Meine Aserbaidschan Reise begann zwischen Sandsteingassen in Baku und endete in einem Steindorf auf über 2.000 Metern, in dem man eine Sprache spricht, die mit keiner anderen verwandt ist.
Aserbaidschan liegt am Kaspischen Meer, dort, wo Europa und Asien ineinander übergehen. Die Hauptstadt Baku zählt rund 2,3 Millionen Einwohner und liegt 28 Meter unter dem Meeresspiegel, damit ist sie die tiefstgelegene Hauptstadt der Welt. Nur wenige Autostunden weiter nördlich ragt der Große Kaukasus mit Gipfeln über 4.000 Metern auf. Diese Spanne hat mich an dem Land am meisten gereizt.
Insgesamt war ich etwa zehn Tage unterwegs, davon drei in Baku und zwei im Norden. Der Rest ging für Fahrten und Puffer drauf. Meine Route führte von der Altstadt über die Kleinstadt Quba hinauf nach Xinaliq, ein Dorf, das erst 2023 in die UNESCO-Liste aufgenommen wurde. Beim Ankommen merkt man schnell, warum man diesen Ort lange kaum kannte.
In den folgenden Abschnitten schildere ich die Stationen, den Weg dazwischen und die Dinge, die ich vorab gern gewusst hätte: Klima, Einreise, Tischsitten. Wenn du einen Aserbaidschan Urlaub planst, kannst du die Route problemlos kürzen oder um Gobustan mit seinen Schlammvulkanen erweitern, das etwa 70 Kilometer südwestlich von Baku liegt.

Aserbaidschan Reise ab Baku durch die Altstadt
Die Altstadt von Baku ist klein, steinig und älter, als ihre Fassaden vermuten lassen.
Icherisheher, wie die Einheimischen die ummauerte Altstadt nennen, wurde im Dezember 2000 als erste Stätte des Landes von der UNESCO eingetragen. Schriftlich lässt sie sich mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen, einige Forscher setzen den Anfang schon im 7. Jahrhundert an. Geklärt ist das bis heute nicht. Im Jahr 2007 lebten dort nur noch rund 3.000 Menschen, entsprechend ruhig sind die Gassen am Vormittag.
Am ersten Morgen lief ich ohne Plan hinein und habe mich prompt verlaufen. Das war kein Fehler. Die Wege winden sich bergauf, enden in Hinterhöfen und führen dann doch auf einen Platz mit Teehaus. Der Jungfrauenturm stammt aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, der Palast der Schirwanschahs aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Dazu kommen das Minarett Synyg Gala (11. Jahrhundert) sowie die Karawansereien Multani und Buchara. Für den Palast habe ich gut anderthalb Stunden gebraucht, für alles andere zusammen einen halben Tag.
Ein Nachteil: Die Sonne knallt zwischen den hellen Mauern im Sommer erbarmungslos, Schatten gibt es kaum. Starte früh, Mittagspausen im Teehaus sind keine Faulheit, sondern Taktik. Am Abend lohnt der Weg hinunter zur Uferpromenade, wo der Wind spürbar frischer weht.
Von Baku über Quba nach Xinaliq
Der Weg in den Norden kostet einen halben Reisetag, gibt aber den besten Eindruck vom Landesinneren.
Von Baku nach Xinaliq sind es etwa 230 Kilometer über die E119, reine Fahrzeit rund vier Stunden. Ich bin mit dem Minibus von Bakus Internationalem Busterminal nach Quba gefahren. Laut einem Reiseführer, Stand Ende 2024, gehen die Busse ab 7:30 Uhr alle 20 bis 40 Minuten, die Fahrt dauert etwa 3 Stunden 20 Minuten und kostete damals 5,30 AZN. Fahrpläne und Preise ändern sich, prüfe sie kurz vorab auf biletim.az.
Quba selbst ist ein ruhiger Zwischenstopp mit Obstgärten und alten Häusern. Von dort fahren Sammeltaxis zum Dorf hinauf. Die Wagen warten am Zentralen Busbahnhof und starten laut derselben Quelle am besten gegen Mittag bis zum frühen Nachmittag. Üblich sind 15 bis 20 AZN pro Person oder 50 bis 60 AZN für das ganze Auto. Die Fahrt dauert anderthalb bis zwei Stunden, die Straße ist steil, eng und asphaltiert.
Ich habe mein Quartier über die Pension organisieren lassen, die auch den Transfer übernahm, und fand das deutlich entspannter als Feilschen am Busbahnhof. Mit dem Mietwagen geht es ebenfalls. Du solltest dann vor der Abfahrt Wetter und Straßenlage prüfen, denn Lawinen und Erdrutsche kommen vor, vor allem im Frühjahr.
Xinaliq im Hochgebirge und die Wanderung nach Galakhudat
Xinaliq liegt auf rund 2.180 Metern und fühlt sich an wie das Ende der Straße, was es auch ist.
Etwa 2.000 Menschen leben hier, in mehr als 350 Steinhäusern, die sich eng an den Hang pressen. Ihre Sprache, Khinalug, gilt als Sprachisolat innerhalb der nordostkaukasischen Familie, die meisten sprechen zusätzlich Aserbaidschanisch. Rundherum steigen Gipfel wie der Shahdag mit 4.243 Metern auf. Die Temperaturen reichen im Jahresverlauf ungefähr von minus 20 bis 18 Grad.
Hotels gibt es nicht, nur Familienpensionen. Restaurants fehlen ebenfalls, du isst, was die Gastgeber auftischen. Einen Geldautomaten habe ich im Dorf nicht gefunden, also hole Bargeld in Quba. Am Dorfrand steht ein wiederaufgebauter zoroastrischer Feuertempel, den man laut Reisebericht nur mit Genehmigung und Führer besuchen darf. Ich habe das nicht versucht, den Papierkram dauert einige Tage.
Stattdessen bin ich den markierten Weg nach Galakhudat gelaufen: etwa 8 Kilometer, grob drei Stunden pro Richtung. Der Pfad folgt Weideland, Schafe kreuzen ihn, und hinter jeder Kuppe öffnet sich ein neuer Blick auf das Tal. Zurück nahm ich dasselbe Stück, das war ehrlicherweise langweiliger als der Hinweg. Plane einen Zeitpuffer ein, denn das Wetter schlägt in dieser Höhe schnell um.
Klima und Reisezeit in Aserbaidschan
Baku ist windig, die Berge sind kalt, und zwischen beiden liegen Welten.
In Baku messen die Wetterdienste im Januar im Mittel etwa 4,8 Grad, im Juli rund 26 Grad. Der Wind Khazri, ein kalter Nordwind, erreicht Böen bis 144 Kilometer pro Stunde, wegen ihm heißt die Stadt auch die Stadt der Winde. Im Sommer wirkt er kühlend, im Winter macht er den Spaziergang am Meer ungemütlich. Sein warmes Gegenstück aus dem Süden heißt Gilavar.
Für Xinaliq nennen Reiseführer März bis November als sinnvolle Zeit. Die Straße ist zwar ganzjährig offen, im tiefen Winter wird sie aber häufig wegen Schnee unpassierbar. Ich war im Frühherbst unterwegs und hatte tagsüber T-Shirt-Wetter, nach Sonnenuntergang brauchte ich eine Daunenjacke. Das ist keine Übertreibung, die Nächte auf 2.000 Metern kühlen schnell aus.
Meine Empfehlung für die gesamte Route lautet daher Mai oder September. Im Juli und August wird Baku mit knapp 30 Grad schweißtreibend, und die Wanderungen im Norden sind dann zwar möglich, aber nachmittags häufig von Gewittern gestört. Packe in jedem Fall Schichten ein, ein Regenschutz gehört ebenfalls in den Rucksack.
Einreise, Sicherheit und Gesundheit
Für die Einreise brauchst du in der Regel ein elektronisches Visum, das sich online in wenigen Minuten beantragen lässt.
Das ASAN e-Visa gilt seit Januar 2017, erlaubt einen Aufenthalt von bis zu 30 Tagen und kostet laut Wikipedia 25 US-Dollar bei einer Bearbeitung von bis zu drei Werktagen. Das Eilverfahren schlägt mit 60 US-Dollar zu Buche und wird in wenigen Stunden erledigt. Dein Reisepass sollte mindestens drei Monate über das Visumsende hinaus gültig sein. Bei mehr als 15 Tagen Aufenthalt muss man sich beim Migrationsdienst melden. Welche Länder berechtigt sind und welche Gebühren aktuell gelten, steht auf evisa.gov.az, schau dort vor der Buchung nach.
Zur Sicherheit kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen: Baku und der Norden haben sich für mich unaufgeregt angefühlt, die Menschen waren hilfsbereit. Das Auswärtige Amt veröffentlicht für Aserbaidschan aktuelle Reisehinweise. Die Regionen rund um die Grenze zu Armenien und das ehemalige Konfliktgebiet Bergkarabach solltest du dort nachlesen. In diese Gegenden hat es mich nicht gezogen.
Gesundheitlich war außer der Höhe nichts zu beachten. In Xinaliq ist die Wasserversorgung knapp, fülle deine Flasche daher in Quba oder in der Pension auf und frage nach, ob das Wasser aufbereitet ist. Eine Auslandskrankenversicherung habe ich vorsichtshalber abgeschlossen, in den Bergen ist der nächste Arzt weit.
Sitten und Bräuche am Tisch
Tee ist in Aserbaidschan mehr als ein Getränk, er ist die Begrüßung.
Kaum hatte ich mich irgendwo hingesetzt, stand schon ein Glas schwarzer Tee vor mir, meist mit Konfitüre als Süße. Ein Glas auszuschlagen, kam mir nie in den Sinn, und nach dem zweiten Nachschenken half nur noch höfliches Abwinken. Zu Hause bei einer Familie lohnt ein kleines Mitbringsel, Süßes oder Obst kommt immer gut an. Ob du die Schuhe ausziehst, erkennst du am Eingang, schau einfach, was die Gastgeber tun.
Zum Essen: Plov, das verbreitetste Reisgericht, gibt es in mehr als 200 Varianten. Traditionell kommen Reis, eine Beilage aus Fleisch, Trockenfrüchten oder Eiern und Kräuter getrennt auf den Tisch. Dolma, gefüllte Weinblätter oder Kohlblätter, sind seit 2017 immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Dazu kommen Qutab, dünne Teigtaschen mit Fleisch, Käse oder Spinat, und Piti, ein Eintopf aus Hammelfleisch, der im Tontopf kommt. Für Süßes ist Pakhlava aus der Stadt Shaki bekannt.
In Xinaliq gab es abends Suppe, Brot, Käse und mehr Tee, als ich je trinken konnte. Vegetarier haben es in den Pensionen schwerer, sag das bei der Buchung, nicht erst am Tisch.