Meine Zagori Reise führte mich in den Nordwesten Griechenlands, in den Pindos, wo 46 Steindörfer zwischen Schluchten und Kalkgipfeln liegen und alte Bogenbrücken noch heute über Bäche führen.
Griechenland verbinde ich eigentlich mit Meer, Fähren und weißen Würfelhäusern. Im Zagori gibt es nichts davon. Statt Strand erwartet dich Wald, statt weißer Wände graues Schieferdach, und die Dörfer scheinen aus dem Fels herausgewachsen zu sein. Manche liegen so abgeschieden, dass ihre Bewohner bis in die 1970er Jahre kaum eine Straße kannten.
Für meinen Zagori Urlaub hatte ich sieben Tage eingeplant, mit Basis in Monodendri und später in Papigo. Das Gebiet gehört weitgehend zum Nationalpark Vikos-Aoos, der 1973 gegründet wurde. Dort liegt auch die Schlucht, die 1997 als tiefste der Welt im Verhältnis zu ihrer Breite in den Rekordlisten auftauchte.
Diese Reise ist langsamer als vieles, was ich sonst mache. Die Dörfer sind klein, Busse fahren selten, und die schönsten Stellen erreichst du zu Fuß. Wer Zeit mitbringt, wird belohnt, und genau dafür sind die folgenden Abschnitte gedacht: Anreise, Dörfer, Schlucht, Drachensee, Route und Reisezeit, jeweils mit den Dingen, die ich vorher gern gewusst hätte.

Anreise und erste Tage in Epirus
Das Zagori liegt in Epirus nördlich von Ioannina, und ohne Mietwagen kommst du kaum von Dorf zu Dorf.
Ich bin über Thessaloniki angereist und habe dort einen Wagen gemietet. Die Fahrt dauert rund vier Stunden über 300 Kilometer und führt über die Autobahnen E90 und E92 durch die Berge. Alternativ kannst du bis Ioannina fliegen oder mit dem Bus fahren, solltest aber vor Ort trotzdem ein Auto organisieren, denn Linienbusse verkehren zwischen den Dörfern nur sporadisch.
Die ersten beiden Nächte verbrachte ich in Monodendri, einem Dorf mit gepflasterten Gassen, Schieferdächern und einem Blick auf die Schlucht. Meine Unterkunft war ein kleines Steinhaus mit knarrenden Holzböden und einem Kamin, der trotz Herbst gebraucht wurde, denn in den Bergen kühlt es abends schnell ab.
Gleich am ersten Morgen bin ich zum Kloster Agia Paraskevi spaziert, das am Rand der Schlucht liegt und aus dem 15. Jahrhundert stammen soll. Der Ausblick von dort in den Vikos hat mir klargemacht, warum ich hergekommen war: Auf der anderen Seite stürzen Felswände ab, im Grund glitzert ein Fluss, und über allem kreisen Vögel. Wer nur einen Tag hat, sollte genau hier stehen.
Die 46 Dörfer des Zagori und ihre Steinbrücken
Die 46 Dörfer des Zagori, die Zagorochoria, sind durch Pfade und rund 60 erhaltene Steinbrücken verbunden, die zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert gebaut wurden.
Die Bewohner waren einst Händler und Handwerker, die ihr Geld in Europa verdienten und mit dem Ertrag Kirchen, Schulen und Brücken stifteten. Von mehr als 160 Brücken sollen etwa 60 erhalten sein. Besonders dicht stehen sie rund um Kipi. Dort überspannt die dreibogige Kalogeriko-Brücke einen Bach, und ein Stück entfernt führt die Noutsou-Brücke über den Fluss. Sie sehen fast zu zierlich aus für die Lasten, die Maultiere früher darüber trugen.
Einen Nachmittag habe ich am Voidomatis verbracht. Von dort erreichst du in etwa zwei Stunden zu Fuß die Brücke von Klidonia nahe Aristi, und flussaufwärts liegen im Sommer die Quellen, rund eine Stunde entfernt. Das Wasser war so klar und kalt, dass ich nur kurz die Füße hineingehalten habe.
Ein paar weitere Dörfer sind den Umweg wert. Tsepelovo gilt als das größte der Region, Vradeto als das höchste. Wer dort ankommt, sieht die Skala, eine Steintreppe mit mehr als 1.000 Stufen, die einst die einzige Verbindung ins Tal war. Ich bin sie hinabgestiegen und hatte beim Rückweg Respekt vor den Menschen, die hier früher Lasten trugen. Am 6. August feiert man in Elafotopos das Fest des Heiligen Sotirios, ein guter Anlass, wenn deine Reise in den Hochsommer fällt.
Durch die Schlucht des Vikos von Monodendri nach Vikos
Die Tour durch die Vikosschlucht dauert sechs bis acht Stunden und gehört zu den anstrengendsten Tagestouren Griechenlands.
Der Fluss hat die Schlucht rund 900 Meter tief in den Fels gefräst, bei einer Breite von etwa 1.100 Metern an der weitesten Stelle. Wenn du am Rand stehst, sieht das aus wie ein Riss in der Landschaft. Der Abstieg beginnt in Monodendri auf einem steinigen Pfad, der in Serpentinen nach unten führt. Unten wird der Weg schmaler, mal läuft man im Flussbett, mal durch dichten Wald, mal über Geröll.
Ich habe die Etappe an einem klaren Tag im Oktober gemacht. Beim Abstieg war ich allein, am Fluss traf ich zwei Wanderer, die Gegenrichtung gingen. Die Strecke ist als sehr anstrengend einzustufen, weil mehrere kurze Kletterstellen dabei sind und man den ganzen Tag lang auf den Beinen ist. Ein erfahrener Führer wird empfohlen, vor allem wenn du dich in alpinem Gelände nicht sicher fühlst oder die Wetterlage unklar ist.
Plane genug Wasser, Proviant und Stirnlampe ein. Handyempfang gibt es unten kaum, und nach Regen steigt der Pegel schnell. Am Ende des Tages wartet im Dorf Vikos ein Abendessen, und von dort lässt sich ein Taxi organisieren, falls du den Rückweg nicht laufen willst.
Papigo und der Drachensee unterhalb des Tymfi
Von Mikro Papigo führt ein Pfad in vier bis fünf Stunden zum Drachensee, einem Bergsee in den hohen Wiesen des Tymfi.
Papigo besteht aus zwei Dörfern: Megalo Papigo, dem meistbesuchten Ort der Region, und Mikro Papigo, etwa 25 Minuten zu Fuß entfernt. Von Mikro Papigo startet der Aufstieg in das Tymfi-Gebirge. Der Weg zum See ist acht bis neun Kilometer lang und braucht mit Pausen vier bis fünf Stunden. Unterwegs liegt die Schutzhütte Astraka, die einzige Hütte der Strecke, bei der man übernachten kann. Von dort braucht man etwa eine Stunde bis zum See.
Der Name stammt aus einer Legende. Drachen sollen die Seen im Gebirge mit Steinen gebaut haben, und wenn der Nebel über das Wasser zog, konnte ich mir gut vorstellen, warum man darauf kam. Der See liegt auf einer Hochebene mit grünen Wiesen, rundherum ragen Kalkfelsen auf, und es riecht nach Gras und Thymian.
Auf dem Weg nach oben wechselt die Vegetation von Eichenwald zu Wiesen, dann zu kahlem Fels. Ein Windschutz und eine warme Jacke gehören auch im Sommer in den Rucksack, denn oben kann es plötzlich empfindlich kühl werden. Wasser findest du an der Hütte, nicht aber zuverlässig auf dem Weg. Wer die Nacht auf der Hütte verbringt, erlebt bei gutem Wetter einen Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung.
Meine Route in sieben Tagen
Mit sieben Tagen lässt sich das Zagori gut kombinieren, aus Dörfern, Brücken, Schlucht und Drachensee, und es bleibt ein Puffer für schlechtes Wetter.
Wer das Gebiet vollständig durchwandern möchte, braucht mindestens eine Woche und legt mehr als 100 Kilometer zurück. Mir war das zu viel Rucksack. Ich habe deshalb eine Mischung aus Autofahrt und Tageswanderungen gewählt, bei der abends immer ein warmes Bett und ein Abendessen im Dorf auf mich warteten. Die Tage sind unterschiedlich lang, an Tag 2 und Tag 6 solltest du früh starten, die übrigen verlaufen entspannter.
- Tag 1: Anreise nach Monodendri, Spaziergang zum Kloster Agia Paraskevi.
- Tag 2: Marsch durch die Vikosschlucht bis nach Vikos.
- Tag 3: Brücken rund um Kipi, Kalogeriko und Noutsou, danach Weiterfahrt nach Tsepelovo.
- Tag 4: Vradeto mit der Skala, Aussichtspunkt Beloi rund 2,5 Kilometer hinter dem Dorf.
- Tag 5: Fahrt nach Papigo, Spaziergang nach Mikro Papigo.
- Tag 6: Aufstieg zum Drachensee und zur Hütte Astraka.
- Tag 7: Abstieg und Rückfahrt nach Ioannina oder Thessaloniki.
Wer mehr Zeit hat, schaut sich die Wasserfälle von Balta di Stringa bei Iliochori an, drei Stufen von je etwa 25 Metern. Auch Rafting auf dem Voidomatis, Radfahren und im Winter Skilanglauf sind möglich.
Beste Reisezeit für die Zagori Reise
Die beste Reisezeit für das Zagori liegt zwischen Mai und Oktober, wobei Frühling und Herbst die ruhigsten und farbigsten Monate sind.
Ab Mai sind die Wege meist schneefrei und begehbar. Im Juli und August gibt es die meiste Sonne und den wenigsten Regen, dafür sind die Temperaturen in den Tälern hoch, und die Schluchtwanderung wird zur Hitzeprobe. Ich war im Oktober dort. Die Buchen und Eichen färbten sich gelb und rot, die Tage waren klar, die Nächte kühl, und in den Dörfern war es angenehm leer.
Im Winter kann Schnee fallen, dann sind höhere Wege gesperrt, und manche Unterkünfte schließen. Dafür sind Dörfer wie Papigo bei Schneefall besonders fotogen, und wer Ruhe sucht, wird sie finden. Pilzsammler kommen zwischen Herbst und Frühlingsbeginn auf ihre Kosten. Für Wanderer sind Mai, Juni, September und Oktober die verlässlichsten Monate. Pack in jedem Fall eine Regenjacke ein, denn das Wetter im Gebirge kann schnell wechseln, und Nebel in den Tälern hebt sich manchmal erst gegen Mittag. Starte lange Touren früh, damit du vor dem Nachmittag aus der Höhe zurück bist.
Häufige Fragen zur Zagori Reise
Bei der Planung kamen mir immer dieselben Fragen in den Sinn. Hier sind die Antworten, die ich vor Ort gefunden habe.