Meine Rhodopen Reise führte mich eine Woche lang durch Bergdörfer, enge Schluchten und Höhlen im Süden Bulgariens, wo Straßen in den Fels gehauen sind und ein Fluss mitten im Berg verschwindet.
Die Rhodopen reichen über die Grenze nach Griechenland hinein und bedecken laut Wikipedia rund 14.735 Quadratkilometer, davon etwa 12.233 auf bulgarischem Boden. Der höchste Gipfel, der Golyam Perelik, misst 2.191 Meter. Ich hatte mir das Gebirge als sanftes Mittelgebirge vorgestellt. Das stimmt nur halb: Die Hänge sind bewaldet und rund, die Täler dazwischen aber tief und eng.
Mein Stützpunkt wechselte während der Woche dreimal. Zuerst Smolyan, die inoffizielle Hauptstadt der Region, danach Trigrad am Ende einer Schlucht und zuletzt Jagodina, ein Dorf mit 379 Einwohnern. Zwischen diesen Orten liegen jeweils nur 25 bis 70 Kilometer, doch die Straßen sind so kurvig, dass ich nie schneller als im Schnitt 35 Stundenkilometer vorankam.
Diese Gegend ist kein Ziel für Strandmenschen oder Städtebummler. Wenn du einen Rhodopen Urlaub planst, bringst du am besten Geduld für Serpentinen mit, dazu eine Vorliebe für Höhlen, Holzbalkone und Kartoffelgerichte. Wie ich die Tage verbracht habe, steht in den folgenden Abschnitten.

Rhodopen Reise ab Plovdiv bis Smolyan
Der Einstieg in die Berge beginnt in Plovdiv, und schon die ersten zwei Stunden Fahrt zeigen, wie sich die Landschaft verengt.
Gestartet bin ich mit einem Mietwagen in Plovdiv. Laut einem Reiseartikel von Culture Trip sind es etwa 110 Kilometer und zwei Stunden bis zum Stausee Shiroka Polyana, von Sofia aus rechnet man mit rund 200 Kilometern und drei Stunden. Öffentliche Busse fahren zwar zu den größeren Orten, doch zu den Höhlen und Dörfern kommst du ohne eigenes Fahrzeug nur mit viel Wartezeit.
Smolyan liegt auf gut 1.000 Metern Höhe und hat nach der Volkszählung von 2021 etwa 30.000 Einwohner. Die Stadt zieht sich als langes Band durch ein Tal. Ein Museum, ein Planetarium und mehrere Ökopfade stehen auf der Liste der Sehenswürdigkeiten, ich nutzte den Ort aber vor allem zum Tanken, Geldabheben und Einkaufen. In den Dörfern weiter südlich findest du meist nur einen kleinen Laden, und der macht mittags zu.
Von Smolyan nach Trigrad sind es rund 70 Kilometer, die ich in gut zwei Stunden fuhr. Plane den Tag nicht enger. Ein langsamer Lastwagen vor dir kann die Fahrt um eine halbe Stunde verlängern, überholen lässt sich auf den meisten Abschnitten nicht.
Trigrad Schlucht und der Teufelsschlund
Auf den letzten sieben Kilometern vor Trigrad schrumpft die Straße zu einem Band zwischen Felswänden, und am Ende wartet eine Höhle, in der ein ganzer Fluss verschwindet.
Die Schlucht ist laut visitbulgaria etwa sieben Kilometer lang, die Wände ragen im Westen rund 180 Meter und im Osten 300 bis 350 Meter auf. Stellenweise stehen sie nur 100 Meter auseinander. Die Fahrbahn ist einspurig, also wartet, wer zuerst eine Ausweichstelle erreicht. Dreimal fuhr ich die Strecke und habe jedes Mal Gegenverkehr gehabt, darunter einen Reisebus.
Das Dorf Trigrad liegt auf etwa 1.240 Metern. Von dort führt ein kurzer Weg zum Eingang des Teufelsschlunds, bulgarisch Dyavolsko garlo. Der Trigrad-Fluss stürzt hier laut mehreren Quellen etwa 42 Meter in die Tiefe und taucht rund 500 Meter weiter unten wieder aus dem Berg auf. Ein Reiseartikel nennt dagegen nur 30 Meter, ich würde die größere Zahl nehmen.
Die Führung dauert nach älteren Angaben 20 bis 25 Minuten, davon gehen rund zehn Minuten über steile Treppen. Drinnen herrschen etwa 8 Grad, und alles ist nass. Trag Schuhe mit Profil. Preise und Zeiten ändern sich, frag deshalb vor Ort nach, denn die Angaben in Reiseberichten von 2009 und 2013 sind veraltet.
Jagodina Höhle und Wanderung im Hochwald
Zwischen Trigrad und Jagodina liegt ein Wanderweg von etwa zweieinhalb Stunden, und am Ziel wartet die längste Höhle der Rhodopen.
Zu Fuß legte ich den Weg zurück und ließ das Auto in Trigrad stehen. Der Pfad führt durch Buchen und Fichten, kreuzt Wiesen und endet am Rand von Jagodina, das auf rund 1.117 Metern liegt. Ein Taxi zurück nach Trigrad kostet etwas, also frag vorher in der Unterkunft nach einer Abholung. Markierungen gab es, aber an zwei Kreuzungen musste ich die Karte auf dem Handy zu Hilfe nehmen.
Die Jagodina-Höhle soll nach einem Reisebericht von 2009 rund zehn Kilometer lang sein und fünf Ebenen haben. Besucher sehen nur einen kleinen Teil davon, die Führungen laufen laut dieser Quelle bis 16 Uhr. Auf der obersten Ebene fanden Forscher Spuren von Siedlungen aus der Kupferzeit. Ich fand die Tropfsteine weniger spektakulär als die Atmosphäre: kühle, feuchte Luft und ein Guide, der alles auf Bulgarisch erklärte und nur auf Nachfrage Englisch sprach.
Von Jagodina ist es nach Devin etwa 24 Kilometer, der Berg Durdaga im Hintergrund erreicht 1.693 Meter. Mit genug Zeit lässt sich die Tour weiter in Richtung der Chairi-Seen verlängern, eine Tour von acht bis neun Stunden, die ich mir für ein anderes Mal aufgehoben habe.
Klima und Reisezeit in den Rhodopen
Die Berge sind auch im Sommer selten heiß, und im Winter liegt viel Schnee, deshalb hängt fast alles an der Jahreszeit.
Nach Angaben der Wikipedia liegt die Jahresmitteltemperatur in den Westrhodopen bei 5 bis 9 Grad. Im Winter sind bis zu minus 15 Grad keine Seltenheit. Der meiste Niederschlag fällt im Dezember, am wenigsten regnet es im August. Für Wanderer und Höhlenbesucher heißt das: Juli und August sind trocken und mild, dafür aber am vollsten. Rund um den 7. August feiert Trigrad ein Fest mit Umzügen und Musik am Höhleneingang, dann bekommst du kaum noch einen Parkplatz.
Ich war im Spätsommer dort und hatte tagsüber T-Shirt-Wetter, abends aber einen Pullover nötig. Im Herbst werden die Tage kürzer, daher legst du Höhlenbesuche besser auf den Vormittag. Im Winter locken Skigebiete wie Pamporovo, nur etwa zwölf Kilometer von Trigrad entfernt, doch die schmale Schluchtstraße kann dann glatt sein.
Mein Rat: Fahr Mitte oder Ende Juni oder im September. Ganz sicher kann das niemand sagen, weil das Wetter im Gebirge schnell umschlägt. Schau am Vorabend nach der Prognose und plane eine Höhle als Ersatz für einen Regentag ein.
Interessante Fakten zu Rhodopen und Kukeri
Die Rhodopen sind ein Gebirge mit vielen Völkern, mit Kartoffelkuchen als Leibgericht und mit Dämonenmasken, die jedes Jahr Geister vertreiben sollen.
Hier leben Bulgaren, Pomaken, Griechen, Türken, Sarakatsani und Aromunen, schreibt Wikipedia. Das erklärt, warum Küche und Dorfbilder von Tal zu Tal so verschieden ausfallen. Das Gebirge umfasst 15 Naturreservate, einige davon stehen unter UNESCO-Schutz. Dazu kommen Orte wie das Kloster Bachkovo und die Felsenstadt Perperikon, die ich diesmal ausließ.
Zum Essen probierte ich Patatnik, ein Gericht aus geriebenen Kartoffeln, Zwiebeln, Salz und Bergminze, das langsam auf kleiner Flamme gart. Es wird von Bansko bis Smolyan gegessen. In manchen Orten heißt es anders, etwa kashnitsa in Nedelino. Ich bestellte es dreimal, und keine Portion schmeckte gleich.
Die Kukeri sind Männer in zottigen Kostümen mit Holzmasken und schweren Glocken am Gürtel. Sie ziehen rund um Neujahr und vor der Fastenzeit durch die Dörfer, um böse Geister zu vertreiben und Ernte und Gesundheit zu sichern. Einen festen Termin für ein bestimmtes Dorf konnte ich nicht belegen, also frag bei der Touristeninformation nach, bevor du deine Reise darauf ausrichtest.
Kleidung und Packliste für Höhlen und Berge
Weil sich Temperatur und Untergrund auf einer Tour mehrfach ändern, packst du hier besser nach Zwiebelprinzip als nach Kalender.
Drinnen sind es rund 8 Grad bei hoher Feuchtigkeit, draußen kann zur gleichen Stunde Sonne scheinen. Reisende empfehlen warme Kleidung und wasserdichte Schuhe, und nach meiner Erfahrung gehört auch eine Stirnlampe dazu, falls du abends durch ein dunkles Dorf zur Unterkunft zurückläufst. Wanderschuhe mit Profil retten dir außerdem die nassen Treppen im Teufelsschlund, wo ich zweimal fast ausgerutscht wäre.
Das hatte ich im Rucksack, und das würde ich wieder einpacken:
- Fleecejacke und eine leichte Regenjacke
- Wanderschuhe mit Profil und ein zweites Paar trockene Socken
- Offline-Karte auf dem Smartphone und etwas Bargeld in Euro
- Stirnlampe, Sonnenschutz und eine Trinkflasche
Mit Bargeld meine ich kleine Scheine, denn Wechselgeld für große Scheine haben kleine Läden selten. Kleine Läden und manche Höhlenkassen nehmen keine Karte, und der nächste Geldautomat kann 30 Kilometer entfernt sein. Das erwähnt kaum ein Reiseführer, mich hat es einmal in Jagodina einen Umweg gekostet.