Meine Gobi Reise begann mit einer Überraschung: In der Mongolei besteht die Wüste vor allem aus steinigem Grasland, und Sand macht nur einen kleinen Teil aus, was ich erst vor Ort wirklich verstand.
Die Gobi zählt mit rund 1,3 Millionen Quadratkilometern zu den größten Wüsten der Erde und reicht von der südlichen Mongolei bis nach Nordchina. Sie liegt auf einem Plateau zwischen etwa 910 und 1.520 Metern Höhe und bekommt im Jahr nur um die 194 Millimeter Regen, meist im Sommer. Mit Hitze allein hat das Klima wenig zu tun: Im Winter sind bis zu minus 40 Grad möglich, im Sommer rund 45 Grad, und binnen 24 Stunden kann das Thermometer um bis zu 35 Grad pendeln.
Ich blieb im Süden, im Umland von Dalanzadgad. Mindestens sechs Tage empfehlen die Handbücher, für entlegene Ziele wie das Nemegt-Becken neun bis zehn. Meine Route dauerte etwas mehr als eine Woche, mit täglich vier bis sechs Stunden im Geländewagen. Das klingt nach viel Sitzfleisch, und so war es auch, doch die Landschaft änderte sich ständig.
Auf den nächsten Seiten folgt die Strecke von der Schlucht Yolyn Am über die Fossilienklippen von Bayanzag bis zu den Dünen von Khongoryn Els. Dazu kommen ein Besuch bei einer Hirtenfamilie, ein Blick aufs Klima und eine Packliste. Wenn du einen Gobi Urlaub planst, hilft dir das als Rahmen für die eigene Route.

Dalanzadgad als Startpunkt der Gobi Reise
Die Gobi beginnt nicht mit Sand, sondern mit Staub, Geröll und sehr viel Himmel.
Dalanzadgad ist die Stadt, von der aus die meisten Touren in den Süden aufbrechen. Ich nutzte den Tag dort für Vorräte: Trinkwasser in großen Kanistern, Obst, Brot und Instantnudeln für die Abende. Leitungswasser ist in der Mongolei nicht trinkbar, das gilt auch hier, und im Geländewagen sollte immer mehr Wasser liegen, als man für nötig hält. Beim Fahrer klärte ich außerdem die Reihenfolge der Stationen ab, denn die Pisten verlaufen selten geradeaus und die Zeiten hängen vom Wetter ab.
Nach der Stadt wurde die Straße schnell zur Spur, dann zu mehreren parallelen Spuren, zwischen denen der Fahrer nach Gefühl wählte. Orientierung bekam ich keine, weder Schilder noch Zäune, nur Hügelketten am Horizont. Das Handynetz reicht laut Reiseführern nur punktuell, Ortschaften sind abgedeckt, die Zwischenräume nicht. Ich lud also vorab Offline-Karten und notierte mir die Namen der Camps.
Übernachtet habe ich in Ger-Camps, einfachen Rundzelten mit Ofen und Betten. Strom ist in den Camps laut Reisehandbüchern knapp. Mein Fehler am ersten Abend: Ich ließ die Kamera leer laufen und fand danach keine Steckdose. Eine Powerbank ersetzt in der Gobi viel Komfort.
Yolyn Am und das Eis im Hochsommer
In einer Schlucht, umgeben von Wüste, liegt Eis, das dem Sommer lange trotzt.
Yolyn Am gehört zum Nationalpark Gurvan Saikhan und ist eine enge Schlucht, die sich zwischen steilen Felswänden in die Berge schneidet. Laut Reisehandbüchern kann dort bis in den Juli Eis liegen, obwohl es draußen auf der Ebene rund 35 Grad herrschen. Ich kam im Frühsommer an, dort stand ich an einigen Stellen tatsächlich auf einer dicken, grauen Eisschicht, während ein paar Meter weiter die Sonne brannte.
Vom Parkplatz geht ein flacher Weg in die Schlucht, den ich in gemütlichem Tempo in rund einer Stunde hin und zurück schaffte. Eingeplant hatte ich mehr, doch der Pfad ist kurz, wenn man nicht weiter hinten klettert. Festes Schuhwerk braucht man trotzdem, weil Steine und Eisflächen rutschen.
Tiere zeigten sich mir nur flüchtig. Im Nationalpark sollen auch Schneeleoparden leben, doch die sieht nur, wer mit einem Naturführer und viel Geduld unterwegs ist. Ich sah Vögel über den Wänden kreisen und war damit zufrieden.
Bayanzag und die Klippen der Dinosaurier
Hier fand 1923 eine Expedition die ersten Dinosauriereier der Welt, und wer im roten Sandstein steht, sieht, warum.
Bayanzag, im Englischen Flaming Cliffs genannt, liegt in einer flachen Senke, in der rötlicher Sandstein wie eine Mauer aufragt. Die Klippen leuchten vor allem bei tiefem Sonnenstand, deshalb fuhren wir am späten Nachmittag hin. Hier wurden 1923 die ersten fossilen Dinosauriereier entdeckt, und noch immer graben Paläontologen in der Umgebung. Fossilien mitzunehmen ist gesetzlich verboten, und ich ließ sogar kleine Knochenstücke liegen, die offen im Sand lagen.
Ein Museumsgelände gibt es nicht, nur ein paar Verkaufsstände und Hirten, die ihre Ziegen durch die Gegend treiben. Das hat mir gefallen, denn ich konnte frei an der Kante entlanggehen und die Schichten ansehen, ohne in einer Schlange zu stehen. Windgeschützte Ecken sind rar, weshalb ich meine Jacke anließ, auch als die Sonne noch warm war.
Für Fossilien als solche gibt es andernorts bessere Ausstellungen. Ich nahm vor Ort eher die Landschaft mit: lange Schatten, Staub in der Luft, und Stille, die nur der Wind unterbrach. In den Sommermonaten kann es hier Sandstürme geben, deshalb packte ich Kamera und Handy in verschlossene Beutel.
Khongoryn Els und die singenden Dünen
Der Dünenkamm ist rund 180 Kilometer lang, bis zu 300 Meter hoch und macht Geräusche, wenn der Sand ins Rutschen kommt.
Die Mongolen nennen die Dünen Duut Mankhan, singender Sand. Reisehandbüchern zufolge dauert die Fahrt von Dalanzadgad mit einem Geländewagen etwa zwei Tage, bei mir kam noch eine Übernachtung in einem Camp am Rand der Dünen dazu. Als ich ankam, wirkte der Kamm zuerst klein, weil nichts daneben stand, das ihm einen Maßstab gibt. Erst beim Aufstieg merkte ich, wie weit er reicht.
Der Weg auf die höchsten Dünen kostet Kraft. Bei jedem Schritt rutscht der Sand zurück, und ich brauchte für die letzten Meter länger als für den ganzen Rest davor. Oben fegte der Wind über den Kamm, und das Geräusch, das der Sand dabei machte, erinnerte mich an ein fernes, tiefes Brummen.
Am Fuß der Dünen liegt ein grüner Streifen mit Wasser und Weiden, wo Kamele und Ziegen grasen. Die Kamele gehören Hirten, es sind also keine wilden Tiere. Wilde Trampeltiere, Schneeleoparden und Gobi-Bären gelten als sehr selten und lassen sich nur mit erfahrenen Führern und langen Beobachtungstagen aufspüren. Ich ritt am Abend eine Stunde auf einem Hauskamel und war froh über meinen Schal gegen den Staub.
Nomadenfamilien und die Sitten im Ger
Ein Besuch bei Hirten gehört zur Gobi, und er verläuft nach Regeln, die man vorher kennen sollte.
Viele Familien in der Gobi leben vom Hüten von Ziegen, Schafen, Kamelen und Pferden. Kaschmir spielt dabei eine große Rolle: Die Mongolei liefert etwa 40 Prozent der weltweit gewonnenen Rohwolle, und im Frühjahr, im April und Mai, wird das Fell der Ziegen ausgekämmt. Manche Familien nehmen Gäste auf und zeigen die Arbeit. Ich wurde bei einer solchen Familie zum Tee eingeladen, vermittelt von meinem Fahrer.
Im Ger gelten Anstandsregeln, die für mich neu waren. Gegenstände nimmt man mit der rechten Hand an, die Handfläche zeigt nach oben. Auf die Schwelle tritt man nicht, an den tragenden Stützen lehnt man sich nicht an, und im Zelt wird nicht gepfiffen. Mit dem Zeigefinger auf etwas zu deuten gilt als unhöflich, ins Feuer wirft man nichts, weil es als heilig gilt. Angebotenes lehnt man nicht ab, ein kleiner Bissen oder ein Schluck reicht.
Zuerst gab es Milchtee und getrocknete Snacks, später Airag, vergorene Stutenmilch. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, sauer und leicht prickelnd, und ich trank vorsichtig. Als Dank brachte ich Süßigkeiten für die Kinder und Tee mit, Trinkgeld im engeren Sinn wird bei Familien nicht erwartet. Nur Reiseführer und Fahrer freuen sich meist über einen Zuschlag am Ende der Tour.
Klima und Reisezeit für die Gobi Reise
Die Saison ist kurz, und wer im falschen Monat fährt, bekommt entweder Gluthitze oder zugefrorene Pisten.
Befahrbar und angenehm genug ist die Gobi ungefähr von Mitte Mai bis Ende September. Juni und September gelten als beste Monate, weil die Temperaturen angenehm bleiben und die Landschaft nach dem Regen etwas Grün zeigt. Die Hochsommermonate Juli und August bringen starke Hitze, dazu gelegentlich Sandstürme. Ich war im Frühsommer unterwegs und erlebte Mittagstemperaturen, bei denen ich im Schatten des Jeeps Pause machte.
Im Winter liegen die Werte um minus 25 Grad, und einzelne Pisten sind dann unpassierbar. Dünen im Schnee wären ein Sonderwunsch, den man mit dem Veranstalter lange vorher durchsprechen müsste. Auch im Sommer kann es nachts kalt werden, denn Wüstenluft speichert die Wärme schlecht. Ein Unterschied von 35 Grad zwischen Tag und Nacht ist laut Quellen möglich, ich selbst bin in einer Nacht mit dem Schlafsack und zwei Pullovern aufgewacht.
Zu den Fehlern, die ich anderen ersparen möchte: Ich hatte keine Mütze mitgenommen, und im Ger-Camp war es morgens überraschend kühl. Dazu kamen Sonne und trockene Luft, die meine Lippen aufplatzen ließen. Sonnencreme, Lippenpflege und ein Tuch gegen Staub gehören in jede Tasche.
Kleidung und Packliste für die Wüste
Die Gobi fordert Schichten, Staubschutz und einen Plan für leere Akkus.
Mein Gepäck passte in einen weichen Seesack, denn harte Koffer sind im Geländewagen sperrig. Dazu kam ein kleiner Tagesrucksack für Wasser, Kamera und Jacke. Am Ende war ich froh über jede Schicht, die ich dabeihatte, weil die Temperaturen zwischen Morgen und Mittag so stark wechseln. Das folgende Mindestpaket hat sich für mich bewährt:
- Zwiebelsystem aus Funktionsshirt, Fleece und winddichter Jacke
- Mütze, Sonnenhut, Sonnenbrille und Schal gegen Staub
- Feste Schuhe mit gutem Profil für Sand und Geröll
- Schlafsack für kalte Nächte im Camp, falls nicht gestellt
- Powerbank, Stirnlampe und Ersatzakkus
- Feuchttücher, Sonnencreme, Lippenpflege
- Wasserflaschen, Tabletten zur Wasseraufbereitung und Reiseapotheke
Die Kamera schützte ich mit einem Beutel und wechselte Objektive nur im Fahrzeug, weil feiner Staub überall hineinkommt. Bargeld in Tögrög hatte ich in kleinen Scheinen dabei, denn in den Camps zahlt man meist bar, und Automaten sind außerhalb der Städte nicht selbstverständlich. Dazu gehörte ein Reisepass im wasserdichten Beutel.