Vietnam Verhaltensregeln und Sitten für Urlauber

Die Vietnam Verhaltensregeln lassen sich auf einen Satz bringen: Du bist Gast in einem Land, in dem Höflichkeit, Zurückhaltung und der Respekt vor Älteren und vor Religion zählen. Niemand erwartet, dass du jede Geste kennst, und ein freundliches Lächeln samt kurzem „xin lỗi“ für Fehltritte rettet fast jede Situation. Als Faustregel gilt: Beobachte, was die Menschen um dich herum tun, und passe dich leise an. Die folgenden Abschnitte sammeln, was Reiseportale, Tourismusseiten und Reisehandbücher übereinstimmend nennen.

Vietnam Verhaltensregeln
Pagode auf dem Wasser in Hanoi. Foto: luongcung, via Pixabay

Vietnam Knigge bei der Begrüßung

„Xin chào“ ist das Standardwort für Hallo, und Einheimische hängen meist ein Pronomen an, das sich nach dem Alter richtet. Bist du unsicher, sprich Männer mit „anh“ und Frauen mit „chị“ an. Die Anrede „em“ gilt für Jüngere und kann bei Älteren überheblich wirken. Ein angehängtes „ạ“ am Satzende macht den Ton höflicher. In Städten ist der Handschlag üblich, auf dem Land greifen manche Frauen lieber zur leichten Verbeugung mit gefalteten Händen, deshalb streckst du Frauen die Hand nicht als Erster hin.

Zeige nie mit dem ausgestreckten Finger auf Menschen, sondern winke mit der ganzen Hand, Handfläche nach oben. Ein Klaps auf Rücken oder Kopf kommt bei Älteren schlecht an. Streit trägst du nicht vor Publikum aus, und Kritik bringst du leise unter vier Augen an. Ein zögerliches „vielleicht“ kann ein höfliches Nein sein. Bohre dann nicht nach, sonst bringst du dein Gegenüber in Verlegenheit. Laut werden kostet dich in Vietnam schneller Sympathie als jeder sprachliche Patzer.

Kleidung für Städte und Tempel

In den Großstädten läuft niemand im Anzug herum, doch freizügige Kleidung fällt auf. Kurze Hosen und tiefe Ausschnitte passen eher zum Strand als zu Familienbesuchen oder zum Abendessen in einem Lokal. Männer ohne Hemd auf der Straße gelten als unhöflich, Badekleidung gehört an den Strand oder in die Hotelanlage. Durchsichtige Stoffe und durchscheinende Unterwäsche kommen schlecht an. Bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit hilft dünne, lockere Baumwolle, die Schultern und Knie bedeckt.

Genau diese Regel brauchst du beim Tempelbesuch ohnehin. Tanktops, kurze Shorts und Leggings als Hose sind in Pagoden nicht erwünscht, und das gilt für Männer wie Frauen. Große Anlagen verleihen Tücher oder Überwürfe, ziehe sie ohne Diskussion an. Pack deshalb ein leichtes Tuch und eine lange, luftige Hose in den Tagesrucksack, dann musst du nach dem Frühstück nicht umkehren. Einen Hut nimmst du im Gebäude ab.

Vietnam Sitten beim Tempelbesuch

Pagoden und Tempel sind lebendige Andachtsorte, keine Museen. Laut einer Tourismusseite gibt es in Vietnam über 14.000 davon, vom Dorfschrein bis zur Großanlage. Meist öffnen sie gegen 6 Uhr und schließen am späten Nachmittag. Vor 9 Uhr ist es ruhig, am 1. und 15. Tag des Mondmonats drängen sich die Gläubigen. Schuhe ziehst du vor der Gebetshalle aus, im Hof darfst du sie meist anbehalten. Am Eingang steht meist ein Schuhregal bereit, achte aber auf deine Wertsachen.

Streck die Füße nie zum Altar oder zu einer Buddhastatue, das gilt als tief respektlos. Geh nicht zwischen einem Betenden und dem Altar hindurch, berühre keine Opfergaben und iss oder trinke nicht im Heiligtum. Spenden wirfst du in die Box, nicht auf den Altar. Genannt werden zwischen 10.000 und 50.000 Dong, also nur ein paar Cent bis wenige Euro. Mönche berührst du nicht, für Frauen gilt das noch strenger. Gegenstände legst du auf einen Tisch, statt sie zu überreichen.

Fotografieren mit Respekt

Außen darfst du in den meisten Tempeln fotografieren, also Höfe, Dächer und Statuen im Freien. Im Hauptheiligtum ist es häufig verboten, Blitzlicht ist drinnen fast überall tabu. Achte auf Schilder und schau, was die Einheimischen tun. Ein Foto mit dem Rücken zum Altar wirkt respektlos, und Betende lichtest du nur mit ausdrücklicher Erlaubnis ab. Bei Mönchen genügt ein Lächeln und ein Blick auf die Kamera, ein Kopfschütteln akzeptierst du ohne Murren.

Menschen auf Märkten, in Dörfern und bei der Feldarbeit fragst du vorher, auch wenn die Szene noch so schön aussieht. In Hoi An verlangen manche Händler oder Kostümierte Geld für ein Bild, das solltest du einkalkulieren. Militärische Anlagen und Kasernen fotografierst du nicht, im schlimmsten Fall droht Ärger mit den Behörden. Drohnen sind ein eigenes Thema, informiere dich vor dem Flug über die aktuellen Vorschriften vor Ort, sie ändern sich.

Vietnam Umgangsformen am Esstisch

Vietnamesische Gerichte kommen in die Mitte, und jeder hat eine kleine Reisschale samt Stäbchen. Wenn es Vorlegelöffel gibt, nimm sie, sonst greifst du mit dem umgedrehten Ende der Stäbchen zu. Man wartet, bis der Älteste am Tisch beginnt, und schlingt nicht. Der wichtigste Fehler: Stäbchen niemals senkrecht in die Reisschale stecken, das erinnert an Räucherstäbchen beim Totengedenken. Stochere auch nicht im Essen herum und zeige nicht mit den Stäbchen auf Menschen.

An Garküchen sitzt du meist auf niedrigen Plastikhockern, Messer und Gabel fehlen dort. Übe also vorher mit den Stäbchen, es lohnt sich. Leitungswasser gilt nicht als trinkbar, kauf Flaschenwasser und prüfe den Verschluss. Toilettenpapier fehlt häufig, trag eine kleine Rolle bei dir. Bei Einladungen zahlt in der Regel, wer eingeladen hat. Unter Kollegen übernimmt häufig die ranghöchste Person die Rechnung, und ein Streit um die Zahlung wäre peinlich.

Einladungen und Gastgeschenke

Wirst du in ein Haus gebeten, legt der Gastgeber dir die besten Stücke in die Schale und füllt nach. Eine einmalige höfliche Ablehnung ist in Ordnung, drängt er, nimmst du eine kleine Portion an. Zum Aufhören sagst du freundlich, dass du sehr satt bist. Bei Familien stehen häufig Altäre im Wohnraum, setz dich nicht mit den Füßen dorthin und steige nicht darüber. Zieh vor der Haustür die Schuhe aus, auch wenn niemand dich darum bittet.

Als Mitbringsel eignen sich Obst, Gebäck, Tee, Kaffee oder Blumen. Meide Messer, Scheren, Uhren, Taschentücher und weiße Blumen. Verpackungen in Rot, Gelb oder Gold gelten als günstig, Schwarz und Weiß solltest du vermeiden. Öffne ein Geschenk nicht vor den Augen des Schenkenden und bitte auch niemanden, seines vor dir auszupacken. Geld, Karten und Gegenstände reichst du zweihändig oder mit rechts, die linke Hand allein gilt als unfein.

Vietnam Verhalten bei Kopf, Füßen und Händen

Der Kopf gilt als der heiligste Teil des Körpers. Streichle deshalb auch fremden Kindern nicht über den Scheitel, so nett die Geste gemeint ist. Die Füße dagegen sind der niedrigste Teil. Beim Sitzen stellst du sie flach auf den Boden und richtest sie weder auf Menschen noch auf Möbel oder Altäre. Auf Matten oder im Haus fällt dir das leichter, wenn du im Schneidersitz oder seitlich sitzt, statt die Beine auszustrecken.

Mit den Händen sind mehrere Regeln verbunden. Gegenstände gibst du zweihändig oder rechts weiter, den Suppenlöffel hält man in der linken Hand. Den Daumendrück-Gruß solltest du ganz lassen, er gilt in Vietnam als sehr unhöflich. Ein Fingerzeig auf Menschen ist genauso tabu wie Winken mit dem gekrümmten Finger. Eine Visitenkarte nimmst du zweihändig an, liest sie kurz und steckst sie nicht achtlos ein.

Trinkgeld und Handeln

Die meisten Vietnamesen geben in Restaurants und Taxis kein Trinkgeld, du musst also nicht aufrunden. In gehobenen Lokalen wird ein kleiner Betrag gern gesehen. Üblicher ist ein Extra bei Reiseführern, Privatfahrern und in Massagestudios, wenn der Service nicht ohnehin im Preis steckt. Feste Beträge nennen die Quellen nicht, ein paar Prozent für gute Betreuung reichen vermutlich, und niemand rechnet mit mehr. Bargeld bleibt wichtig, denn Garküchen, Märkte und kleine Familienbetriebe nehmen meist keine Karte.

Auf Märkten darf und soll gehandelt werden, Ausländer starten häufig mit überhöhten Preisen. Verhandle freundlich, bestimmt und mit einem Lächeln, nie mit Druck oder Spott. In Läden mit Preisschild, in Supermärkten und im Restaurant handelst du nicht. Hast du dich auf einen Preis geeinigt, gilt er auch. Feilschen nur zum Spaß, ohne zu kaufen, wirkt unhöflich. Geldautomaten haben häufig ein Abhebelimit von rund 3.000.000 Dong, plane mehrere Abhebungen ein.

Vietnam Reisen mit Taxi, Grab und Motorrad

Fahr-Apps wie Grab oder Xanh SM helfen, Taxiärger zu vermeiden, weil der Preis vorab feststeht. Nimm trotzdem die Visitenkarte deines Hotels mit und zeige die Adresse auf Vietnamesisch, denn viele Fahrer sprechen kein Englisch. Manche fahren lieber weiter, als zuzugeben, dass sie den Weg nicht kennen. Hilfreich ist ein Satz wie „Ich glaube, das Hotel ist in der Nähe, lass mich die Karte prüfen“. Handtaschen trägst du vor dem Körper, in Ho-Chi-Minh-Stadt kommt Taschenraub von Mopeds vor.

Zum Überqueren der Straße gehst du langsam, gleichmäßig und vorhersehbar, nie plötzlich losrennen. Die Mopeds weichen dir aus, wenn sie dein Tempo einschätzen können. Ein Motorrad mietest du nur mit gültigem Führerschein, Versicherung und Erfahrung im dichten Verkehr, sonst riskierst du Gesundheit, Geld und Ärger mit dem Gesetz. Wirkt dein Fahrer müde oder betrunken, lass ihn anhalten und steig aus.

Vietnam Verhaltensregeln bei Drogen und Alkohol

Drogen sind in Vietnam in jeder Form verboten, auch Cannabis, CBD-Produkte und Edibles. Ein Reiseportal beschreibt Drogentests der Polizei in Bars und Clubs und warnt vor teils sehr hohen Strafen bis hin zur Todesstrafe bei Handel mit Heroin oder Kokain. Die Angaben zu Mengen widersprechen sich zwischen Quellen, lies deshalb die Reisehinweise des Auswärtigen Amts. Besprich das Thema auch nicht in Chatgruppen, Nachrichten können mitgelesen werden.

Alkohol ist ab 18 Jahren erlaubt und gehört zu Feiern selbstverständlich dazu. Beim gemeinsamen Anstoßen wirst du häufig zum Austrinken gedrängt, ein höfliches Nein oder ein Schluck genügt. Betrunkenes Auftreten in der Öffentlichkeit wirkt peinlich. Medikamente mit Wirkstoffen wie Codein, Tramadol oder Diazepam bringst du nur mit Rezept und Anmeldung beim Zoll ein, und nur für wenige Tage, die genauen Fristen prüfst du vorab bei der Botschaft.

Vietnam Knigge bei Zärtlichkeit und heiklen Themen

Händchenhalten geht in Ordnung. Ausgiebiges Küssen und Umarmen vor anderen solltest du dir aufheben, vor allem auf dem Land. Männer und Frauen berühren sich in der Öffentlichkeit meist kaum, auch unter Einheimischen. Hotels und Pensionen prüfen gelegentlich die Pässe, rechne mit Fragen, wenn ihr als Paar ein Zimmer teilt. Prostitution ist ebenfalls illegal und nichts, womit du dich als Gast in Gefahr bringen solltest.

Politik, Religion und der Krieg sind Themen, die du am besten dem Gegenüber überlässt. Der Vietnamkrieg löst starke Gefühle aus, du musst ihn nicht verschweigen, gehst aber behutsam vor und hörst mehr zu, als du redest. Lobe zurückhaltend, zu offenes Lob macht manche verlegen. Zu Tet, dem Neujahrsfest, sprichst du nicht vom chinesischen Neujahr. Flüge, Züge und Busse sind in der Zeit Wochen vorher ausgebucht, viele Betriebe schließen.