Meine Moldau Reise führte mich in ein kleines Land zwischen Rumänien und der Ukraine, in dem Wein unter der Erde lagert, Klöster in Felswänden stecken und Gastgeber den Tisch immer zu voll decken.
Moldau hat rund 2,6 Millionen Einwohner und keinen Zugang zum Meer. Der tiefste Punkt ist der Dnister mit 2 Metern über dem Meeresspiegel, der höchste der Hügel Bălănești mit 430 Metern. Von Gebirge kann also keine Rede sein. Genau das prägt die Landschaft: sanfte Hänge, Rebzeilen bis zum Horizont und Dörfer, die sich in Täler ducken.
Ich war mehrere Tage unterwegs und hatte mir drei Ziele vorgenommen: die Hauptstadt Chișinău, die riesigen Weinkeller vor ihren Toren und das Felskloster Orheiul Vechi im Nordosten. Alles liegt so nah beieinander, dass Tagesausflüge von einem einzigen Quartier aus reichen. Lange Etappen gab es nicht.
Ein Moldau Urlaub gleicht keinem Strandurlaub und keiner Städtetour mit Schlangen vor den Museen. Eher besteht er aus Ausflügen, langen Mittagessen und Abenden bei einem Glas Rotwein. Im Text findest du meine Route, Zahlen aus Reisehandbüchern und ein paar Fehler, die du dir sparen kannst.
Meine Moldau Reise beginnt in Chișinău
Chișinău wirkt auf den ersten Blick grau, doch zwischen Sowjetblöcken stehen Kirchen, Parks und ein Triumphbogen aus der Zarenzeit.
Gelandet bin ich am Flughafen Chișinău (KIV). Laut Wikivoyage fliegen ihn unter anderem Maschinen aus Bukarest, Budapest, Istanbul, München und Wien an, die Preise gelten als eher hoch. Günstiger geht es mit dem Bus: Aus Bukarest fahren täglich fünf bis sechs Verbindungen, die Strecke zieht sich über rund zehn Stunden. Auch ein Nachtzug aus Rumänien verkehrt täglich.
Im Stadtgebiet leben gut 567.000 Menschen, in der gesamten Gemeinde waren es beim Zensus 2024 genau 720.128. Mehr als 74 Prozent der Haushalte wohnen in Bauten aus den Jahren 1951 bis 1990. Das erklärt die langen Reihen der Chruschtschowkas, die du von jeder größeren Straße aus siehst.
Zu Fuß bin ich vom Triumphbogen von 1840 zur Geburtskathedrale gelaufen, die zwischen 1830 und 1836 entstand. Das Denkmal für Stefan den Großen stammt von 1927. Das Museum für Ethnografie und Naturgeschichte im maurischen Stil fällt sofort ins Auge, selbst wenn du nur daran vorbeigehst.
Plane Wetter ein: Im Sommer liegen die Tageshöchstwerte im Schnitt bei etwa 25 Grad, in der Innenstadt kletterte das Thermometer schon auf 35 bis 40 Grad. Im Winter fällt die Temperatur selten unter minus 10 Grad.
Mileștii Mici und Cricova unter der Erde
Vor den Toren der Hauptstadt fuhr ich mit dem eigenen Auto in einen stillgelegten Kalksteinbruch, in dem heute Millionen Flaschen schlafen.
Mileștii Mici war einst ein Steinbruch, bis man ihn Ende der 1960er Jahre aufgab. Heute reihen sich dort laut Reisehandbuch mehr als 200 Kilometer unterirdische Straßen aneinander. Je nach Quelle lagern zwischen anderthalb und fast zwei Millionen Flaschen darin, und das Guinness Buch führt die Sammlung als größte der Welt nach Flaschenzahl.
Eine Führung nimmt rund 60 Minuten in Anspruch. Du fährst im eigenen Auto oder auf dem Rad hinter einem Guide her, vorbei an den wertvollsten Jahrgängen, bis zu einem Verkostungsraum etwa 60 Meter unter der Oberfläche. Unten bleibt es bei 12 bis 14 Grad und 85 bis 95 Prozent Luftfeuchte. Eine Jacke gehört auch im August ins Gepäck.
Cricova liegt nur etwa 15 Minuten von Chișinău entfernt. Der Bestand ist kleiner, doch die Tunnel ziehen sich über rund 120 Kilometer. Beide Keller an einem Tag zu besuchen, habe ich bleiben lassen. Zwei Verkostungen hintereinander, und du darfst nicht mehr ans Steuer.
Frag vorab nach Terminen, Sprachen der Führung und Preisen. Das ändert sich, und ohne Anmeldung stehst du womöglich vor verschlossenem Tor.
Orheiul Vechi und das Dorf Butuceni
Rund 60 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt hängt ein Höhlenkloster über dem Fluss Răut, und der Weg dorthin ist fast so schön wie das Ziel.
Ich bin mit der Marshrutka gefahren. Sie startet am zentralen Busbahnhof, laut Wikivoyage gibt es sechs Verbindungen am Tag, die Fahrt dauert rund eine Stunde. Setz dich auf der Hinfahrt nach rechts, dann hast du den besseren Blick ins Tal. Beachte die Rückfahrt: Der letzte Bus fährt etwa um 16:15 Uhr, im Sommer um 18:20 Uhr. Danach steckst du fest.
Das Kloster entstand in den Kalkfelsen, je nach Quelle im 13. oder 15. Jahrhundert. Vom Parkplatz geht es kurz bergauf. Innen warten eine kleine Kapelle, enge Gänge und neun Steinzellen, in denen Mönche lebten. Es ist dunkel, und Fotos waren bei meinem Besuch nicht erlaubt. Draußen stehen ein Glockenturm und ein großes Steinkreuz mit Aussicht über das Tal.
Auf dem Kamm steht die Kirche der Geburt der Gottesmutter aus dem frühen 20. Jahrhundert, noch heute in Gebrauch. In Butuceni, unten im Dorf, liegt das Besucherzentrum nahe der Brücke. Der Eintritt beträgt laut Reiseführern 15 bis 20 Lei. Ein Museum im Haus Nummer 15 zeigt einen Haushalt des 19. und 20. Jahrhunderts, und die Reste der Tatarenbäder stammen aus dem 14. Jahrhundert.
Im Winter und Frühjahr weht es im Tal kalt und windig. Im Hochsommer gibt es kaum Schatten, also gehören Sonnenschutz und Wasser in den Rucksack.
Essen und Trinken zwischen Mămăligă und Divin
Moldauisches Essen ist sättigend und ehrlich, und fast jedes Gericht passt zu einem Glas Wein.
Die bekannteste Speise ist Mămăligă, ein fester Maisbrei. Er kommt als Beilage zu Eintöpfen und Fleisch auf den Tisch, oder mit Weichkäse, Sauerrahm und Grieben obendrauf. Dazu gehört Zeamă, eine Hühnersuppe mit Fleisch. Sarmale, mit Hackfleisch gefüllte Kohlblätter, kommen vor allem an Feiertagen auf den Tisch.
Plăcinte sind gefüllte Teigtaschen, deren Füllung von Käse über Obst und Gemüse bis zu Walnüssen reicht. Ich habe sie warm an einem Stand probiert und danach kein Mittagessen mehr gebraucht. Brânză, ein Käse aus der Salzlake, steht als regionale Spezialität auf vielen Karten.
In Butuceni kochte ein Resort auf offenem Feuer. Ich nahm Plăcinte, einen Kuchen namens Baba Neagră, den Hauswein und hausgemachten Fruchtsaft zum Nachtisch. Der Wein gilt laut Wikivoyage als hervorragend und im Vergleich zu anderen Ländern günstig. Divin, der heimische Weinbrand, macht den Abend lang.
Beim Wasser bleibe ich vorsichtig: Leitungswasser kann laut Reisehinweisen durch Chemikalien aus der Landwirtschaft belastet sein. Kaufe Flaschenwasser für Trinken und Zähneputzen.
Interessante Fakten zu Wein und Land
Moldau ist klein, aber beim Wein spielt das Land eine Rolle, die zu seiner Größe nicht passen will.
Auf 148.500 Hektar wachsen Reben. Davon dienen 107.800 Hektar der gewerblichen Produktion, die übrigen 40.700 Hektar sind Dorfgärten für den Wein der Familie. Im Jahr 2022 gingen 60 Prozent der Weinproduktion in die EU, insgesamt erreichte er 75 Länder.
Zu den Rebsorten gehören die roten Fetească Neagră und Rară Neagră sowie die weiße Fetească Albă. Rară Neagră begründete im 18. Jahrhundert den Ruf von Purcari, einer der ältesten Kellereien des Landes, und wächst noch heute auf rund 170 Hektar, die meisten davon rund um Purcari. Im bekannten Negru de Purcari steckt sie als Verschnittpartner.
Schmerzhaft war das Jahr 2006. Nach einem diplomatischen Streit verhängte Russland ein Embargo gegen moldauische und georgische Weine. Russland hatte damals 80 Prozent der Exporte abgenommen, und das Verbot dauerte zwei Jahre.
Jeden Oktober feiert Chișinău ein Weinfest. Zum Nationalen Weintag rechneten die Veranstalter bei der 22. Ausgabe mit mehr als 100.000 Besuchern. Im Herbst triffst du also auf ein Land in Feierlaune, und Quartiere sind dann vermutlich knapper.
Geld, Trinkgeld und Verkehrsmittel
Moldau ist günstig, doch ohne kleine Scheine und etwas Planung kommst du schnell ins Stocken.
Die Währung ist der Moldauische Leu. Im Januar 2023 entsprach ein Euro etwa 20 Lei. Der Kurs ändert sich, also prüfe ihn vor der Abreise. In Chișinău kostet die Marshrutka 3 Lei, der Oberleitungsbus 6 Lei. Bezahlt wird beim Einsteigen, am besten passend.
Die privaten Minibusse sind das schnellste Verkehrsmittel auf lokalen Strecken. Für Überlandfahrten gibt es Busse: Nach Odessa dauert es etwa fünf Stunden bei rund 90 Lei, es fahren bis zu 20 Busse am Tag. Nach Bukarest sind es rund zehn Stunden.
Trinkgeld ist in Moldau nicht üblich. Ich habe in Restaurants trotzdem aufgerundet, und niemand schaute irritiert. Mehr als ein paar Lei erwartet keiner.
Mein Fehler: Ich hatte am ersten Tag nur große Scheine dabei. Das Wechselgeld im Minibus war ein Drama. Hebe am Automaten besser gleich kleinere Beträge ab oder wechsle am Flughafen, und halte Münzen für die Fahrten bereit.
Verhaltensregeln in Moldau
Die Menschen sind freundlich, doch ein paar Regeln helfen, Ärger und Missverständnisse zu vermeiden.
An religiösen Stätten gilt konservative Kleidung. Shorts sind verboten, Frauen bedecken in Klöstern und Kirchen den Kopf. Ich hatte ein Tuch dabei und war froh darüber. Im Höhlenkloster Orheiul Vechi frage ich vor jedem Foto, denn das Fotografieren war bei meinem Besuch untersagt.
Als EU-Bürger darfst du dich laut Wikivoyage bis zu 90 Tage innerhalb von sechs Monaten ohne Visum aufhalten. Trage den Reisepass bei dir und notiere dir die Nummer deiner Botschaft. Betrunkene, vor allem nachts, sind keine Seltenheit. Geh höflich weg, das reicht meist.
Polizei und Grenzbeamte gelten laut Reisehinweisen teilweise als bestechlich, die allgemeine Kriminalität ist niedrig. Bleibe ruhig und freundlich. Online geknüpfte Bekanntschaften sind eine bekannte Betrugsmasche, also überweise niemandem Geld.
Zu Transnistrien und zu Gebieten nahe der ukrainischen Grenze gibt es Reisewarnungen, wegen des Krieges in der Ukraine. Lies vor der Abreise die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts. Moldau stempelt keine Ausreise aus Transnistrien, du musst also womöglich den fehlenden Einreisestempel erklären.








