Acht Tage lang war ich auf meiner Ohridsee Reise zwischen Uferkirchen, Fischsuppe und einem Kloster nahe der albanischen Grenze unterwegs, und hier steht, was sich davon wirklich gelohnt hat.
Der Ohridsee misst rund 358 Quadratkilometer, an der tiefsten Stelle sind es 288 Meter. Er zählt zu den ältesten Seen der Welt, die ältesten Sedimente stammen aus dem Pliozän, also aus einer Zeit vor drei bis fünf Millionen Jahren. Mehr als 200 Arten leben nur dort und sonst nirgends. Das Gewässer liegt mitten im Grenzgebirge zwischen Nordmazedonien und Albanien, ich habe mich auf die mazedonische Seite beschränkt.
Die Stadt Ohrid am Nordostufer zählte bei der Volkszählung 2021 rund 38.800 Einwohner. Die Altstadt steht samt See seit 1979 und 1980 auf der UNESCO-Liste, die albanische Uferseite kam 2019 hinzu. Wegen der vielen Kirchen heißt der Ort im Land das Jerusalem des Balkans. Die Zahl von 365 Kapellen, eine für jeden Tag des Jahres, gehört allerdings in den Bereich der Legende.
Mein Plan für den Ohridsee Urlaub war schlicht: Ankunft aus Skopje, vier Nächte in der Altstadt, ein Tagesausflug zum Kloster Sveti Naum, dazwischen Baden, Essen und Herumlaufen. Wie die Ohridsee Reise ablief, wo ich Geld gelassen habe und was ich anders machen würde, steht auf den folgenden Abschnitten.

Anreise nach Ohrid für die Ohridsee Reise
Eine Bahn gibt es nicht, also bleiben Flugzeug, Bus und Auto, und die Wahl entscheidet über den ersten Tag.
Mein Weg führte über Skopje. Von dort fahren Busse nach Ohrid in rund dreieinhalb Stunden, laut Wikivoyage ungefähr stündlich und ab etwa 830 Denar pro Strecke. Im Sommer sichert man sich den Platz am besten ein bis zwei Tage vorher. Mir hat das im Mai nicht gedroht, die Sitze waren halb leer, und ich saß mit dem Rucksack am Fenster.
Der Flughafen von Ohrid wird vor allem von Wizz Air angeflogen, unter anderem aus Basel, Dortmund, London-Luton und Wien. Einzelne Verbindungen laufen nur saisonal, deshalb sollte man den Flugplan für den eigenen Reisemonat prüfen. Aus Albanien kommend, fährt man über Struga, das etwa 16 Kilometer entfernt liegt, oder nimmt im Sommer das Boot von Pogradec, das nach den Angaben der Reisehandbücher um 10 Uhr morgens ablegt.
Die Altstadt ist klein genug, sie lässt sich größtenteils zu Fuß erkunden. Gebucht hatte ich ein Privatzimmer nahe dem Hafen, solche Unterkünfte kosten laut Wikivoyage ab etwa 10 bis 15 Euro die Nacht, die Preise ändern sich aber, vorab vergleichen lohnt. Vom Busbahnhof in die Stadt zahlte ich für das Taxi grob 100 Denar, nachdem ich den Preis vorher ausgehandelt hatte. Das ist der Rat, den ich jedem geben würde: erst verhandeln, dann einsteigen.
Altstadt, Samuelsfestung und die Kirche von Kaneo
Ein Rundgang von der Festung hinunter zum Wasser dauert nur wenige Stunden, aber ich habe dafür zwei Tage gebraucht.
Die Samuelsfestung thront über der Stadt. Sie stammt aus dem 10. Jahrhundert, Ausgrabungen deuten darauf hin, dass an dieser Stelle schon im 4. Jahrhundert vor Christus eine Befestigung stand. Der Eintritt war mit rund 30 Denar kaum der Rede wert. Oben sieht man die Dächer der Altstadt, den See und an Morgen ohne Dunst die Berge am anderen Ufer. Kurz nach der Öffnung stand ich oben und hatte die Zinnen fast für mich.
Vom Plaošnik, einer Ausgrabungsstätte mit der restaurierten Kirche der Heiligen Klemens und Pantaleon, geht es weiter. Hier soll Klemens von Ohrid im Jahr 886 eine Literaturschule gegründet haben, ein Ort mit Bedeutung für die kyrillische Schrift. Die Kathedrale Sveti Sofija mit ihren Fresken aus dem 11. Jahrhundert kostete 100 Denar, das Geld war gut angelegt. Beim Betreten sollte man die Schultern bedecken, ich hatte ein Tuch dabei.
Am Ende steht die Kirche Sveti Jovan Kaneo aus dem 14. Jahrhundert auf einer Klippe über dem Wasser. Sie ist wohl das meistfotografierte Gebäude der Stadt. Zweimal stand ich dort, einmal mittags mit Reisegruppen im Nacken, einmal am frühen Abend. Der zweite Besuch war entspannter, das Licht fiel weich auf die roten Ziegel. Das antike Theater aus hellenistischer Zeit, etwa 200 vor Christus, lässt sich ebenfalls besichtigen und wird im Sommer für Konzerte genutzt.
Sveti Naum und die Bay of Bones
Das Kloster liegt rund 30 Kilometer südlich und ist der Ausflug, bei dem mir der See am größten vorkam.
Gegründet wurde die Anlage im Jahr 905 von Naum von Ohrid, der in der Kirche beigesetzt ist. Das Kloster liegt im Gemeindegebiet von Ljubaništa, und die Grenze zu Albanien ist nur einen Steinwurf entfernt. Zwischen 1912 und 1925 gehörte das Gebiet sogar zu Albanien. Überrascht hat mich, wie ruhig es dort wirkte, obwohl sich Busgruppen abwechselten.
Die Überfahrt begann am Pier der Altstadt. Das Boot fährt täglich um 10 Uhr ab und kommt laut Reisehandbuch um 15.30 Uhr von Sveti Naum zurück, der Hin und Rückpreis liegt bei etwa 600 Denar, also knapp zehn Euro. Fahrpläne verschieben sich, ein kurzer Blick am Kai am Vortag spart Ärger. Die Alternativen sind Bus, Mietwagen und Taxi, auf dem Hinweg nahm ich das Boot, zurück ging es mit dem Bus zurückgefahren.
Unterwegs hielt ich an der Bay of Bones, einem nachgebauten Pfahlbaudorf aus der Jungsteinzeit, das 2008 eröffnet wurde. Es steht auf dem Wasser, dazu gehören ein kleines Museum und eine Tauchbasis. Als Ausgrabung darf man es sich nicht vorstellen, es ist eine Rekonstruktion. Mir hat gerade das gefallen, weil man ein Gefühl für die Bauweise bekam, ohne Absperrbänder zu sehen.
Essen und Trinken am See
Auf dem Teller landet hier meist Fisch, doch ausgerechnet die berühmteste Sorte habe ich liegen lassen.
Gemeint ist die Ohrid-Forelle. Wikivoyage weist darauf hin, dass der Fang am mazedonischen Ufer verboten und der Fisch gefährdet ist, und auch die Wikipedia verzeichnet einen starken Rückgang der Fangmengen, vermutlich durch Überfischung. Stattdessen bestellte ich andere Fischgerichte, die Kellner nannten mir die Herkunft ohne Zögern. Fragen kostet nichts, und die Antwort sagt viel über das Lokal.
Gut geschmeckt haben mir Fischsuppe, die als ribna čorba auf der Karte steht, außerdem Burek am Morgen und Makalo, ein Brotaufstrich mit Knoblauch und Joghurt. Dazu kommen gjomleze, gebackene Pfannkuchen, und der Ohridski Gevrek, ein Gebäck, das ich mir mehrmals bei der Bäckerei in der Altstadt geholt habe. Die Portionen waren üppig, ich habe zu zweit manchmal nur eine Vorspeise geteilt.
Beim Abendessen in der Altstadt zahlt man für die Lage am Wasser mehr als in den Seitengassen. Ich bin darum gern ein paar Straßen weiter gegangen, dort saßen eher Einheimische. Zum Trinken gab es mazedonischen Wein und einheimischen Rakija, den ich in kleinen Mengen probierte. Ein Glas reichte, mehr vertrug ich nicht.
Interessante Fakten zum Ohridsee
Unter der Wasseroberfläche liegt ein Archiv der Erdgeschichte, und die Stadt darüber hat ihre eigene Schreibtradition.
Etwa ein Drittel der 21 heimischen Fischarten und fast 80 Prozent der 72 Weichtierarten sind endemisch. Die Forschung nutzt den See deshalb gern als Beispiel dafür, wie sich Arten in einem alten, tiefen Gewässer getrennt entwickeln. Für mich als Besucher blieb das Wissen abstrakt, bis ich beim Schnorcheln am Ufer die Steine voller kleiner Schnecken sah.
Ohrid selbst wurde in der Antike Lychnidos genannt. Der heutige Name taucht erstmals im Jahr 879 auf, ab 1395 stand die Stadt unter osmanischer Herrschaft, bis 1912 serbische Truppen kamen. Die Stadt liegt auf rund 695 Metern Höhe, und das merkt man am Wetter. Die Sommer sind trocken, im Hochsommer fallen weniger als 40 Millimeter Regen, im Jahresschnitt sind es etwa 662 Millimeter, am nassesten ist der November.
Im Sommer läuft das Ohrider Sommerfestival mit Theater und Musik, von Juli bis August. In der zweiten Julihälfte gibt es außerdem einen Schwimmmarathon über 30 Kilometer, der am Kloster Sveti Naum beginnt und am Stadthafen endet. Im Mai war ich da, also weder bei Festival noch Marathon, und fand die Stadt zu dieser Zeit angenehm leer.
Preise, Perlen und Feilschen
Geldprobleme gab es keine, nur zwei Stellen, an denen ich später genauer hinsehe.
Eintritte für Kirchen und Stätten liegen laut Reisehandbuch meist zwischen 30 und 100 Denar. Ausländische Besucher zahlen häufig etwa den doppelten Tarif der Einheimischen, daran habe ich mich schnell gewöhnt, es sind ohnehin kleine Beträge. Ein Stadtbus kostete rund 40 Denar. Für viele Besichtigungen sollte man reichlich Bargeld in Denar dabeihaben, in manchen kleinen Läden und Kiosken ging es nur bar.
Die berühmten Ohrider Perlen werden an jeder Ecke angeboten. Es handelt sich um Imitate aus Muschelperlen mit einem Überzug aus Fischschuppen, einen Edelsteinwert haben sie nicht. Manche Stücke am Straßenstand sind außerdem unfertig, obwohl sie als handgemacht beworben werden. In einer Werkstatt kaufte ich ein Armband, dessen Herstellung mir der Besitzer vorführte, und den Preis nur leicht heruntergehandelt.
Bei Taxis ist die Lage ähnlich: Mehrere Fahrer versuchen bei Touristen einen Aufschlag. Jede Fahrt handelte ich vor dem Einsteigen aus, und mit dem Satz „Wie viel bis zum Hafen?“ kam ich überall weiter. Auf Handeln im Markt sollte man freundlich bleiben, laut zu werden bringt nichts.
Verhaltensregeln am Ohridsee
Ein paar Gewohnheiten aus meinem Rucksack haben am See nicht gepasst, und ich habe sie rasch abgelegt.
In den Kirchen gilt die übliche Zurückhaltung: Schultern bedecken, Stimme senken, Gespräche vor dem Altarraum vermeiden. Beim Fotografieren in Sveti Sofija und anderen Innenräumen achtete ich auf Schilder und fragte im Zweifel die Aufsicht. Regeln dazu ändern sich, und eine pauschale Antwort habe ich nicht gefunden, deshalb gilt vor Ort das, was ausgeschildert ist.
Zum Thema Fisch habe ich es schon erwähnt: Die Ohrid-Forelle sollte man nicht bestellen. Ebenso gehört es zur Höflichkeit, am Ufer keinen Müll zu lassen, gerade an den kleinen Badestellen wie Labino, das laut Reisehandbuch morgens am besten ist, oder Ljubaništa, das sich eher am Abend nach 18 Uhr anbietet. Nimm deine Flasche wieder mit, die Mülleimer sind rar.
Im Umgang mit Einheimischen kam ich mit ein paar Worten Landessprache weit. Ein freundliches „Dobar den“ zur Begrüßung öffnete mir Türen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Taxifahrer, Wirte und Verkäufer wurden spürbar zugänglicher, als ich nicht gleich auf Englisch begann. Wie weit die Offenheit reicht, hängt natürlich vom Gegenüber ab, doch den Versuch schätzten fast alle.






