Meine Sucre Reise führte mich in eine Stadt auf 2.800 Metern Höhe, in der weiß getünchte Kolonialhäuser, ein Hügelviertel mit Aussicht und eine Wand voller Dinosaurierspuren nur wenige Taximinuten auseinanderliegen.
Sucre ist die verfassungsmäßige Hauptstadt Boliviens, auch wenn die Regierung seit 1898 in La Paz sitzt. Nur der Oberste Gerichtshof blieb hier. Die Stadt wurde 1538 gegründet, zählt laut Quellen rund 225.000 bis 300.000 Einwohner und liegt auf etwa 2.810 Metern. Das ist hoch genug, dass ich am ersten Abend auf der Treppe zu meinem Zimmer zweimal stehen blieb.
Für das Land ist das Klima mild, zumindest tagsüber. Ich war in der Trockenzeit unterwegs, in der es mittags um 21 bis 23 Grad warm wird und nachts auf 5 bis 7 Grad fällt. Eine dünne Daunenjacke gehört deshalb in den Rucksack, auch wenn die Sonne am Tag brennt.
Insgesamt blieb ich fünf Tage. Das reicht für Altstadt, Recoleta, die Dinosaurierwand und einen Sonntagsausflug nach Tarabuco, ohne zu hetzen. Wie ich die Tage gefüllt habe und was ich beim nächsten Mal anders machen würde, steht in den folgenden Abschnitten. Wenn du einen Sucre Urlaub planst, findest du hier auch Hinweise zu Essen, Markt und Fotografieren.

Sucre Reise ab Busbahnhof und Plaza 25 de Mayo
Der Hauptplatz ist der Punkt, an dem sich die Stadt am schnellsten ordnet.
Ich bin mit dem Nachtbus aus La Paz gekommen. Laut Reiseportalen dauert die Fahrt acht bis zwölf Stunden und kostet etwa 80 bis 200 Bolivianos, bei mir war es eher das obere Ende der Zeitspanne. Von Potosí aus sind es dagegen nur zwei bis drei Stunden, und die Straße ist asphaltiert. Für Flüge gilt: Du landest am Flughafen außerhalb der Stadt. Die Angaben zur Entfernung schwanken zwischen 10 und 45 Kilometern, ein Sammelshuttle oder Taxi gehört in jedem Fall dazu.
Vom Busterminal am Stadtrand fuhr ich mit dem Taxi ins Zentrum. Dort liegt der Hauptplatz, flankiert von der Kathedrale und den Gebäuden der Stadtverwaltung. Auf den Bänken sitzen Schuhputzer und Rentner, am späten Nachmittag füllt sich der Platz mit Schülern in Uniform. Ich setzte mich erst einmal auf eine Bank, bevor ich irgendetwas besichtigte, denn die Höhe schlägt in den ersten Stunden spürbar aufs Tempo.
Am ersten Tag nahm ich mir wenig vor: Mate de Coca trinken, viel Wasser, früh schlafen. Steigst du am Ankunftstag gleich zur Recoleta hinauf, sitzt dir abends meist das Kopfweh im Nacken. Die Altstadt ist kompakt, fast alles erreichst du zu Fuß, nur für die Dinosaurierwand und Tarabuco brauchst du ein Fahrzeug.
Von der Casa de la Libertad zur Recoleta
Die Geschichte des Landes lässt sich hier in wenigen Straßenzügen abgehen.
Hier wurde 1825 die Unabhängigkeit Boliviens unterzeichnet, heute ist das Haus ein Museum mit Originaldokumenten und Räumen aus verschiedenen Epochen. Eintrittspreise und Öffnungszeiten ändern sich, deshalb habe ich sie am Vortag am Eingang erfragt. Eine Stunde reicht für den Rundgang, mit Führung eher mehr.
Die Kathedrale daneben wurde ab 1571 gebaut und brauchte laut Wikivoyage etwa hundert Jahre bis zur Fertigstellung. Man sieht ihr diese lange Bauzeit an, Barock und Kolonialaltäre gehen ineinander über. Nur wenige Gehminuten entfernt steht die Iglesia de San Lázaro von 1544, sie gilt als älteste Kirche der Stadt. Ich fand sie ruhiger als alles am Hauptplatz.
Am dritten Morgen stieg ich in die Recoleta hinauf, ein bewaldetes Hügelviertel mit Cafés. Der Anstieg ist kurz, aber auf dieser Höhe spürt man jede Stufe. Oben liegt der Mirador mit einem der besten Ausblicke über die Dächer der Stadt, darunter das ehemalige Kloster mit kleinem Museum. Nachmittags im Licht wirken die weißen Fassaden fast blendend, eine Sonnenbrille und Sonnencreme sind hier kein Luxus.
Cal Orck’o und die Dinosaurierspuren
Eine Kalksteinwand, die mehr als 1,5 Kilometer lang ist, trägt Abdrücke, die rund 68 Millionen Jahre alt sind.
Bergleute stießen 1985 auf die Wand, die Bedeutung der Fundstelle wurde aber erst in den späten Neunzigern erkannt. Laut G Adventures sind es über 5.000 Fußabdrücke von acht Dinosaurierarten, zu den einzelnen Spurenbahnen nennen die Quellen zwischen 400 und 462. Eine der Bahnen misst 366 Meter, die Fährte eines einzelnen Tieres, das hier einst über schlammigen Boden lief. Ich stand davor und rechnete im Kopf lange herum.
Zum Parque Cretácico fährst du nur wenige Kilometer aus der Stadt hinaus. Der Park wurde 2006 eröffnet und hat 24 Dinosaurier-Repliken sowie eine Aussichtsplattform. Von 2008 bis 2016 war er für Touristen geschlossen. Heute läuft der Besuch über Führungen, die dich nah an die Wand heranführen.
Mein Rat: Nimm, falls vorhanden, ein Fernglas mit. Ohne die Erklärungen der Guides hätte ich in der Wand vermutlich nur Dellen gesehen. Rechne mit einem halben Tag samt Hin und Rückfahrt.
Salteñas, Schokolade und der Mercado Central
Gegessen wird in Sucre früh, günstig und im Stehen.
Salteñas, gefüllte Teigtaschen mit Fleisch oder vegetarischer Füllung, bekommst du morgens am Mercado Central. Die Brühe darin ist heiß und läuft schnell über die Finger. Ich habe die erste Teigtasche falsch gehalten und mein Hemd ruiniert, beim zweiten Versuch drehte ich sie leicht schräg und biss die Spitze zuerst an.
Der Markt liegt nur wenige Blocks vom Hauptplatz entfernt. Im Erdgeschoss gibt es Säfte und Obstsalate für umgerechnet rund einen US-Dollar, im Obergeschoss ein einfaches Comedor mit Frühstück, Mittag und Abendessen. Magst du größere Märkte, geh zum Mercado Campesino nahe dem Stadion, der sich über etwa zehn Straßenblöcke zieht.
Schokolade ist das zweite Thema. Die Fußgängerzone Peatonal Junín ist laut Wikivoyage für ihre Schokoladenspezialitäten bekannt. Ich kaufte dort Pralinen für die Rückreise gekauft und merkte erst im Hostel, wie schnell sie in der Mittagssonne weich werden. Gut verpackt und im Rucksack nach unten hielten sie die Fahrt bis La Paz durch.
Tarabuco und das Feilschen auf dem Sonntagsmarkt
Jeden Sonntag verwandelt sich ein Dorf rund 65 Kilometer südöstlich von Sucre in einen Markt.
Die Fahrt dauert nach unterschiedlichen Angaben ein bis zwei Stunden. Ich nahm einen Minibus, der von einer Kreuzung am Stadtrand abfuhr, sobald er voll war. Ein Blogbeitrag von 2017 nennt dafür zehn Bolivianos, heute dürfte es mehr sein, frage vorher nach. Sitzt du um neun Uhr noch nicht im Bus, verpasst du die beste Zeit, denn ab etwa 14 Uhr lässt der Markt spürbar nach.
Verkauft werden Webwaren, Mützen, Gürtel und Lebensmittel. Feilschen ist üblich, aber ich habe es zurückhaltend gehalten. Ein geknüpfter Gürtel kostet in der Herstellung Tage, und drückst du den Preis um die Hälfte, nimmst du dem Verkäufer den Lohn. Ich nannte meist einen Betrag, der etwas unter dem ersten Angebot lag, und lächelte, wenn wir uns trafen.
Bring Kleingeld mit, große Scheine lassen sich am Stand meist nicht wechseln. Trag die Tasche mit dem Reißverschluss nach vorn, denn Wikivoyage warnt für Markt und Busbahnhof vor Taschendieben. Zurück ging es mit einem Sammeltaxi vom Hauptplatz, die Fahrt war kurz und billig.
Fotografieren und Filmen in der weißen Stadt
Die Fassaden sind dankbar, die Menschen davor nicht immer.
Das Licht auf dieser Höhe ist hart. Zwischen 11 und 15 Uhr werfen die Mauern harte Schatten, am Morgen und ab etwa 16 Uhr wird es weicher. Die Recoleta hob ich mir deshalb für den späten Nachmittag auf. Der Mirador füllt sich dann allerdings, weil auch andere Gäste das Licht kennen.
Auf dem Markt in Tarabuco tragen viele Frauen und Männer ihre Tracht, weil sie dazu gehört, nicht als Kulisse für Touristen. Ich fragte jedes Mal vorher, zeigte auf die Kamera und wartete auf ein Nicken. Sagt jemand Nein, hat er meist seine Gründe, und die diskutiere ich nicht aus.
In Kirchen und Museen gelten eigene Regeln. In manchen Räumen ist Fotografieren verboten oder kostet extra, das steht dann am Eingang. An der Dinosaurierwand lohnt sich ein Teleobjektiv, weil du der Wand nicht ganz nahe kommst. Drohnen habe ich nirgends gesehen und nicht ausprobiert, die Regeln ändern sich, frag vorab nach.
Verhaltensregeln in Sucre
Mit Höflichkeit und etwas Geduld kommst du in dieser Stadt weiter als mit Eile.
Grüße zuerst, bevor du fragst. Ein „Buen día“ im Laden, im Taxi oder am Marktstand öffnet Türen, auch wenn dein Spanisch nur für ein paar Sätze reicht. Ich grüßte in jedem Café zuerst und wurde fast immer freundlicher bedient als Gäste, die nur mit dem Finger auf die Karte zeigten.
Beim Nachfragen nach dem Weg lohnt sich Vorsicht. Wikivoyage weist darauf hin, dass Einheimische lieber irgendeine Antwort geben, als zuzugeben, dass sie es nicht wissen. Deshalb fragte ich zwei oder drei Passanten und die Antworten verglichen. Nachts nimmst du besser ein registriertes Taxi, im Zentrum gilt die Stadt als relativ sicher, aber Kleinkriminalität kommt vor.
Demonstrationen finden gelegentlich statt, und Straßenblockaden auf den Zufahrten sind möglich. Meide solche Versammlungen, plane Fahrten mit Puffer und erkundige dich in deiner Unterkunft, ob Busse fahren. Dann reist du entspannter.








