Zehn Tage lang war ich auf meiner Hunza Tal Reise im Norden Pakistans unterwegs, zwischen Lehmforts, Gletscherzungen und Pappelreihen unter Siebentausendern, und hier steht, was sich davon wirklich gelohnt hat.
Das Tal liegt in Gilgit-Baltistan, mitten im Karakorum, nördlich der Stadt Gilgit am Karakoram Highway. Üblich ist die Einteilung in drei Abschnitte: Unter-Hunza rund um Minapin, Zentral-Hunza mit dem Ort Karimabad und Ober-Hunza, das auch Gojal heißt und bis hinter Passu reicht. Die Talsohle liegt bei rund 2.438 Metern, etwa 90 Prozent der Fläche befinden sich oberhalb von 3.000 Metern.
Gesprochen wird Burushaski, Wakhi und Shina, die meisten Bewohner gehören dem ismailitischen Islam an. Über Karimabad ragen Rakaposhi mit 7.788 Metern und Ultar Sar mit 7.388 Metern auf. Beide stehen so nah, dass man sie vom Frühstückstisch aus sieht, wenn die Wolken mitspielen. Damit unterscheidet sich die Gegend deutlich von den Basislagern, die man sonst nur nach tagelangen Märschen erreicht.
Meine Route war schlicht gehalten: Anfahrt von Gilgit, vier Nächte in Karimabad, dann zwei Nächte weiter nördlich bei Passu, dazwischen der Attabadsee und ein Ausflug in Richtung Khunjerab-Pass. Wie sich dieser Hunza Tal Urlaub anfühlte, was gut klappte und wo ich Zeit verschenkt habe, steht in den folgenden Abschnitten.

Hunza Tal Reise ab Gilgit nach Karimabad
Die Fahrt von Gilgit nach Karimabad dauert etwa zwei Stunden, und schon auf diesen Kilometern merkt man, wie eng das Tal gebaut ist.
Morgens ging es in Gilgit los, im Sammeltaxi mit vier anderen Fahrgästen. Die Straße ist der Karakoram Highway, mal glatt asphaltiert, mal mit Flicken und Steinschlagspuren. Links und rechts rücken die Felswände näher, unten rauscht der Hunza-Fluss graubraun von der Gletscherfracht. Das Gepäck lag auf dem Dach, und ich hatte meinen Rucksack zusätzlich in einer Plane, weil auf staubigen Abschnitten alles eine feine Schicht bekommt.
Karimabad, früher Baltit genannt, ist der Hauptort für Besucher. Das Zentrum liegt an einer Hangstraße, Unterkünfte reichen von einfachen Gästehäusern bis zu einem Hotel der gehobenen Klasse. Untergekommen bin ich in einem Haus mit Dachterrasse und habe dort, so gut es ging, die erste Nacht auf 2.400 Metern abgewartet. Kommst du von Islamabad, solltest du nach der langen Fahrt einen ruhigen ersten Abend einplanen.
Ein Fehler, den ich vermeiden würde: zu früh am Basar Geld zu wechseln. Geldautomaten sind im Hochtal selten und fallen zeitweise aus. Ich hatte glücklicherweise Rupien aus Gilgit dabei und kam damit gut durch die Woche.
Baltit, Altit und der Blick auf Ultar Sar
Baltit Fort thront über Karimabad und ist nach Angaben der Reisehandbücher rund 800 Jahre alt, den besten Eindruck bekommt man aber erst beim Aufstieg durch die Gassen.
Zu Fuß ging es hinauf, vorbei an Lehmmauern, Aprikosenbäumen und Steintreppen, die nach Regen rutschig werden. Von den Zinnen sieht man das gesamte Mittel-Hunza, tief unten den Fluss, weiter hinten die Gipfel. Ultar Sar zeigt sich als helle Pyramide, und bei trockener Luft war sie schon am Vormittag scharf gezeichnet, später zog Dunst auf. Zum Fotografieren stehst du früh auf.
Altit Fort liegt am Talboden und gilt als die ältere Anlage. Der Weg dorthin führt durch das gleichnamige Dorf mit schmalen Wasserkanälen und Terrassenfeldern. Für Altit rechnete ich gut zwei Stunden, für Baltit etwas mehr. Eintrittspreise ändern sich, fragt am Eingang nach, bevor ihr Bargeld abzählt.
In Ganish, einem alten Dorfteil nahe Karimabad, stehen Wachtürme aus früherer Zeit, und am Ortsrand zeigt der Heilige Felsen von Hunza Ritzungen und Inschriften aus buddhistischer Epoche. Dort traf ich fast niemanden. Für diese Ecke reicht ein halber Tag, am Nachmittag wird es im Sommer schnell heiß und windig.
Attabadsee und die Brücke bei Ghulkin
Der Attabadsee entstand erst am 4. Januar 2010 durch einen Erdrutsch, und genau das macht ihn zu einem ungewöhnlichen Stopp.
Damals riegelte ein Hangrutsch den Hunza-Fluss ab. Der See wuchs auf etwa 30 Kilometer Länge und erreichte eine Tiefe von rund 120 Metern, zwanzig Menschen starben, und ein Stück des Karakoram Highway von etwa 26 Kilometern verschwand unter Wasser. Heute führen Tunnel an der Stelle vorbei. Von Karimabad sind es ungefähr 20 Minuten Fahrt bis zum Ufer.
Das Wasser leuchtet türkis, was im Kontrast zu den braunen Felsflanken fast unwirklich wirkt. Eine Bootsfahrt stand auch an, und ich habe mich vorher nach dem Preis erkundigt, weil in der Hauptsaison überall verhandelt wird. Im November, so schrieb ein Reiseblog, ist der See ruhiger, im Hochsommer dagegen voll mit Tagesausflüglern.
Weiter nördlich, kurz hinter Ghulkin, spannt sich die Hussaini-Hängebrücke über den Fluss. Sie wird gern als eine der gefährlichsten der Welt bezeichnet, ist aber inzwischen vor allem Fotomotiv. Einige Bohlen fehlen, der Wind zerrt am Seil. Bis zur Mitte bin ich gegangen und dann zurück, und das war genug.
Passu und der Weg Richtung Khunjerab
Hinter Ghulkin öffnet sich das Tal, und die zackigen Passu Cones prägen den Horizont wie eine Reihe aufgestellter Zähne.
Passu ist ein kleiner Ort ohne Hektik. Zwei Nächte schlief ich dort in einem einfachen Gästehaus, abends gab es Linsensuppe und Fladenbrot. Zum Passu-Gletscher fährt man etwa 15 Minuten bis zu einem Parkplatz und läuft dann rund 20 Minuten zum ersten Aussichtspunkt. Von Passu zu Fuß braucht man ungefähr eine Stunde. Ein Mietwagen für Hin und Rückfahrt kostete laut einem Blog etwa 2.000 Rupien, der Preis kann sich verändert haben.
Der Khunjerab-Pass auf 4.693 Metern bildet die Grenze zu China und liegt etwa 75 Kilometer vom Grenzposten in Sost entfernt. Die Sperrzeiten wechseln: Schwere Fahrzeuge dürfen laut Wikipedia ungefähr vom 30. November bis 1. Mai nicht passieren, alle Fahrzeuge etwa vom 30. Dezember bis 1. April. Nach Schneefällen kann sich das verschieben, also vor der Abfahrt erkundigen.
Den Ausflug machte ich als Tagestour mit einem gemieteten Auto gemacht. Die Höhe machte sich ab etwa 4.000 Metern bemerkbar, Kopfdruck und kurzer Atem inklusive. Reagierst du empfindlich, bleib im Auto sitzen und trinkt viel Wasser.
Klima und Reisezeit im Karakorum
Das Wetter im Hochtal wechselt mit der Jahreszeit stärker, als man von einer Reise in Pakistan erwartet.
Weil das Tal auf rund 2.400 Metern beginnt und viele Pfade deutlich höher führen, kann ein Tag mit warmem Mittag und eisiger Nacht enden. Reisehandbücher nennen meist Frühjahr bis Herbst als sinnvollen Zeitraum. Im Frühjahr locken blühende Aprikosenbäume, im Herbst färben sich Pappeln und Walnussbäume gelb. Mir hat der Herbst besser gefallen, die Luft war trocken, die Sicht auf die Gipfel lang.
Im Winter schneit es, hohe Straßen und der Khunjerab-Pass können für längere Zeit geschlossen sein. Die Sperrzeiten wechseln, genaue Termine sollte man vorab prüfen. Ein Reiseblog erwähnt außerdem, dass der Attabadsee im November ruhiger ist als im Hochsommer. Das spricht für die Nebensaison, wenn du Wert auf Platz an den Aussichtspunkten legst.
Im Sommer ist es dagegen voll, vor allem an Wochenenden, wenn Familien aus den Städten Pakistans anreisen. Unterkünfte sind dann knapper, und es hilft, vorher anzurufen. Ich würde für diese Region mindestens eine Woche einplanen, damit ein Schlechtwettertag nicht den ganzen Plan kippt.
Einreise, Sicherheit und Gesundheit
Für Pakistan brauchst du als Reisender aus Deutschland ein Visum, alles Weitere ändert sich, daher gilt: Hinweise des Auswärtigen Amts vor der Abreise lesen.
Visabedingungen, Erlaubnisse für bestimmte Regionen und die Sicherheitslage wechseln. Deshalb vertraute ich weder auf Foren noch auf meine Erinnerung vertraut, sondern kurz vor dem Abflug die Reisehinweise aufgerufen und mich bei der Unterkunft in Karimabad nach dem Zustand der Straßen erkundigt. Vor der Abreise gehört außerdem eine Auslandskrankenversicherung mit Rückholung dazu, denn Krankenhäuser im Norden sind klein und weit entfernt.
Gefahren am Weg sind eher alltäglich als dramatisch: Steinschlag auf der Straße, wacklige Brücken, Gletscherspalten abseits der Pfade, Höhe. Die Hussaini-Brücke und das Eis am Passu-Gletscher verlangen Vorsicht, und ich bin dort nie allein gegangen. Auf den Aussichtswegen reichen feste Schuhe.
Zur Gesundheit: Trinkwasser nur aus Flaschen oder gefiltert, Händedesinfektion in der Tasche, Sonnencreme mit hohem Schutz. Wegen der Höhe auf 2.400 Metern empfehle ich am ersten Tag wenig Anstrengung. Medikamente, die du regelmäßig brauchst, gehören in ausreichender Menge ins Handgepäck.
Kleidung und Packliste
Für die Region packst du lieber Schichten als dicke Einzelteile, denn zwischen Morgen und Mittag liegen leicht zwanzig Grad.
Die Gegend ist konservativ geprägt, auch wenn der ismailitische Glaube als liberaler gilt. Als Gast hielt ich mich an lange Hosen und bedeckte Schultern, was auch gegen die Sonne half. Für Frauen sind ein Tuch und lange Ärmel nützlich, die Regel gilt übrigens ebenso für Männer: keine kurzen Hosen im Ort.
Gegen Abend kühlt es auf dem Dach des Gästehauses spürbar ab, vor allem im Herbst, und eine Heizung gibt es häufig nicht. Froh war ich um einen Schlafsack-Inlet und warme Socken. Auf Wanderungen schützt ein leichter Windbreaker vor dem Zug in den Seitentälern.
Diese Liste hat sich bei mir bewährt:
- Fleecejacke und dünne Daunenjacke für Abende und Höhe
- Feste Wanderschuhe mit grobem Profil für Gletscherwege
- Sonnenbrille, Kappe und Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor
- Stirnlampe, weil Stromausfälle im Tal vorkommen
- Wiederbefüllbare Flasche und Filter oder Tabletten für Trinkwasser
- Bargeld in kleinen Scheinen, da Geldautomaten selten sind