Feilschen ist in der Mongolei nicht so verbreitet wie in anderen asiatischen Ländern, auf Märkten wird ein fairer Preisnachlass aber akzeptiert. Setz dich dabei nie unter Druck und werde nicht laut. In Ulaanbaatar stellt der Fahrer den Taxameter laut Wikivoyage selbst ein, manche geben kein Wechselgeld. Hab deshalb kleine Scheine parat. Bei gecharterten Jeeps wird häufig pro Kilometer verhandelt, vereinbare Preis, Route und Verpflegung vorher schriftlich. Ein Guide verhindert viele Missverständnisse.

Mongolei Verhaltensregeln für Natur und Camping

Die Weite täuscht, fast jedes Fleckchen Steppe gehört einer Familie oder dient als Weide. Laut Wikivoyage ist das Land außerhalb von Städten öffentliches Eigentum, und du kannst fast überall zelten. Halte aber Abstand zu Nomadenlagern, baue dein Zelt nicht an Straßen auf und nimm deinen Müll vollständig wieder mit. Verbrenne ihn nicht im Lagerfeuer, denn Feuer gilt den Mongolen als heilig. Brennholz ist knapp, und getrockneter Dung dient als Brennstoff, also nimm dir keinen davon.

Wasserstellen sind in der Steppe selten und kostbar. Verschmutze keine Quelle mit Seife oder Zahnpasta, schöpfe Wasser und wasche dich in einigem Abstand. Auf Pferden kommst du nur mit der Erlaubnis des Besitzers und niemals ohne Anleitung. Schließe Weidezäune hinter dir, wo es welche gibt. Verhalte dich leise nahe Herden, damit die Tiere nicht auseinanderlaufen. Eine Mongolei Reise lebt von dieser Weite, und sie bleibt nur sauber, wenn jeder sie so verlässt, wie er sie gefunden hat.

Gobi Reise zwischen Khongoryn Els, Flaming Cliffs und Yolyn Am

Meine Gobi Reise begann mit einer Überraschung: In der Mongolei besteht die Wüste vor allem aus steinigem Grasland, und Sand macht nur einen kleinen Teil aus, was ich erst vor Ort wirklich verstand.

Die Gobi zählt mit rund 1,3 Millionen Quadratkilometern zu den größten Wüsten der Erde und reicht von der südlichen Mongolei bis nach Nordchina. Sie liegt auf einem Plateau zwischen etwa 910 und 1.520 Metern Höhe und bekommt im Jahr nur um die 194 Millimeter Regen, meist im Sommer. Mit Hitze allein hat das Klima wenig zu tun: Im Winter sind bis zu minus 40 Grad möglich, im Sommer rund 45 Grad, und binnen 24 Stunden kann das Thermometer um bis zu 35 Grad pendeln.

Ich blieb im Süden, im Umland von Dalanzadgad. Mindestens sechs Tage empfehlen die Handbücher, für entlegene Ziele wie das Nemegt-Becken neun bis zehn. Meine Route dauerte etwas mehr als eine Woche, mit täglich vier bis sechs Stunden im Geländewagen. Das klingt nach viel Sitzfleisch, und so war es auch, doch die Landschaft änderte sich ständig.

Auf den nächsten Seiten folgt die Strecke von der Schlucht Yolyn Am über die Fossilienklippen von Bayanzag bis zu den Dünen von Khongoryn Els. Dazu kommen ein Besuch bei einer Hirtenfamilie, ein Blick aufs Klima und eine Packliste. Wenn du einen Gobi Urlaub planst, hilft dir das als Rahmen für die eigene Route.

Gobi Reisebericht
Singender Sand und Berge in der Südgobi. Foto: Alastair Rae, CC BY-SA 2.0, via Flickr

Dalanzadgad als Startpunkt der Gobi Reise

Die Gobi beginnt nicht mit Sand, sondern mit Staub, Geröll und sehr viel Himmel.

Dalanzadgad ist die Stadt, von der aus die meisten Touren in den Süden aufbrechen. Ich nutzte den Tag dort für Vorräte: Trinkwasser in großen Kanistern, Obst, Brot und Instantnudeln für die Abende. Leitungswasser ist in der Mongolei nicht trinkbar, das gilt auch hier, und im Geländewagen sollte immer mehr Wasser liegen, als man für nötig hält. Beim Fahrer klärte ich außerdem die Reihenfolge der Stationen ab, denn die Pisten verlaufen selten geradeaus und die Zeiten hängen vom Wetter ab.

Nach der Stadt wurde die Straße schnell zur Spur, dann zu mehreren parallelen Spuren, zwischen denen der Fahrer nach Gefühl wählte. Orientierung bekam ich keine, weder Schilder noch Zäune, nur Hügelketten am Horizont. Das Handynetz reicht laut Reiseführern nur punktuell, Ortschaften sind abgedeckt, die Zwischenräume nicht. Ich lud also vorab Offline-Karten und notierte mir die Namen der Camps.

Übernachtet habe ich in Ger-Camps, einfachen Rundzelten mit Ofen und Betten. Strom ist in den Camps laut Reisehandbüchern knapp. Mein Fehler am ersten Abend: Ich ließ die Kamera leer laufen und fand danach keine Steckdose. Eine Powerbank ersetzt in der Gobi viel Komfort.

Yolyn Am und das Eis im Hochsommer

In einer Schlucht, umgeben von Wüste, liegt Eis, das dem Sommer lange trotzt.

Yolyn Am gehört zum Nationalpark Gurvan Saikhan und ist eine enge Schlucht, die sich zwischen steilen Felswänden in die Berge schneidet. Laut Reisehandbüchern kann dort bis in den Juli Eis liegen, obwohl es draußen auf der Ebene rund 35 Grad herrschen. Ich kam im Frühsommer an, dort stand ich an einigen Stellen tatsächlich auf einer dicken, grauen Eisschicht, während ein paar Meter weiter die Sonne brannte.

Vom Parkplatz geht ein flacher Weg in die Schlucht, den ich in gemütlichem Tempo in rund einer Stunde hin und zurück schaffte. Eingeplant hatte ich mehr, doch der Pfad ist kurz, wenn man nicht weiter hinten klettert. Festes Schuhwerk braucht man trotzdem, weil Steine und Eisflächen rutschen.

Tiere zeigten sich mir nur flüchtig. Im Nationalpark sollen auch Schneeleoparden leben, doch die sieht nur, wer mit einem Naturführer und viel Geduld unterwegs ist. Ich sah Vögel über den Wänden kreisen und war damit zufrieden.

Bayanzag und die Klippen der Dinosaurier

Hier fand 1923 eine Expedition die ersten Dinosauriereier der Welt, und wer im roten Sandstein steht, sieht, warum.

Bayanzag, im Englischen Flaming Cliffs genannt, liegt in einer flachen Senke, in der rötlicher Sandstein wie eine Mauer aufragt. Die Klippen leuchten vor allem bei tiefem Sonnenstand, deshalb fuhren wir am späten Nachmittag hin. Hier wurden 1923 die ersten fossilen Dinosauriereier entdeckt, und noch immer graben Paläontologen in der Umgebung. Fossilien mitzunehmen ist gesetzlich verboten, und ich ließ sogar kleine Knochenstücke liegen, die offen im Sand lagen.

Ein Museumsgelände gibt es nicht, nur ein paar Verkaufsstände und Hirten, die ihre Ziegen durch die Gegend treiben. Das hat mir gefallen, denn ich konnte frei an der Kante entlanggehen und die Schichten ansehen, ohne in einer Schlange zu stehen. Windgeschützte Ecken sind rar, weshalb ich meine Jacke anließ, auch als die Sonne noch warm war.

Für Fossilien als solche gibt es andernorts bessere Ausstellungen. Ich nahm vor Ort eher die Landschaft mit: lange Schatten, Staub in der Luft, und Stille, die nur der Wind unterbrach. In den Sommermonaten kann es hier Sandstürme geben, deshalb packte ich Kamera und Handy in verschlossene Beutel.

Khongoryn Els und die singenden Dünen

Der Dünenkamm ist rund 180 Kilometer lang, bis zu 300 Meter hoch und macht Geräusche, wenn der Sand ins Rutschen kommt.

Die Mongolen nennen die Dünen Duut Mankhan, singender Sand. Reisehandbüchern zufolge dauert die Fahrt von Dalanzadgad mit einem Geländewagen etwa zwei Tage, bei mir kam noch eine Übernachtung in einem Camp am Rand der Dünen dazu. Als ich ankam, wirkte der Kamm zuerst klein, weil nichts daneben stand, das ihm einen Maßstab gibt. Erst beim Aufstieg merkte ich, wie weit er reicht.

Der Weg auf die höchsten Dünen kostet Kraft. Bei jedem Schritt rutscht der Sand zurück, und ich brauchte für die letzten Meter länger als für den ganzen Rest davor. Oben fegte der Wind über den Kamm, und das Geräusch, das der Sand dabei machte, erinnerte mich an ein fernes, tiefes Brummen.

Am Fuß der Dünen liegt ein grüner Streifen mit Wasser und Weiden, wo Kamele und Ziegen grasen. Die Kamele gehören Hirten, es sind also keine wilden Tiere. Wilde Trampeltiere, Schneeleoparden und Gobi-Bären gelten als sehr selten und lassen sich nur mit erfahrenen Führern und langen Beobachtungstagen aufspüren. Ich ritt am Abend eine Stunde auf einem Hauskamel und war froh über meinen Schal gegen den Staub.

Nomadenfamilien und die Sitten im Ger

Ein Besuch bei Hirten gehört zur Gobi, und er verläuft nach Regeln, die man vorher kennen sollte.

Viele Familien in der Gobi leben vom Hüten von Ziegen, Schafen, Kamelen und Pferden. Kaschmir spielt dabei eine große Rolle: Die Mongolei liefert etwa 40 Prozent der weltweit gewonnenen Rohwolle, und im Frühjahr, im April und Mai, wird das Fell der Ziegen ausgekämmt. Manche Familien nehmen Gäste auf und zeigen die Arbeit. Ich wurde bei einer solchen Familie zum Tee eingeladen, vermittelt von meinem Fahrer.

Im Ger gelten Anstandsregeln, die für mich neu waren. Gegenstände nimmt man mit der rechten Hand an, die Handfläche zeigt nach oben. Auf die Schwelle tritt man nicht, an den tragenden Stützen lehnt man sich nicht an, und im Zelt wird nicht gepfiffen. Mit dem Zeigefinger auf etwas zu deuten gilt als unhöflich, ins Feuer wirft man nichts, weil es als heilig gilt. Angebotenes lehnt man nicht ab, ein kleiner Bissen oder ein Schluck reicht.

Zuerst gab es Milchtee und getrocknete Snacks, später Airag, vergorene Stutenmilch. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, sauer und leicht prickelnd, und ich trank vorsichtig. Als Dank brachte ich Süßigkeiten für die Kinder und Tee mit, Trinkgeld im engeren Sinn wird bei Familien nicht erwartet. Nur Reiseführer und Fahrer freuen sich meist über einen Zuschlag am Ende der Tour.

Klima und Reisezeit für die Gobi Reise

Die Saison ist kurz, und wer im falschen Monat fährt, bekommt entweder Gluthitze oder zugefrorene Pisten.

Befahrbar und angenehm genug ist die Gobi ungefähr von Mitte Mai bis Ende September. Juni und September gelten als beste Monate, weil die Temperaturen angenehm bleiben und die Landschaft nach dem Regen etwas Grün zeigt. Die Hochsommermonate Juli und August bringen starke Hitze, dazu gelegentlich Sandstürme. Ich war im Frühsommer unterwegs und erlebte Mittagstemperaturen, bei denen ich im Schatten des Jeeps Pause machte.

Im Winter liegen die Werte um minus 25 Grad, und einzelne Pisten sind dann unpassierbar. Dünen im Schnee wären ein Sonderwunsch, den man mit dem Veranstalter lange vorher durchsprechen müsste. Auch im Sommer kann es nachts kalt werden, denn Wüstenluft speichert die Wärme schlecht. Ein Unterschied von 35 Grad zwischen Tag und Nacht ist laut Quellen möglich, ich selbst bin in einer Nacht mit dem Schlafsack und zwei Pullovern aufgewacht.

Zu den Fehlern, die ich anderen ersparen möchte: Ich hatte keine Mütze mitgenommen, und im Ger-Camp war es morgens überraschend kühl. Dazu kamen Sonne und trockene Luft, die meine Lippen aufplatzen ließen. Sonnencreme, Lippenpflege und ein Tuch gegen Staub gehören in jede Tasche.

Kleidung und Packliste für die Wüste

Die Gobi fordert Schichten, Staubschutz und einen Plan für leere Akkus.

Mein Gepäck passte in einen weichen Seesack, denn harte Koffer sind im Geländewagen sperrig. Dazu kam ein kleiner Tagesrucksack für Wasser, Kamera und Jacke. Am Ende war ich froh über jede Schicht, die ich dabeihatte, weil die Temperaturen zwischen Morgen und Mittag so stark wechseln. Das folgende Mindestpaket hat sich für mich bewährt:

  • Zwiebelsystem aus Funktionsshirt, Fleece und winddichter Jacke
  • Mütze, Sonnenhut, Sonnenbrille und Schal gegen Staub
  • Feste Schuhe mit gutem Profil für Sand und Geröll
  • Schlafsack für kalte Nächte im Camp, falls nicht gestellt
  • Powerbank, Stirnlampe und Ersatzakkus
  • Feuchttücher, Sonnencreme, Lippenpflege
  • Wasserflaschen, Tabletten zur Wasseraufbereitung und Reiseapotheke

Die Kamera schützte ich mit einem Beutel und wechselte Objektive nur im Fahrzeug, weil feiner Staub überall hineinkommt. Bargeld in Tögrög hatte ich in kleinen Scheinen dabei, denn in den Camps zahlt man meist bar, und Automaten sind außerhalb der Städte nicht selbstverständlich. Dazu gehörte ein Reisepass im wasserdichten Beutel.

Häufige Fragen zur Gobi Reise

Wann ist die beste Reisezeit für die Gobi?
Als beste Monate gelten Juni und September. Sie liegen innerhalb der Saison zwischen Mitte Mai und Ende September, während Juli und August Hitze und Sandstürme mitbringen.
Wie viele Tage brauche ich für die Südgobi?
Als Untergrenze nennen Reiseführer sechs Tage. Für abgelegene Orte wie das Nemegt-Becken solltest du neun bis zehn Tage einplanen und mit mehreren Stunden Fahrt rechnen.
Ist die Gobi eine reine Sandwüste?
Nein, Sand macht in der mongolischen Gobi nur etwa 3 bis 5 Prozent der Fläche aus. Der Rest besteht überwiegend aus Fels, Geröll und steinigem Steppenland.
Kann ich in der Gobi das Wasser aus der Leitung trinken?
Nein, Leitungswasser gilt in der Mongolei als nicht trinkbar. Kaufe Wasser in großen Kanistern oder Flaschen und nimm im Fahrzeug immer einen Vorrat mit.
Gibt es in der Gobi Handyempfang?
Nur punktuell. Ortschaften sind laut Reiseführern abgedeckt, auf den Strecken dazwischen und in Camps meist nicht. Offline-Karten und ein Fahrer mit Ortskenntnis sind deshalb wichtiger als ein Datentarif.