Santo Antão Reise zwischen Kraterrand, Zuckerrohr und Küstenwegen

Meine Santo Antão Reise führte mich auf die grünste und steilste der Kapverdischen Inseln, wo Zuckerrohr an Terrassen wächst, ein Vulkankrater zum Tal wird und Wanderwege an Klippen entlang zum Meer laufen.

Santo Antão ist die nordwestlichste Insel der Kapverden, etwa 43 Kilometer lang und 24 Kilometer breit. Rund 38.000 Menschen leben auf 785 Quadratkilometern, verteilt auf die drei Landkreise Paul, Porto Novo und Ribeira Grande. Der höchste Gipfel, der Tope de Coroa, erreicht 1.979 Meter. Zwischen Küste und Gipfeln liegen ein paar Dutzend Kilometer und eine Landschaft, die sich alle paar Minuten ändert.

Für meinen Santo Antão Urlaub hatte ich acht Tage eingeplant. Das reichte für drei Wanderungen, zwei Küstentage und genug Zeit, um abends einfach auf einer Terrasse zu sitzen. Die Insel ist wanderfreundlich, aber nicht flach: Ohne ein wenig Kondition macht keine der Standardrouten Freude.

Viele Besucher kommen nur als Tagesausflug von der Nachbarinsel São Vicente. Ich bin geblieben, weil sich das Licht am Morgen und am späten Nachmittag so verändert, dass dieselbe Strecke zweimal wie zwei verschiedene aussieht.

Santo Antão Reisebericht
Weg durch Zuckerrohrfelder auf Santo Antão. Foto: Rob Oo, CC BY 2.0, via Flickr

Anreise mit der Fähre von Mindelo nach Porto Novo

Santo Antão hat keinen funktionierenden Flughafen, deshalb führt der Weg über die Fähre von Mindelo auf São Vicente nach Porto Novo.

Der Flugplatz in der Nähe von Ponta do Sol ist stillgelegt. Wer anreist, fliegt also nach São Vicente und nimmt dort die Fähre. Die Überfahrt dauert rund eine Stunde, nach Angaben eines Reisehandbuchs fahren zwei bis drei Schiffe pro Tag. Fahrpläne ändern sich, und bei starkem Wind fallen Abfahrten aus. Ich habe das Ticket deshalb nicht für den letzten Tag vor dem Rückflug geplant, sondern einen Puffer eingebaut.

Bei Ankunft in Porto Novo wartet der Anschluss. Auf der Insel fahren Aluguers, also Sammeltaxis, bei denen du dich auf eine Ladefläche mit Bänken oder in einen Kleinbus setzt. Sie bedienen vor allem ländliche Strecken und fahren, wenn sie voll sind. Wer flexibel bleiben will, mietet ein Auto, ein Reisehandbuch nennt dafür etwa 50 Euro am Tag. Ich habe bei Wanderungen auf Fahrer gesetzt, die mich am Ausgangspunkt abgesetzt und am Ziel wieder aufgenommen haben. Das ist in der Regel günstiger als jeder Mietwagen und spart die Rückfahrt zum Startpunkt.

Cova Krater und der Abstieg ins Paúl Tal

Die Wanderung vom Kraterrand der Cova ins Paúl Tal ist die bekannteste Route der Insel und führt in zwei bis drei Stunden durch Terrassenfelder und Dörfer.

Die Cova ist ein Tal im Innern eines erloschenen Vulkans, zwischen Porto Novo und Ribeira Grande. Eine alte Kopfsteinpflasterstraße führt von Porto Novo hinauf zum Rand, wo der Blick in den Krater fällt: kleine Felder, Hütten, Wolkenfetzen. Ich bin früh gestartet, noch bevor sich der Nebel hob.

Der Abstieg ins Paúl Tal ist laut Tourenanbietern rund fünf Kilometer lang und dauert etwa zwei bis drei Stunden. Der Weg führt über Treppen, Pfade und Steinmauern an Terrassen mit Mango, Bananen und Zuckerrohr vorbei. Dörfer wechseln sich ab, Esel und Ziegen stehen am Rand, und Bauern arbeiten auf kleinen Feldern. Auf halber Strecke bin ich an einer kleinen Destillerie vorbeigekommen, in der sie Grogue herstellen, den Zuckerrohrschnaps der Insel.

Die Wanderung gilt als leicht bis mäßig anstrengend. Du brauchst feste Schuhe, Wasser und Sonnenschutz, denn Schatten gibt es nur abschnittsweise. Wer mit Knieproblemen zu tun hat, nimmt Stöcke mit, denn der Abstieg geht in die Gelenke.

Ponta do Sol, Ribeira Grande und die Nordküste

Die Nordküste bietet Küstenwege, Tauchplätze und kleine Orte, in denen die Insel am wenigsten touristisch wirkt.

Ponta do Sol ist der nördlichste Ort der Insel. Wandern, Klettern und Tauchen sind hier möglich, und die Landschaft aus Klippen und Meer ist deutlich rauer als im Tal. Ich bin am späten Nachmittag zur Küste gelaufen, als die Sonne über dem Atlantik tiefer stand und das Gestein warm leuchtete.

Bei Vila das Pombas steht eine Statue des heiligen Antonius, der der Insel den Namen gab. Weiter südlich liegt der Leuchtturm Farol de Boi, der 1886 gebaut wurde und als der größte und älteste des Landes gilt. Er ist heute verlassen, die Umgebung aber ein guter Ausflug. Ribeira Grande ist ein größerer Ort mit Läden und Cafés, ein praktischer Stopp, um Vorräte aufzufüllen.

Ein Reisehandbuch beschreibt den Nordosten als besonders gut zum Wandern. Die Wege sind oft schmal und führen an Abgründen entlang. Plan lieber eine Route zu wenig als zu viel und frag in deiner Unterkunft nach dem aktuellen Zustand, denn Regen oder Erdrutsche können Abschnitte unpassierbar machen.

Beste Reisezeit und Klima auf Santo Antão

Santo Antão ist ein ganzjähriges Ziel mit milden Temperaturen, doch zwischen Küste und Gipfel liegen oft mehr als zehn Grad Unterschied.

An der Küste liegen die Jahresdurchschnitte bei etwa 23 Grad, auf den höchsten Lagen bei 11 bis 15 Grad. Die Niederschläge sind gering: Porto Novo kommt auf rund 190 Millimeter im Jahr, höher gelegene Orte wie Espongeiro auf gut 350. Dürre gilt als das größte Klimarisiko der Insel. Regen fällt auf den Kapverden überwiegend zwischen Juni und Februar, am meisten im September.

  • Küste: milde 23 Grad im Jahresschnitt, trocken und windig.
  • Hochlagen: deutlich kühler, oft Wolken und Nebel am Morgen.
  • Wanderkleidung: Schichten, dazu Sonnenhut, Windjacke und feste Schuhe.
  • Gepäck: Wasser, Snacks und Bargeld für Dörfer ohne Automat.

Ich war in einer Zeit unterwegs, in der die Hänge noch grün waren, und habe die Wolken am Kraterrand als Teil des Erlebnisses genommen. Wer nach der Regenzeit kommt, sieht die Insel in ihrem grünsten Zustand. In trockenen Monaten sind die Berge braun, die Sicht dafür oft weiter.

Essen und Trinken mit Grogue und Cachupa

Die Küche der Insel ist einfach und satt, und der Zuckerrohrschnaps Grogue gehört zu jedem Abend dazu.

Auf Santo Antão wachsen Zuckerrohr, Yams, Maniok, Bananen, Mangos und Getreide, und vieles davon landet im Essen. Das Nationalgericht Cachupa wird aus Mais und Kartoffeln gekocht, oft mit Fisch oder Hühnchen. Ich habe es in Gasthäusern mehrfach gegessen, jedes Mal ein wenig anders gewürzt. Frischen Fisch gibt es an der Küste, in den Bergdörfern dagegen eher Eintöpfe und Gemüse.

Grogue ist der Rum der Insel, gebrannt aus Zuckerrohr, vor allem im Paúl Tal. Er schmeckt kräftig, und ein kleiner Schluck reicht. Viele Familien brennen ihn selbst. Die Destillerien am Weg erlauben meist eine Probe, was gern angenommen wird.

Leitungswasser solltest du in einfachen Unterkünften nicht ungefiltert trinken. Wasser aus der Flasche ist günstig und überall zu haben. Bezahlt wird in Escudo, der Kurs liegt fest bei 110 Escudo pro Euro. In größeren Orten gibt es Geldautomaten, in den Dörfern brauchst du Bargeld.

Verhaltensregeln auf Santo Antão

Die Menschen auf Santo Antão sind freundlich und zurückhaltend, und mit ein paar Regeln bleibt das so.

Ein „Bom dia“ beim Vorbeigehen gehört zum guten Ton, und Einheimische schätzen es, wenn du ein paar Worte Portugiesisch oder Kriolu versuchst, auch wenn viele Englisch sprechen. Frage, bevor du Menschen fotografierst, vor allem Bauern bei der Arbeit und Kinder. Viele Pfade führen über Felder und Privatland, bleib deshalb auf den Wegen und schließe Gatter hinter dir.

Wasser ist knapp, die Dürre ist auf der Insel ein ständiges Thema. Geh sparsam damit um und nimm deinen Müll mit, denn die Entsorgung in den Bergen ist schwierig. Händler in Orten wie Ribeira Grande bieten Souvenirs an und bleiben manchmal hartnäckig. Ein freundliches Nein genügt, und wer etwas kauft, darf handeln, auch wenn die Preise ohnehin niedrig sind. Gib kleine Beträge bar und sprich vorher ab, was Fahrten oder Führungen kosten, damit es keine Missverständnisse gibt.

Häufige Fragen zur Santo Antão Reise

Wie komme ich nach Santo Antão?
Du fliegst nach São Vicente und nimmst in Mindelo die Fähre nach Porto Novo. Die Überfahrt dauert etwa eine Stunde. Auf der Insel selbst gibt es keinen aktiven Flughafen.
Wie lange sollte ich für Santo Antão einplanen?
Für die großen Wanderungen und ein wenig Küste reichen fünf bis sieben Tage. Als Tagesausflug von São Vicente siehst du nur einen kleinen Teil, meist die Cova und das Paúl Tal.
Brauche ich einen Mietwagen?
Nicht zwingend. Sammeltaxis, sogenannte Aluguers, verbinden die meisten Orte, vor allem ländliche Strecken. Für Wanderungen mit festem Start und Ziel buchen viele Besucher einen Fahrer.
Wann ist die beste Reisezeit?
Das ganze Jahr über ist die Insel bereisbar. Nach der Regenzeit sind die Hänge am grünsten, in trockenen Monaten ist die Sicht oft klarer. Auf den Hochlagen wird es kühler, plane dafür eine Jacke ein.
Ist die Wanderung durch die Cova schwer?
Anbieter stufen sie als sportlich ein. Für den Abstieg brauchst du Kondition, feste Schuhe und genug Wasser, mit etwas Vorbereitung klappt es aber auch ohne Erfahrung.